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Nochmals die Eisenbahnen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: G. Rohlfs
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Titel: Nochmals die Eisenbahnen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 20
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[20] Nochmals die Eisenbahnen. Man hat durch Erfahrung festgestellt, daß im Winter der Mensch in seiner Wohnung bei circa 15° C. Wärme sich am wohlsten befinde. Namentlich bei sitzender Lebensweise. Ein Arbeitender, besonders ein Handarbeiter, bedarf weniger Wärme; Letzterer, z. B. ein Tischler, wird sich mit +10° C. gewiß vollkommen zufrieden erklären. Ein Denker, ein Schriftsteller – auch die Thätigkeit des Gehirns ist Arbeit – hat natürlich damit nicht genug, weil die Gehirnthätigkeit allerdings Stoffwechsel bedingt und Wärme erzeugend wirkt, aber nicht in dem Maße, wie das bei Handwerkern der Fall ist, wo der größte Theil der körperlichen Musculatur in Anspruch genommen wird.

Seit einem Monate und vielleicht noch länger haben wir eine durchschnittliche Temperatur von +3 bis 4° C., eine Wärme, welche keineswegs genügend erachtet werden kann, daß Jemand im ruhenden Zustande sich dabei behaglich oder, was dasselbe ist, wohl fühle. Trotzdem sind die Coupés der den Privatgesellschaften gehörenden Bahnen nicht, oder doch so mangelhaft geheizt, daß die Temperatur im Innern selten über +6° C. kommt. Dies ist durch thermometrische Beobachtung bewiesen. Stellt sich ein höherer Wärmegrad heraus, so ist er bedingt durch eigene menschliche Wärmeerzeugung.

Man kann sich vorstellen, wie unangenehm das Reisen in der jetzigen Jahreszeit für die Reisenden 1. und 2. Classe ist, denn die 3. und 4. Classe-Waggons sind gut geheizt; glücklicher Weise, weil die Waggons dieser Classen durchgehend, während die Waggons 1. und 2. Classe in vier oder fünf ganz geschiedene Räume getheilt sind. Es wäre daher sehr wünschenswerth, daß sich das Reichs-Eisenbahnamt dieser Sache annähme, da noch so viele Beschwerden des Publicums bis jetzt keinen Erfolg hatten.

Glücklich sind in dieser Beziehung die Süddeutschen daran; die Baiern, weil sämmtliche Waggons durch von dem Kessel der Locomotive ausgehenden Dampf geheizt werden, die Württemberger, weil ihre durch Gänge getheilten Waggons gut geheizte Oefen haben.

In den norddeutschen Waggons sind in eisernen Kästen gepreßte Kohlen als Heizung angebracht, eine äußerst unangenehme Wärme-Erzeugung wegen der brennenden Hitze, falls alle Kästen gefüllt werden, und vollkommen ungenügend, falls nur ein Kasten gefüllt wird. Die entsetzlichen Fußwärmer sind noch ungenügender, weil dabei die Luft nicht erwärmt wird.

Genügende Hülfe werden wir Norddeutschen wohl erst dann haben, wenn die Bahnen, wie in Süddeutschland, Staatseigenthum geworden sind. Denn es ist ja ganz natürlich, daß jede Gesellschaft so viel wie möglich zu sparen sucht und daß aus diesem Sparsystem sich nach und nach bei den Directoren und Beamten der Bahn der Wahn entwickelt, das Publicum sei der Eisenbahn wegen da, nicht aber die Bahn zum Nutzen und Frommen des Publicums. G. Rohlfs.