Zum Inhalt springen

MKL1888:Madenwurm

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Madenwurm“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Madenwurm“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 11 (1888), Seite 44
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: [[{{{Wikisource}}}]]
Wikipedia-Logo
Wikipedia: Madenwurm
Wiktionary-Logo
Wiktionary:
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Madenwurm. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 11, Seite 44. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Madenwurm (Version vom 20.11.2023)

[44] Madenwurm (Oxyūris Rud.)[WS 1], Gattung aus der Klasse der Nematoden (Rundwürmer) und der Familie der Askariden (s. d.), schmarotzt sowohl in Insekten als auch in kaltblütigen und warmblütigen Wirbeltieren. Der Parasit des Menschen ist der Pfriemenschwanz oder Springwurm (O. vermicularis L.). Das Weibchen wird 1 cm lang und besitzt einen schwanzartigen Hinterleib; das viel seltenere Männchen erreicht nur eine Größe von 4 mm. Der M. ist neben dem Spulwurm der häufigste Eingeweidewurm des Menschen und findet sich oft zu Tausenden im Darm. Einer entfernten Ähnlichkeit mit Fliegenmaden verdankt er seinen Namen. Die zum Teil schon im Darm des Menschen gelegten Eier entwickeln sich hier oder außerhalb bis zu einem gewissen Punkt; jedoch schlüpfen die Embryonen erst aus, wenn die Eier wieder in den Magen gelangen. Zu dieser Übertragung bietet sich bei der Kleinheit und Widerstandsfähigkeit der Eier tausendfältige Gelegenheit (durch Fliegen, Luftströmungen, ungewaschenes Obst, Wasser etc.). Als kotfressendes Tier findet sich der M. besonders im Dickdarm, kommt aber auch im Blind- und Dünndarm und in der Scheide vor, wandert abends in großer Zahl aus und nach einiger Zeit wieder ein und erregt dabei ein fast unerträgliches Jucken, welches bei Mädchen zur Onanie verführen kann. Auch durch Reizung der Sakralnerven vom Mastdarm aus wirken die Würmer auf die Geschlechtsorgane und führen die bedenklichsten Folgen herbei. Sie veranlassen eine Entzündung der Schleimhaut des Darms und beeinträchtigen bei massenhaftem Vorkommen endlich auch die Ernährung. Die Art O. ambigua Rud. aus dem Darm des Hasen und Kaninchens war schon Aristoteles bekannt und wurde von ihm als Ascaris bezeichnet, während man gegenwärtig unter dem letztern Namen den Spulwurm versteht.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Oxūris