Zum Inhalt springen

MKL1888:Ruge

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Ruge“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Ruge“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 14 (1889), Seite 18
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: Ruge
Wiktionary-Logo
Wiktionary:
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Ruge. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 14, Seite 18. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Ruge (Version vom 25.09.2021)

[18] Ruge, 1) Arnold, Schriftsteller, geb. 13. Sept. 1802 zu Bergen auf der Insel Rügen, studierte in Jena und Halle 1821–24 hauptsächlich Philosophie und nahm auf beiden Universitäten lebhaften Anteil an der Burschenschaft, wofür er einjährige Haft in Köpenick und fünfjährige auf der Festung Kolberg zu bestehen hatte. Während dieser Zeit studierte er eifrig die alten Klassiker, übersetzte den Theokrit, Äschylos und Sophokles metrisch und machte ästhetische Studien nach Jean Paul und den englischen Humoristen. Nach seiner Freilassung 1830 erhielt er eine Lehrerstelle am Pädagogium zu Halle, und zwei Jahre später habilitierte er sich als Privatdozent an der dortigen Universität. Nachdem er sich bereits (namentlich durch die „Platonische Ästhetik“, Halle 1832) litterarisch bekannt gemacht, begründete er 1837 mit Echtermeyer die „Halleschen Jahrbücher für Kunst und Wissenschaft“, die bald das damals bedeutendste kritische Organ wurden. Als dieselben wegen ihrer politisch-liberalen Richtung unter preußische Zensur gestellt werden sollten, verließ R. Halle und siedelte 1841 mit seiner Zeitschrift, die er nun „Deutsche Jahrbücher“ nannte, nach Dresden über. Das Ministerium Falkenstein entzog jedoch der Zeitschrift alsbald die Konzession, und R. lebte hierauf mehrere Jahre in Paris und in der Schweiz und gründete sodann zu Leipzig unter der Firma „Verlagsbüreau“ ein buchhändlerisches Geschäft, aus dem unter seiner Redaktion unter anderm „Politische Bilder aus der Zeit“ (Leipz. 1848, 2 Tle.), „Poetische Bilder aus der Zeit“ (das. 1848, 2 Bde.) und „Die Akademie, ein philosophisches Taschenbuch“ (das. 1847–48) mit Beiträgen von Seeger, Gerstäcker, Freytag, Hebbel, Fröbel, Hartmann u. a. hervorgingen. Auch besorgte er eine Ausgabe seiner „Gesammelten Schriften“ (Mannh. 1846–48, 10 Bde.). Nach Ausbruch der Bewegung von 1848 gab R. zuerst in Leipzig, dann in Berlin eine demokratische Zeitung: „Die Reform“, heraus und wurde von Breslau in das Frankfurter Parlament gewählt, wo er seinen Platz auf der äußersten Linken nahm, sich aber bald als unpraktischen Doktrinär bekundete. Verstimmt begab er sich auf Reisen u. ward infolgedessen von der Nationalversammlung als ausgeschieden erklärt. Um dieselbe Zeit (Okt. 1848) wohnte er dem Demokratenkongreß in Berlin bei, um seine „Reform“ zum Organ der Demokratie erheben zu lassen. Der eintretende Belagerungszustand hatte aber das Verbot dieser Zeitung zur unmittelbaren Folge, und R. mußte 21. Jan. 1849 die Stadt verlassen. Er kehrte nach Leipzig zurück, beteiligte sich dann an den Maiereignissen und mußte 1850 nach England flüchten, wo er mit Mazzini, Ledru-Rollin u. a. zu einem europäisch-propagandistischen Komitee zusammentrat. Später nahm er seinen Wohnsitz in Brighton, von wo aus er sich 1866 schon vor dem Krieg in Briefen an deutsche Zeitungen für die auswärtige Politik Bismarcks erklärte. 1877 wurde ihm in Anerkennung seines litterarischen Wirkens für die deutsche Einheit ein Ehrengehalt von 3000 Mk. jährlich aus Reichsmitteln bewilligt. R. starb 31. Dez. 1880 in Brighton. Von Ruges Schriften erwähnen wir: „Schill und die Seinen“, Trauerspiel (Strals. 1830); „Der Novellist“ (das. 1839); „Zwei Jahre in Paris“ (Leipz. 1846, 2 Bde.); „Novellen aus Frankreich und der Schweiz“ (das. 1848); „Unser System“ (das. 1850); „Revolutionsnovellen“ (das. 1850); „Die Loge des Humanismus“ (das. 1851); „Die neue Welt“, Trauerspiel (das. 1856); „Aus früherer Zeit“ (Berl. 1863–67, 4 Bde.), eine Autobiographie mit zum Teil vortrefflichen Episoden; „Zwei Doppelromane in dramatischer Form“ (das. 1865); „Manifest an die deutsche Nation“ (2. Aufl., Hamb. 1866); „Aufruf zur Einheit“ (Berl. 1866); „Der Krieg“ (das. 1867); „Bianca della Rocca“, historische Erzählung aus dem heutigen Rom (unter dem Namen R. Durangelo, das. 1869); „Acht Reden über Religion“ (das. 1869; neue Ausg., das. 1875) und „Geschichte unsrer Zeit seit den Freiheitskriegen“ (Leipz. 1881). Auch hat sich R. durch Übersetzung der „Juniusbriefe“ (3. Aufl., Leipz. 1867), von Garridos „Das heutige Spanien“ (neue Ausg., das. 1867), Buckles „Geschichte der Zivilisation“ (5. Aufl., das. 1874), H. Bulwers „Lord Palmerston“ (Berl. 1871) u. a. verdient gemacht. Seinen „Briefwechsel und Tagebuchblätter aus den Jahren 1825–1880“ gab Nerrlich heraus (Berl. 1885–86, 2 Bde.).

2) Sophus, Geograph, geb. 26. März 1831 zu Dorum (Hannover), studierte in Göttingen und Halle, habilitierte sich 1872 als Dozent am Polytechnikum in Dresden und ist jetzt Professor der Geographie und Ethnographie daselbst. Außer geographischen Lehrbüchern schrieb er: „Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen“ (Berl. 1881–83), „Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte der Erdkunde“ (Dresd. 1888) und gab die 2. Auflage von Peschels „Geschichte der Erdkunde“ (Münch. 1878) sowie eine Neubearbeitung von Ungewitters „Erdbeschreibung“ (6. Aufl., Dresd. 1887 ff.) heraus.