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Noch einmal das Abrichten der Vögel

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Titel: Noch einmal das Abrichten der Vögel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 124
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[124] Noch einmal das Abrichten der Vögel. „In Nr. 52 vorigen Jahres Ihres geschätzten Blattes,“ schreibt man uns, „finde ich einen Artikel über das Abrichten der Vögel, in welchem der Verfasser seinen Zweifel darüber ausspricht, ob es möglich sei, den Vögeln das Apportiren beizubringen, und erklärt, daß ihm kein Beispiel bekannt sei. Gestatten Sie mir, Ihnen ein solches mitzutheilen! – Im Parke des herzoglichen Schlosses Callenberg bei Coburg befindet sich eine Fasanerie und in derselben ein hofartig abgerundeter Raum, in welchem in verschiedenen Behältern einige Thiere, meistens Raubvögel, gehalten werden. Unter letztern zeichnet sich ein Adler aus, den der Herzog vor etwa fünfzehn Jahren, wenn ich nicht irre, aus Tirol mitbrachte und der sich seit jener Zeit unter der speciellen Pflege des Herrn Fasanenmeisters C... befunden hat, dessen besondere Zuneigung er mit seinem Nachbar, einem Storche, theilt. Im Laufe der Zeit hat der Herr Fasanenmeister seinen Pflegebefohlenen allerlei kleine Kunststücke beigebracht, zu welchen beim Adler auch das Apportiren gehört. Wenn ihm sein Herr ein Stückchen Holz oder sonst einen Gegenstand hinwirft, steigt er auf Befehl von seinem Sitze herab und bringt das Verlangte im Schnabel zu seines Meisters Füßen; von Dritten aber läßt er sich unter keiner Bedingung seine Beute abnehmen und vertheidigt dieselbe tapfer mit seinen Fängen. Der Storch klappert auf Wunsch und spielt dabei mit seinem gravitätischen Ernste eine gar komische Figur.

Ein anderes Beispiel der Zähmung von Vögeln ist mir bekannt, das vielleicht einzig in seiner Art ist. Hier war es ein Wasserhuhn. Eine Dame meiner Bekanntschaft gelangte vor einigen Jahren in den Besitz des damals noch jungen Thieres und zog dasselbe mit vieler Mühe auf. Bald entwickelte sich zwischen Beiden ein intimes Verhältniß, und der Vogel folgte seiner Herrin erst im Hause und dann auch im Freien auf Schritt und Tritt. Bei Ausgängen flog er eine kleine Strecke voraus, ließ sich nieder und wartete auf ihr Herankommen oder nahm auch wohl seinen Platz auf ihrer Schulter; erst vor ganz kurzer Zeit wurde er von einem Hunde gewürgt und schmückt jetzt, zierlich ausgestopft, ihr Boudoir.

Eine andere Dame besaß vor Jahren einen Zeisig, ein Geschenk von Alexander von Humboldt, der seine vollständige Freiheit genoß und an schönen Tagen aus dem offenen Fenster in den Garten flog, von wo er stets, manchmal allerdings nach mehrtägiger Abwesenheit, zurückkam. Im Zimmer pflegte er sich gewöhnlich auf den Rand eines altväterischen hölzernen Tintenfasses zu setzen, und dasselbe sollte auch sein Grab werden; eines Tages wurde er todt darin aufgefunden.“