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O. Verbecks Erzählungen

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Textdaten
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Titel: O. Verbecks Erzählungen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 839
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[839] O. Verbecks Erzählungen. Der Roman „Einsam“, der gegenwärtig in der „Gartenlaube“ veröffentlicht wird, erfreut sich, wie wir aus zahlreichen Zuschriften ersehen, eines außerordentlichen Beifalls. In diesen Zuschriften spricht eine Anzahl unserer Leser und Leserinnen auch den Wunsch aus, Näheres über die bisherige schriftstellerische Thätigkeit des Autors zu erfahren. Zugleich wird die Frage an uns gerichtet, ob dieser Autor, der so packend schildert und so warm zu Herzen spricht, ein Mann oder eine Frau sei.

Wir können darauf erwidern, daß der Name O. Verbeck das Pseudonym einer reichbegabten Schriftstellerin ist, die bereits vor ihrem Roman „Einsam“ eine Reihe kleinerer, aber eigenartiger und fesselnder Novellen geschrieben hat. Dieselben sind als ein hübsch ausgestattetes Buch unter dem Titel „Drei Erzählungen“: Der erste Beste, Die Neuenhofer Stücke, Maria Neander im Verlage von Fr. Wilh. Grunow in Leipzig erschienen.

Von diesen drei Erzählungen ist die „Neuenhofer Stücke“ nur eine kurze „Ferienerinnerung“, eine originelle Charakterstudie, während die beiden anderen mit feiner Empfindung und großer Sorgfalt ausgearbeitete Novellen sind, in welchen die Vorzüge des Verbeck’schen Talentes voll zur Geltung kommen.

Die Hauptgestalt der Novelle „Der erste Beste“ ist Margarete, ein junges Mädchen, das aus Gram über ihre erste unglückliche Liebe den „ersten Besten“ heiratet, der mit Zustimmung ihrer guten und klugen Mutter um ihre Hand anhält. Die junge Ehe nimmt keinen guten Anfang. Es kommt zu einer Entfremdung der Gatten. Sich selbst überlassen, gelangt indessen Margarete Schritt für Schritt zu der Einsicht, wie unrecht, undankbar sie gehandelt hat. Beschämt, empfindet sie tiefe Reue, heiße Liebe erwacht in ihrem Herzen und schließlich erfolgt eine glückliche Versöhnung.

In dieser Novelle sind die Herzenskämpfe der jungen Frau mit warmem Empfinden geschildert. O. Verbeck zeigt sich dabei als eine überaus feine Kennerin der geheimsten Regungen des Frauengemüts. Eine scharfe Beobachterin der Menschen und der Natur, versteht sie mit klarer Ueberlegung die Situationen, in welche ihre Heldin versetzt wird, zu schildern. Dabei kommt ihr eine knappe aber formvollendete und vom dichterischen Hauch belebte Sprache zu statten. So wirken auch in dieser Erzählung die Schilderungen des Landlebens auf dem wohlgeordneten Gute Hellborn und die Scenen aus dem Aufenthalte an der Ostsee überaus fesselnd und anziehend.

Sehr ernsthaft ist der Inhalt der Novelle „Maria Neander“. Mit feinen Zügen ist die Gestalt der so herb Getäuschten gezeichnet. Der Leser gewinnt die innigste Teilnahme für diese anmutige Maria, die unter dem unerträglichen Drucke ihrer geheimen Schuld so schwer leidet. Der Ausgang ist auch in dieser Novelle erfreulich, denn zuletzt schließen die durch so schwere Kämpfe geläuterten Herzen den ewigen Bund.

Wie vielseitig O. Verbeck veranlagt ist, ersehen wir noch aus einem anderen Buche, das sie geschrieben hat. „Allerleirauh“ heißt sein Titel und es enthält sieben reizende Tiergeschichten für Kinder. Dieselben wollen in den Kinderherzen Mitgefühl für die Tierwelt erwecken, was der Verfasserin in glücklichster Weise gelingt. Sie unterrichtet die Kleinen, wie sie auf die „Sprache der Tiere“ achten sollen. Ein Mensch, der Tiere lieb hat, versteht genau, was sie sprechen. Denn er hört, wenn z. B. so ein Hund bellt oder winselt oder schnauft, ganz deutlich, was dieses Bellen oder Winseln oder Schnaufen zu bedeuten hat. Er versteht es so genau, daß er sich all diese Töne in wirkliche Worte übersetzen kann, als wären sie gesprochen worden. Das Buch, gleichfalls im Verlage von Fr. Wilh. Grunow erschienen, ist mit 39 trefflichen Illustrationen von Ch. Botteler geschmückt. Von der Mutter vorgelesen, werden diese Tiergeschichten sicher in jedem deutschen Hause an den langen Winterabenden unter den Kleinen und Kleinsten eifrige und dankbare Zuhörer finden.