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MKL1888:Hadernkrankheit

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Hadernkrankheit“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Hadernkrankheit“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 17 (Supplement, 1890), Seite 409
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Hadernkrankheit. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 17, Seite 409. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Hadernkrankheit (Version vom 10.05.2021)

[409]  Hadernkrankheit. Die zur Papierfabrikation dienenden Lumpen oder Hadern enthalten, als unbrauchbar gewordene Objekte des menschlichen Haushalts, alle möglichen Verunreinigungen u. besonders auch die verschiedensten Infektionsstoffe. Man hat nun in Papierfabriken häufig epidemisch oder auch mehr vereinzelt auftretende Erkrankungen der Arbeiter beobachtet, welche häufig zum Tod führten, und hat deshalb von einer besondern H. gesprochen. Nach neuern Beobachtungen scheint es sich in einem großen Teil dieser Fälle um Infektionen mit Milzbrand gehandelt zu haben, in einer derartigen Epidemie wurde auch das sogen. maligne Ödem regelmäßig beobachtet. Man wird also annehmen müssen, daß es eine eigentliche H. nicht gibt, sondern daß die Hadern verschiedenartige Infektionsstoffe zu übertragen im stande sind und zwar solche, welche im trocknen Zustand übertragen zu werden pflegen. Dahin gehören vor allem Milzbrand, ferner Pocken, wohl auch Scharlach, Diphtherie und Masern, Rotlauf und die andern Bakterien der Wundinfektionskrankheiten und endlich die Tuberkulose, nicht aber Cholera und wohl kaum der Typhus. Zum Schutz gegen die Verbreitung von Infektionskrankheiten durch Hadern ist die Überwachung des Handels mit denselben, bez. obligatorische Desinfektion, Verbot der Einfuhr aus verseuchten Gegenden erforderlich. Die Anwendung von Hadernsurrogaten in der Papierfabrikation (s. Bd. 12, S. 675) ist vom hygienischen Standpunkt als ein Vorteil zu bezeichnen.