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Luftdichte Fenster und Thüren

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Textdaten
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Titel: Luftdichte Fenster und Thüren
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 816
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[816] Luftdichte Fenster und Thüren. Mit dem Beginne der kälteren Jahreszeit mehren sich in den Zeitungen wieder wie alljährlich die Anerbietungen, Fenster und Thüren „luftdicht“ zu verschließen. Es ist ein Glück, daß dieser luftdichte Verschluß immer illusorisch bleibt, denn sonst würde er, wenn die Mauern etwa auch noch recht dick und feucht wären, dazu führen, die dahinter Wohnenden über Nacht zu ersticken. Ich habe nichts dagegen, daß arme, alte Leute, die nur wenig Körperwärme und noch weniger Ofenwärme verausgaben können, ihre Fenster verkleben, aber bei Denjenigen, die in Heizung etwas daraufgehen lassen können, möchte ich ein dringendes gutes Wort für die undichten Fenster einlegen, ja, wenn ich ein Dichter wäre, würde ich ein „hoch wie Orgelton und Glockenklang“ klingendes Lied zum Preise der braven und gesunden Fensterritzen singen, denn sie im Bunde mit dem unschätzbaren Kachelofen sind es vornehmlich, die uns trotz unseres künstlichen Gefangenlebens im Winter leidlich gesund erhalten, indem sie uns das wichtigste Lebensbedürfnis, frische Luft, in ausreichender Menge verschaffen, sodaß Derjenige, dem seine Gesundheit am Herzen liegt, sie bei Leibe nicht verstopfen soll.

Wer zu Rheumatismus neigt, mag allenfalls dasjenige Fenster, neben welchem sein Näh- oder Schreibtisch steht oder unter welchem er unmittelbar schlafen muß, zustopfen, aber um des Himmels willen nicht die übrigen Quellen frischer Luft, falls die Ritzen nicht etwa so sind, daß man den kleinen Finger hineinstecken kann, was ich auch nicht gerade loben will. Am besten sind Doppelfenster, die man aber nur dann innen schließen darf, wenn der Wind gerade gegen die Scheiben weht. Diejenigen, welche jemals probirt haben, welche Frühlingsluft man sich in kühlen März- und Octobertagen durch Heizen bei halboffenen Fenstern in’s Zimmer zaubern kann, werden zuerst die kleinen Ritzen als unsere besten Freunde erkennen. Noch einmal, wem seine Gesundheit lieb ist, der hüte sich vor sogenannten luftdichten Fenstern! Die Fenster sind dazu da, den Zimmern nicht blos Licht, sondern auch frische Luft zuzuführen, empfehlenswerther sind Doppelthüren gegen die Corridore, da die Corridorluft in unsern großen Häusern nicht eben begehrenswerth zu sein pflegt.