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MKL1888:Abd ur Rahmân

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Abd ur Rahmân“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Abd ur Rahmân“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 1 (1885), Seite 2526
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Abd ur Rahmân. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 1, Seite 25–26. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Abd_ur_Rahm%C3%A2n (Version vom 17.10.2023)

[25] Abd ur Rahmân, 1) arab. Statthalter in Spanien, zeichnete sich 721 in der Schlacht bei Toulouse durch Tapferkeit aus, drang 731 mit ungeheurer Heeresmacht in Aquitanien ein, eroberte Bordeaux, ging über die Garonne und Dordogne, vernichtete das Heer des Herzogs Eudes von Aquitanien und verwüstete das Land bis Burgund, ward aber von Karl Martell, Majordomus der Franken, und dem Herzog Eudes im Oktober 732 zwischen Tours und Poitiers in einer siebentägigen Schlacht geschlagen und fiel im Kampf.

2) A. el Dakhel („der Flüchtling“), erster Kalif von Cordova, Sohn Muawijas und Enkel des Kalifen Hischam aus dem Geschlecht der Omejjaden, entging beim Sturz dieser Dynastie 750 dem Mordstahl der Abbassiden und entkam unter vielen Gefahren und Abenteuern nach Spanien, wo er die aufständischen Emire Jussuf und Zumeil 755 bei Musara besiegte und das Kalifat von Cordova begründete. Auch noch viele andre Empörungen mußte A. niederschlagen, bis er 786 ganz Spanien in seine Gewalt gebracht und die Ruhe hergestellt hatte. Dann widmete er sich den Werken des Friedens, der Pflege der Künste und Wissenschaften, erbaute die große Moschee in Cordova und starb im Oktober 788. Er war ein tapferer, thatkräftiger Herrscher, edel und fein gebildet.

3) Sultan von Marokko, geb. 28. Nov. 1778, folgte 1823 seinem Oheim Mulei Soliman auf dem Throne. Nachdem er vergeblich versucht hatte, die zahlreichen fast unabhängigen Stämme in seinem Reich vollständig zu unterjochen, geriet er wegen der Zahlung des Tributs für den Schutz gegen Seeräuberei mit mehreren europäischen Mächten in Streit, zuerst mit Österreich, das ihn 1828 zum Verzicht auf den Tribut zwang. Nach der Besitznahme Algiers durch die Franzosen versuchte A. vergebens, die Provinz Oran seinem Reich einzuverleiben. Wiewohl er selbst seitdem friedliche Gesinnungen gegen seine französischen Nachbarn hegte, nötigten ihn seine fanatischen [26] Unterthanen, Abd el Kader Schutz zu gewähren und 1844 diesem mit 15,000 Mann gegen Algerien zu Hilfe zu ziehen. Aber seine Reiterschwärme wurden durch Marschall Bugeaud am Isly (14. Aug. 1844) in wenigen Stunden zersprengt, Tanger und Mogador von dem Prinzen von Joinville beschossen. Obwohl darauf unter englischer Vermittlung mit Frankreich Friede geschlossen ward, so dauerte doch im Innern die Aufregung fort. Mehr als einmal brachte Abd el Kader, dem einige der angesehensten Stämme des marokkanischen Gebiets zufielen, Abd ur Rahmâns Thron zum Wanken, und dieser sah sich erst durch die Gefangennehmung des Kabylenhäuptlings 1847 von dem gefährlichen Nebenbuhler befreit. Auch noch später wurde A. durch Aufstände im Innern und die Gewalttätigkeiten der Rifpiraten in fortdauernde Händel verwickelt, und 1858 trat sogar ein Prinz seines Hauses als Thronusurpator auf, dessen Besiegung Zeit und Blut kostete. A. starb im August 1859. Sein Sohn und Nachfolger war Sidi Mohammed (geb. 1803).

4) Emir von Afghanistan, Sohn Afzul Chans und Enkel Dost Mohammeds, geboren um 1830, kämpfte unter seinem Vater und seinem Oheim Azim Chan mit Glück gegen den rechtmäßigen Emir, Schir Ali, und eroberte 1866 Kabul, wo Afzul die Herrschaft übernahm. Als nach dem Tod seines Vaters (1867) Azim von Schir Ali 1868 gestürzt und vertrieben wurde, mußte, von Jakub Chan bei Tinah geschlagen, auch A. flüchten. Er begab sich unter russischen Schutz, um mit russischer Hilfe eine Empörung in Afghanistan zu erregen und die Herrschaft zu erringen. Dazu verstand sich Rußland zwar aus allgemeinen politischen Rücksichten nicht, doch gewährte es A. eine Pension von 25,000 Rubel und wies ihm Samarkand als Wohnsitz an, um ihn jederzeit zur Verfügung zu haben. Als nach Schir Alis Sturz und Tod der von den Engländern anfangs eingesetzte Jakub Chan, Schtr Alis Sohn, sich unzuverlässig und unfähig erwies, beriefen diese 1880 A. nach Kabul und übertrugen ihm die Herrschaft daselbst. Obwohl ein Feind der Engländer, nahm er dieselbe aus ihren Händen an und zeigte sich während des Kampfes der Engländer mit Ejub Chan treu.