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MKL1888:Papȳrusrollen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Papȳrusrollen“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Papȳrusrollen“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 12 (1888), Seite 695
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Papȳrusrollen. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 12, Seite 695. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Pap%C8%B3rusrollen (Version vom 18.03.2021)

[695] Papȳrusrollen, Rollschriften, die, auf Papyrus mit hieratischer und demotischer, auch mit griechischer Schrift geschrieben, aus den ältesten Zeiten (1866 v. Chr.) stammen und bis in das 5. und 6. Jahrh. n. Chr. herabreichen. Sie sind in neuerer und neuester Zeit teils in Herculaneum, teils in Ägypten und anderwärts zahlreich aufgefunden worden und für das Studium der orientalischen Sprachen sowohl als für die Kenntnis der alten, besonders der ägyptischen, Geschichte sehr wichtig. Die Rollen sind von verschiedener Länge; eine 1821 auf der Insel Elefantine aufgefundene Papyrusrolle, welche den Schluß der „Ilias“ enthält, hat 2,5 m Länge und 25 cm Breite. Die herculaneischen P. gehören zu den ältesten, welche man kennt, sind aber so verkohlt, daß sie weder eine klare Anschauung ihrer ursprünglichen Gestalt geben, noch den vollständigen Text der Schriften bieten, welche sie enthalten. Von den wichtigsten und am besten erhaltenen dieser Rollen hat die Akademie zu Oxford Abschriften (Oxford 1824 u. 1825, 2 Bde.) herausgegeben. Kopien und Beschreibungen von solchen begann auch Blanca („Varietà ne’ volumi Ercolani“, Neapel 1847). Die herculaneischen Rollen sind sämtlich nur auf einer Seite, derjenigen, deren Fasern wagerecht laufen, mit sehr schwarzer Tinte beschrieben. Die ägyptischen P. fand man meistens teils zwischen den Schenkeln, teils zwischen den Armen und auf dem Leib der Mumien, teils unter dem Knie, von sehr verschiedener Länge und Breite (Totenpapyrus). Die alten Ägypter besaßen bereits große Sammlungen ihrer P. in eignen Bibliotheken; die größte darunter war die von Theben, aus welcher mehrere der auf unsre Tage gekommenen P. herstammen. Am berühmtesten ist das von Lepsius herausgegebene „Totenbuch“, ein wichtiger Fund auf dem Gebiet der ägyptischen Litteratur der „Papyrus Ebers“ (vgl. Hieroglyphen, S. 522). Auch altarabische (kufische), hebräische, samaritanische etc. P. sind in neuester Zeit in Ägypten gefunden worden. Eine auserlesene Sammlung neu aufgefundener P. ist die des Erzherzogs Rainer.