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MKL1888:D

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „D“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 4 (1886), Seite 396397
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D. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 4, Seite 396–397. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:D (Version vom 20.05.2021)

[396] D (de), d, lat. D, d, der weiche oder tönende dentale Verschlußlaut. Er entsteht nach der gewöhnlichsten Aussprache dadurch, daß eine aus den Lungen emporgetriebene Luftsäule die Stimmbänder in schwingende Bewegung versetzt, aber im Mund einem durch Kontakt des vordern Teils der Zunge mit dem Gaumen bewirkten Verschluß begegnet, aus dem sie durch plötzliches Öffnen dieses Verschlusses hervorplatzt. Neben dem tönenden d gibt es jedoch auch ein tonloses, das z. B. in Mittel- und Süddeutschland und am Rhein herrscht und sich vom t nur durch die geringere Intensität der Artikulation unterscheidet. Daher kommt auch die häufige Verwechselung von d und t besonders in der mitteldeutschen Aussprache. Im Auslaut wird das deutsche d überall wie t gesprochen, z. B. in und (spr. unt). Ein andrer Unterschied gründet sich auf die Artikulationsstelle; der Physiolog Brücke unterscheidet hiernach vier Arten des d [397] (und der Zahnlaute überhaupt): das alveolare, das cerebrale, das dorsale und das dentale d. Das alveolare d, durch Anlegung der Zungenspitze an das hintere Zahnfleisch der obern Schneidezähne gebildet, scheint besonders in Norddeutschland, das dorsale d, mit dem Zungenrücken gebildet, mehr in Süddeutschland vorzukommen; das cerebrale d findet sich z. B. im Sanskrit, das einen besondern Buchstaben dafür hat, und im Englischen. Das deutsche d ist, geschichtlich betrachtet, in der Regel durch Lautverschiebung (s. d.) aus einem dentalen aspirierten oder Reibelaut entstanden, der z. B. im Englischen noch vorliegt (vgl. „drei“ mit engl. three); der letztere Laut ist seinerseits durch Lautverschiebung aus t entstanden, das sich in den übrigen indogermanischen Sprachen findet. So lautet das erwähnte Zahlwort im Sanskrit tragas, lat. tres, griech. treis. Der Buchstabe D hieß phönikisch Daleth, daher griech. Delta.

Abkürzungen.

D oder d: Als römisches Zahlzeichen steht D (entstanden aus der Hälfte des Zeichens CIↃ = 1000) für 500 und D für 5000. In römischen Inschriften ist D oder d = Decimus, Deo, die, divus etc.; in juristischen Werken D = Digesta. Auf den neuen deutschen Reichsmünzen bedeutet D München, auf österreichischen Münzen Graz, auf preußischen von 1817 bis 1848 Düsseldorf, auf ältern französischen Lyon. In der internationalen Telegraphie heißt D „dringendes Telegramm“. In der Musik ist D = Discantus (lat.) oder Dessus (franz.), Diskant; d = destra (ital.), rechte Hand. Auf Rezepten steht D oder d für detur (lat.), es werde gegeben; in der Ophthalmologie für Dioptrie (s. d.). In Handelsbüchern ist D = Debet (s. d.). In England d = Penny (Mehrzahl Pence), wie es früher für lat. denarius und franz. denier stand, woraus unser Pfennigzeichen (₰) entstanden ist. Auf Korrekturbogen ist d. oder ₰ = deleatur (lat.), es werde getilgt.

D. A. = Divus Augustus.
d. a. = dicti anni (lat.), besagten Jahrs.
d. c. = da capo (s. d.).
D. C. = District of Columbia.
D. C. und D. C. fil. bei botan. Namen = De Candolle (s. d.).
D. C. L. in England = Doctor of Civil Law, Doktor des Zivilrechts.
D. D. in römischen Inschriften = Diis (den Göttern), oder = domus divina (Kaiserhaus); in England = Doctor of Divinity (lat. Doctor Divinitatis), Doktor der Theologie.
d. d. = de dato (lat.), von heute, oder dicto die, am genannten Tag; auch = dono dedit, er hat zum Geschenk gegeben, hat gestiftet.
d. d. d. = dat, donat, dedicat (s. d.).
D. G. = Dei gratia (lat.), durch Gottes Gnade, „von Gottes Gnaden“.
d. h. = de hodierno, vom heutigen (Tag).
d. m. = destra mano (ital.), rechte Hand, oder: mit der rechten Hand (zu spielen).
D. M. in England = Doctor of Music, Doktor der Musik.
D. M. (S.) = Diis Manibus (Sacrum), „den abgeschiedenen Seelen geweiht“, die übliche Einleitung auf römischen Grabsteinen und Weihinschriften (vgl. Manen).
D. Ö. A. V. = Deutsch-Österreichischer Alpenverein.
D. O. M. = Deo Optimo Maximo (lat.), „dem besten, höchsten Gott“, nämlich dem Jupiter (geweiht), römische Tempelinschrift.
D. R. P. = Deutsches Reichspatent.
d. s. in der Musik = dal segno (s. Segno).
D. Sc. in England = Doctor of Science (engl.), Doktor der Naturwissenschaften.
D. T. = Dakota Territory (s. Dakota).
D. u. j. = Doctor utriusque juris, Doktor beider Rechte.
D. V. = Deo volente (lat.), so Gott will.

D, in der Musik Name einer der sieben Stammtöne des Systems, nach moderner Oktaventeilung (von C ab) der des zweiten, nach älterer (von A) der des vierten. Über die Solmisationsnamen des D vgl. Solmisation. In Frankreich, Italien etc. heißt d jetzt einfach re.