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Noch einmal der schwarze Herzog

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Noch einmal der schwarze Herzog
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aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 224
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[224] Noch einmal der schwarze Herzog. Zu dem in Nr. 8 der Gartenlaube gebrachten Artikel „Der Zug des schwarzen Herzogs“ erlaube ich mir eine Episode hinzuzufügen, welche möglicherweise Aufschluß geben kann, wodurch der Herzog gezwungen wurde, den Kampf mit dem Obersten Wellingerode aufzunehmen, der nicht zufällig nach Halberstadt kam, sondern Ordre hatte, dem Herzog den Weg nach der Weser zu verlegen.

Es war im Juni des Jahres 1809, als einige Officiere und Mannschaften des in Stralsund zersprengten Schill’schen Corps im Gasthofe zum „grünen Röckchen“ im Dorfe Ritterode bei Hettstädt (damals dem Königreich Westphalen einverleibt) anhielten, um sich und ihren Pferden nach einem angestrengten Ritte einige Erholung zu gönnen. Unwahr ist die von Einigen behauptete Thatsache, daß die Officiere das von ihnen Geforderte nicht bezahlt hätten.

Die Anwesenheit dieser von Kassel aus als Räuber gebrandmarkten Patrioten wurde dem damaligen Maire, Amtmann Lieberkühn in Meisberg, angezeigt, der sich sofort auf’s Pferd setzte und, da ihm eine ausreichende bewaffnete Macht nicht zu Gebote stand, im Verein mit dem Advocaten Helm in Hettstädt, die dasige Bürgerschützen-Compagnie aufbot und mit dieser, die sich mit Waffen jeder Art versehen hatte, gegen Ritterode zog, um die „Räuber“ aufzuheben. Die Officiere waren indeß durch Patrioten gewarnt und kamen dem bewaffneten Haufen entgegengeritten. Der älteste Officier erklärte, daß sie keine kriegerischen Absichten, gegen deutsche Bürger hätten, sondern sich nur im Kriege mit Napoleonischen Truppen und deren Verbündeten befänden, er appellirte an den Patriotismus und bat, sie ungehindert ziehen zu lassen, und ihre Absicht, sich den in Böhmen zusammengezogenen Schaaren des Herzogs von Braunschweig anzuschließen, nicht zu durchkreuzen.

In diesem Augenblicke fiel ein Schuß aus dem Haufen, nach Einigen von einem Schützen, nach Anderen von einem mitanwesenden westphälischen Gensd’armen abgefeuert, und ein Mann, ein Wachtmeister, wurde dadurch sofort getödtet.

Der Officier beruhigte seine Waffengefährten, die die Säbel gezogen hatten, und rief den Führern noch zu, daß er, obwohl er mit seinen wenigen Mann unter den unorganisirten Haufen ein schreckliches Blutbad anrichten könne, doch darauf verzichte, die Verantwortung für diese That den Führern überlasse und die Strafe einer späteren Zeit vorbehalte. Er ritt, von seinen Gefährten und dem Geschrei des verblendeten Haufens gefolgt, im Galopp davon.

Die Strafe für diese That ließ nicht lange auf sich warten. Am 26. Juli Nachmittags zog ein kleines Heer, Infanterie, Cavallerie und einige Geschütze, von Helmsdorf auf Hettstädt zu, welches, sobald es die Hettstädter Flur betrat, die gebahnten Wege verließ und durch das in üppigster Fülle stehende Korn auf die sogenannte Trotzwiese zu marschirte, woselbst es Bivouac bezog. Gleichzeitig ritten einige Husaren in die Stadt ein und durchsuchten das Haus des Advocaten Helm, um ihn für die an den Schill’schen Officieren ausgeübte Verrätherei zu bestrafen.

Durch Zufall war derselbe nicht zu Hause und konnte sich, rechtzeitig gewarnt, nach dem Harze retten. Der Herzog ließ den Maire kommen und gab vierundzwanzig Stunden Frist zur Herbeischaffung der schon oben genannten Herren, während er im andern Falle mit Einäscherung der Stadt drohte. Als nach Ablauf dieser Frist die beiden Führer nicht zur Stelle waren, unternahmen es zwei junge Mädchen, Geschwister Schröder, den Herzog fußfällig um Zurücknahme des, wie es heißt, schon gegebenen Einäscherungsbefehls zu bitten. Der Herzog willfahrte dem Flehen und verließ nach zweitägigem Aufenthalt am 28. Juli Hettstädt, um sich über Quedlinburg nach Halberstadt zu begeben, welches leider schon vor ihm vom Wellingerode erreicht war, was den Herzog zwang, den Kampf aufzunehmen.

Die Stadt Hettstädt mußte zur Strafe die während der zwei Tage von den Truppen des Herzogs nicht allzu sparsam gebrauchte Fourage und Lebensmittel aller Art bezahlen und hat dadurch eine Schuldenlast von vierzehntausend Thaler bekommen, an welcher die sonst arme Stadt noch heute amortisirt. Noch sei erwähnt, daß bei den erwähnten Schill’schen Officieren ein Herr v. Münchhausen sich befand, der, nach dem Frieden und nachdem jene Gegend zu Preußen geschlagen war, Landrath des Mansfelder Gebirgskreises wurde und seinen Wohnsitz in Hettstädt hatte, der Stadt, deren Bewohner ihn als Räuber einfangen wollten.