Zum Inhalt springen

MKL1888:F

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „F“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „F“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 5 (1886), Seite 989
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: [[{{{Wikisource}}}]]
Wikipedia-Logo
Wikipedia: F
Wiktionary-Logo
Wiktionary: F
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
F. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 5, Seite 989. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:F (Version vom 20.05.2021)

[989] F (ef), f, lat. F, f, Konsonant, der sechste Buchstabe unsers Alphabets. Das deutsche f ist der labiale, genauer labiodentale tonlose Reibelaut, der entsteht, indem wir die obern Schneidezähne ganz lose auf die Unterlippe setzen und zwischen beiden die Luft hindurchtreiben. Für f wird auch häufig das Zeichen v gebraucht (s. V). Ein zweites f, das aber in Deutschland selten gehört wird, das bilabiales, wird dadurch gebildet, daß man zwischen den Lippen eine Enge bildet, wie bei der Aussprache des w. Im Russischen ist f in griechischen Wörtern der Vertreter des auch vorn an den Zähnen hervorgebrachten dentalen Reibelauts th, z. B. Feodor aus Theodor; im Spanischen geht umgekehrt das lateinische f meist in h über, z. B. hijo aus filius. Das hochdeutsche f ist in der Regel durch Lautverschiebung (s. d.) aus älterm p entstanden, z. B. in Freund von dem alten gotischen Verbum frijon, „lieben“, im Sanskrit prî; das p ist in den andern germanischen Sprachen häufig bewahrt: helfen, got. hilpan, engl. to help; offen, plattd. apen, engl. open. Der Buchstabe f gelangte in das römische und die davon abgeleiteten neuern Alphabete aus dem phönikischen durch Vermittelung des altgriechischen Alphabets. Bei den Griechen und Phönikern (die ihn Vau nannten) bezeichnete f das v (w); da dieser Laut in der griechischen Sprache verschwand, so wurde das F (Digamma) in das spätere gemeingriechische Alphabet nicht aufgenommen, sondern für den Buchstaben f (ph) ein neues Zeichen, das Φ (Fi), gebildet, während die Römer das Zeichen F beibehielten, aber seine Aussprache veränderten.

Abkürzungen.

Als lateinisches Zahlzeichen war F = 40, F = 40,000; als Abkürzung in römischen Inschriften, in Handschriften und auf Münzen = Filius, Fecit etc.; dann = Folio, entweder mit Bezug auf irgend eine Seite eines Buches oder auf die Größe des Druckbogens. Auf deutschen Reichsmünzen bezeichnet F die Münzstätte Stuttgart, auf ältern französischen Münzen Angers, auf ältern preußischen Magdeburg und ältern österreichischen Hall in Tirol. Auf der Stellscheibe englischer Uhren ist F = faster (geschwinder, Gegensatz: S., d. h. slowly, langsam); bei Thermometerangaben = Fahrenheit. In den Notenstimmen ist f = forte (stark), ff = fortissimo (sehr stark); daher „aus dem ff.“, s. v. w. in hohem Grad. Im Handel ist f. = fein, ff = fein-fein oder sehr fein. In der Chemie ist F oder Fl Zeichen für Fluor. Auf Rezepten steht f. für fiat, z. B. f. emulsio, es werde eine Emulsion gemacht. In England ist F. allgemein gebräuchliche Abkürzung für Fellow, Mitglied, z. B.:

F. A. S. = Fellow of the Society of Arts
F. L. S. = Fellow of the Linnean Society
F. R. A. S. = F. of the Royal Astronomical Soc.
F. R. C. P. oder C. S. = Fellow of the Royal College of Physicians oder of Surgeons
F. R. G. S. = F. of the Royal Geographical Soc.
F. R. S. (E.) = F. of the Royal Society (Edinburgh)
F. R. S. L. = F. of the Royal Soc. of Literature
F. S. A. = Fellow of the Society of Antiquarians
F. Z. S. = Fellow of the Zoological Society.
F., bei botan. Namen = E. M. Fries (s. d.).
f. l. a. auf Rezepten = fiat lege artis, man fertige kunstgemäß.
f o b = free on board (engl.), frachtfrei an Bord.
F. S., in der internationalen Telegraphie = faire suivre! nachzusenden!

F, in der Musik Buchstabenname eines der sieben Stammtöne unsers Musiksystems, nach neuerer Oktaventeilung (von C ab) der des vierten, nach älterer (von A) der des sechsten, zugleich der älteste, der als Schlüssel (clavis signata) vor eine Notenlinie gesetzt wurde. Der Gebrauch des F-Schlüssels reicht bis ins 10. Jahrh. zurück; im 11–13. Jahrh. wurde gewöhnlich zur schärfern Markierung die F-Linie mit roter Farbe (minium) gezogen, die C-Linie dagegen mit gelber (crocum). Der Schlüssel selbst war ursprünglich und jahrhundertelang ein wirkliches F oder f und hat ganz allmählich seine heutige Gestalt angenommen. In Italien, Frankreich etc. heißt der bei uns F genannte Ton Fa (vgl. Solmisation). Auch die Schalllöcher der Streichinstrumente werden nach ihrer Gestalt oft als die f, ff, besser bezeichnet.