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Luftschifffahrt

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Luftschifffahrt
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 20
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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Blätter und Blüthen

Luftschifffahrt.

Wie wir hören, baut jetzt ein Leipziger Techniker an einem lenkbaren Luftschiff, dessen Construction sehr geistreich erdacht und ausgeführt sein soll. Der Gedanke an eine Luftreise, bei der das Leben lediglich den Winden und einer mit leichterer Luft angefüllten dünnen Hülle von Leinewand-, Baumwolle- oder Seidenstoff, nebst einem Netze von einigen Seilen, in der unermeßlichen Einöde den höhern Luftregionen anvertraut ist, ohne daß irgend eines Menschen Wille oder Macht gegen den geringfügigsten, aber doch leicht den Tod herbeiführenden Unfall zu schützen vermöchte, muß im ersten Augenblick jedes menschliche Gemüth mit einem unwillkürlichen Schauder durchzucken. Erwägt man dagegen, daß von 1784–1852 bei Tausenden von Luftfahrten nur 13 Opfer gefallen sind, und diese 13 sämmtlich wegen offenbarer Mängel an ihren Apparaten, wegen großer Unvorsichtigkeit oder gar aus wahrhaft strafbarer Tollkühnheit, so fühlt man sich versucht, die Furcht davor als eine kindische, für einen Ausfluß unsrer Erziehung und unsrer Vorurtheile zu halten. Erwägt man die merkwürdig geringe Zahl der Opfer, besonders bei der Anfangs so mangelhaften Einrichtung der Lufthülle, so scheint sich sogar der Beweis aufzudrängen, daß bei gehöriger Kenntniß der Sache, tüchtiger Vorrichtung und mannhafter Kaltblütigkeit und Geistesgegenwart die Luftschifferei nicht gefahrvoller sei, als die Seeschifffahrt.

Als man Franklin, der in Paris bei den ersten Aufsteigungen von Ballons gegenwärtig war, fragte, was denn ein solch in die Höhe fliegender Ballon nütze, erwiederte er: „Was nützt ein neugeborenes Kind?“ – Ja die Aeronautik ist ein neugebornes Kind, und nur ein Thor kann von ihm verlangen, daß es gehe wie ein erwachsener Mann, zumal wenn es von seiner Mutter, der Wissenschaft, so stiefmütterlich behandelt wird, wie bisher. Zwar werden die Luftballons nur Wunderwerke bleiben, so lange deren Lenkung in den Lüften ein Problem bleibt; ist dies aber auch jetzt noch der Fall, so wird deshalb doch kein gesunder Menschenverstand dies Problem als ein unlösbares erklären, blos deshalb, weil es bis jetzt noch nicht gelöst ist. Alle Achtung vor der Autorität der Gelehrten! Allein die Wissenschaft combinirt und vergleicht nur bekannte Kräfte; darüber hinaus können ihre Resultate ebenso wenig gehen, als ihre Combinationen und Vergleichungen.