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Literaturbriefe an eine Dame/XXVII

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Textdaten
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Autor: Rudolf von Gottschall
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Titel: Literaturbriefe an eine Dame/XXVII
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 818–820
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Literaturbriefe an eine Dame.

Von Rudolf von Gottschall.
XXVII.

Wiederum, verehrte Freundin, brausen des Nordens Stürme um Ihr Schloß und jagen die Wogen des Baltischen Meeres in hocherregter Brandung an’s Gestade. Sie lauschen dem Gesang der Okeaniden, aber die Meerjungfrauen singen recht eintönig dasselbe Lied, und ich fürchte, es langweilt Sie mit der Zeit; denn auch das Erhabenste verliert durch ewige Wiederholung. Sie flüchten sich in Ihr Cabinet, um die wechselvollen Bilder an Ihrer Seele vorüberziehen zu lassen, welche die Phantasie der Dichter ausgemalt hat. Und diese sind unermüdlich in ihrem Schaffen: das sagt Ihnen der Büchertisch, auf welchem die neuesten Romane deutscher Autoren sich häufen; man sieht es den gleichförmigen, meistens mattfarbigen Umschlägen nicht an, wie verschiedenartig die Physiognomie der Poeten ist, welche sich hinter dieser schlichten Hülle versteckt.

Alle productiven Kräfte, Lyriker, Dramatiker, Novellisten, wenden sich jetzt dem Roman zu. Lyrik und höheres Drama werden von dem Publicum so stiefmütterlich behandelt, daß mit den seltensten Ausnahmen buchhändlerische Erfolge nur auf dem Gebiete des Romans möglich sind. Und der Erfolg ist doch der Lebensathem jeder Muse! Darf man’s den Schriftstellern verdenken, wenn sie sich danach sehnen, gleichsam auch unter Menschen zu kommen, nicht immer allein zu hausen in der „schrecklichen Einsamkeit“, allein mit ihrem Genius und mit dem von diesem ausgestellten Wechsel auf Unsterblichkeit, welcher von der Mitwelt meistens nicht acceptirt wird?

Auch die Novellisten wenden sich dem Roman zu, der ihrer bereits bewährten Erzählungsgabe ein größeres Feld erschließt. So hat Ernst Eckstein zum ersten Male einen mehrbändigen Roman verfaßt: „Die Claudier“, und Sie werden das Werk eines so formgewandten Poeten gewiß zuerst und mit besonderem Interesse zur Hand nehmen. Der Stoff des Romans ist dem römischen Alterthum, der Kaiserzeit entnommen. Auch das wird Sie wundern: Sie gedenken jener leichtgeflügelten Humoresken aus dem Gebiete der Gymnasialpädagogik, welche ihren buchhändlerischen Flug recht oft wiederholen mußten und den Namen des Verfassers in weitesten Kreisen bekannt machten. Man konnte ihnen eine gewisse Pietätlosigkeit gegenüber den classischen Studien zum Vorwurf machen; denn der geistige Vater dieser ungezogenen Primaner kümmerte sich ja nur um die Großthaten der Schulstuben, nicht um diejenigen der antiken Musen. Und jetzt liegen von Eckstein’s Feder drei Bände eines Romans vor, der nicht blos von genauer Kenntniß des Alterthums Zeugniß ablegt, sondern auch dieselbe in einer Fülle gelehrter Noten zur Schau stellt. Der Roman ist eine Ehrenrettung der Eckstein’schein Muse gegenüber den Gymnasialprofessoren, die zum Theil schlecht auf sie zu sprechen waren.

Die Romane aus dem Alterthume sind, wie Sie wissen, besonders durch Georg Ebers Mode geworden. Die Aegyptologie in der Leihbibliothek: das bezeichnet die neueste Phase unserer literarischen Entwickelung. In den letzten Romanen des beliebten Autors spielten indeß die Römer bereits eine ebenso hervorragende Rolle, wie die Aegypter. Wenn ein Kaiser, der zufällig sich in Aegypten aufhält, zum Helden eines Romans gewählt wird, warum nicht auch ein Anderer, der nie seinen Fuß in die alten Königsstädte gesetzt hat? Und ist römisches Leben nicht unserer Denk- und Empfindungsweise verwandter, als das ägyptische? Merkwürdiger Weise, verehrte Freundin, ist dies für den Zeitgeschmack so wenig entscheidend, daß, je entlegener und fremdartiger eine Geschichtsepoche ist, desto größeres Interesse die Romanleser ihr zuzuwenden pflegen. Es ist dies der haut-goût des Aparten, der gegenwärtig einen fast bedenklichen Höhepunkt erreicht hat. Mit den Römern sind wir schon allzu vertraut, theils von den Schulbänken her, theils aus den Römertragödien, in denen man sich an Toga und Tunica, an Tricots und Sandalen satt sehen kann. Der alte Römer ist ein alter Bekannter; leben doch sogar Abkömmlinge derselben in unserer Mitte wie Otto von Corvin, der seinen Stammbaum von den römischen Corvinern herleitet und selbst die übelberufene Messalina zu seinen Ahnfrauen zählt. Doch der alte Aegypter – das war etwas Neues.

Das Rom der Kaiserzeit ist von dramatischen Dichtern und lyrischen Epikern oft genug zum Hintergrunde ihrer Gemälde gemacht worden, aber der historische Roman hat sich weniger damit befaßt. Felix Dahn’s „Kampf um Rom“ spielt bereits in der Epoche der Völkerwanderung. Ernst Eckstein hat sich die Zeit des Imperators Domitian als historischen Rahmen für seine freierfundenen Bilder ausersehen; in der That hat dieser Träger des Cäsarenwahnsinns den Reiz der Neuheit für sich, während „Nero“ bereits in allen seinen Attitüden von den poetisch-historischen Photographen auf die Bildfläche ihrer Dichtungen gezaubert worden ist. Freilich hat Nero vor Domitian eine eigenartige Färbung des Cäsarenwahnsinns voraus, die ästhetische, und gerade der gekrönte Schöngeist übt auf die ungekrönten eine besondere Anziehungskraft aus. Domitian ist in Ernst Eckstein’s Roman vor allem Anderen ein Wollüstling, der sich einer schönen reizenden Römerin Cornelia um jeden Preis zu bemächtigen sucht, anfangs mit Hülfe eines Isis-Priesters, in dessen magischen Geheimcultus er als Gott Osiris mit der Maske des Thierkopfes eingreift und in dieser Gestalt die abergläubische Schönheit in die Arme schließt, dann indem er sie unter dem Vorwand milderer Haft in das Palatium bringen läßt, doch auch hier stößt er auf unbesiegbaren Widerstand. Domitianus erscheint in diesem Roman als eine nur von niedrigster Sinnlichkeit beherrschte „Bestie auf dem Thron“.

Der eigentliche Held des Romans ist der Sohn des reichen und angesehenen Pontifex Maximus, ein junger Römer, der sich der Secte der Nazarener anschließt und zum Tode verurtheilt wird. Dieser Quintus Claudius ist von dem Dichter mit besonderer Vorliebe behandelt: der Kampf mit seinem Vater, gegen dessen Amt er durch Hingabe an den neuen Glauben frevelt, seine Beziehungen zur Cornelia, die sich zuletzt durch ihren ausdauernden Heldenmuth seiner werth erweist, seine eigene Unerschrockenheit in den auf ihn anstürmenden Gefahren – all das hat Eckstein mit sichtlicher Sorgfalt gezeichnet. Weniger tritt der Bataver Cajus Aurelius hervor, welcher die am Anfang des Romans erregte Erwartung, er sei der eigentliche Held desselben, täuscht, und nur eine sympathische, aber wenig bedeutende Figur bleibt. Auch [819] die beiden Schwestern des Quintus Claudius, so niedlich die muntere Lucina gezeichnet ist, sind etwas schablonenhaft gehalten und flößen kein tieferes Interesse ein; dagegen hat der Charakter der Cäsarin Domitia, sowie derjenige ihres Majordomus Stephanus dämonische Züge; leider erlischt der erstere zu sehr gegen den Schluß hin. Im Ganzen gewinnt der Roman in der zweiten Hälfte wesentlich an Spannung, die sich besonders nach dem Ende zu steigert, während früher die culturgeschichtlichen Schilderungen oft mit einer Breite, die sie fast als Selbstzweck erscheinen lassen, ausgeführt sind.

Ernst Eckstein ist ein hervorragender Stilist; das Stilgepräge des Romans ist durchweg correct und vornehm. Mit großer Anschaulichkeit sind die Volksbilder ausgeführt, während die Beleuchtung, in welche das fashionable Bad Bajae gerückt wird, sehr stimmungsvoll ist; die Schilderungen aus Rom sind durchaus lebendig, nur hier und dort von zu großer topographischer Genauigkeit; auch die Marienbilder müssen als wohlgelungen bezeichnet werden; ebenso diejenigen aus dem häuslichen Leben, obschon man hier und dort allzulebhaft an die Capitel des Gallus erinnert wird. Glanzpunkte des Romans sind die Scenen im Isis-Tempel, mit denen dem „ägyptischen Geschmack“ ein kleines Zugeständniß gemacht wird, und diejenigen im Circus, die freilich zum Theil in’s wild Grausame übergehen. Sie werden, verehrte Freundin, dem Darstellungstalent des Dichters warme Anerkennung schenken.

Wenn Sie sich aber aus dem römischen Alterthum der Gegenwart zuwenden wollen, so werden Sie, durch den Namen des Autors angelockt, gewiß zuerst Friedrich Spielhagen’s „Angela“ zur Hand nehmen. Sie lieben ganz wie ich diesen geistreichen Autor, der soviel Feuer in seinen Schilderungen, soviel Feinheit in seinen psychologischen Entwicklungen besitzt und, wo er ein größeres Zeitgemälde entwirft, wie in „Sturmfluth“, einen von bedeutenden Gedanken getragenen architektonischen Aufbau abzuführen versteht. Gleichwohl wird Sie „Angela“ kaum so befriedigen, wie viele früheren Romane des Autors: in dieser Erzählung ist ein erhitzter Pulsschlag, eine fast durchgängige Exaltation der Schilderung. Auch der Stil wird davon beeinflußt; denn ihm fehlt oft die epische Ruhe; die häufigen Ineinanderschachtelungen und Einklammerungen beweisen, daß er zersetzt ist durch die Aufgeregtheit der Darstellung. Einige der Charaktere haben einen grotesken Zug, so die Lady Bellycastle mit ihrem riesigen Fächer und Lexma, dieser Schatten von einem Menschen; beide haben die Erinnerung an eine dunkle, verbrecherische Lebensepoche gemein und sterben in dem Roman rasch nach einander. Und Angela selbst, werden Sie fragen, verehrte Freundin? Was ist’s mit dieser Heldin? Nun, sie ist eine Gouvernante zu Pferd, eine junge Dame, welche als Gesellschafterin in Irland etwas von high-life profitirt und in der Reitkunst besonders gründliche Studien gemacht hat. Ihr Herz gehört einem verheiratheten Maler Namens Arnold, mit dem sie früher ein Liebesverhältniß hatte. Sie treffen sich wieder am Ufer des Genfersees, und die alte Leidenschaft flammt wieder empor: Angela entschließt sich, den Sohn der Lady Bellycastle zu heirathen, der weit hergekommen ist, um sie wiederzufinden, nachdem sie aus Irland spurlos verschwunden war, um seiner Bewerbung zu entgehen; die Mutter aber haßt Angela und will den Sohn enterben, dessen wirklicher Vater jener schattenhafte Brasilianer ist.

Das ist die schwüle Atmosphäre der Situation, welche die Blüthenkelche großer Leidenschaften erschließt und die Wellenschläge einer tragischen Katastrophe entfesselt. Der psychologisch nicht ohne Feinheit durchgeführte Kampf im Herzen Angela’s bildet den eigentlichen Angelpunkt des Romans: der Ausgang ist ein trauriger. Angela sucht den Tod und findet ihn, indem sie einem Kinde bei dem Durchbruch unterwühlender Fluthen des Sees das Leben rettet. Das Schlußtableau erinnert etwas an die „Sturmfluth“; es zeigt große Genauigkeit der Schilderung, leidet aber unter den Kunstausdrücken der Bautechnik, wie „Futterungsmauer“ und „Brüstungsmauer“, die dem Uneingeweihten kein anschauliches Bild geben, und den Stil mit prosaischen Wendungen beschweren.

Wohl zeigt sich das eigenartige Talent des Autors in den leidenschaftlichen Pulsen der Handlung und in den prächtigen Naturbildern des Genfer Sees, die mit großem poetischem Zauber gezeichnet sind. Daneben geht aber das Groteske, das einen reinen ästhetischen Genuß ausschließt, und das Triviale: die eingehenden Schilderungen des Schweizer Hôtellebens, die beiden Gouvernanten mit ihrem abschreckenden Charakter und vieles sehr prosaische und zum Theil überflüssige Detail. Grelle Sensationsbilder, durch welche die halbverrückte Lady, die anfangs mehr als eine Lustspielcharge erscheint, sich in eine Gattenmörderin und eine hochtragische Person verwandelt, häufen sich besonders gegen den Schluß hin, und auch an anstößigen Situationen fehlt es nicht welche überdies gesucht und wenig motivirt erscheinen, wie die Toilettenscene zwischen Nanny und Angela, in deren Raffinement man den Einfluß der neuesten französischen Autoren zu erkennen glaubt. Der Roman, verehrte Freundin, hat, wie Sie finden werden, etwas Forcirtes; der ruhige, epische Stil zittert hin und her in einer, ich möchte sagen, bisweilen gallertartigen Bewegung; nirgends überzeugt uns eine stillwaltende Nothwendigkeit; wir sehen überall nur die Willkür des Dichters.

Einen sehr ruhigen, epischen Fortgang hat dagegen der neueste Roman Robert Schweichel’s: „Der Falkner von St. Vigil“. Sie kennen gewiß den „Bildhauer vom Achensee“, das frühere Hauptwerk dieses vom Ufer des Pregels stammenden Autors, dessen Muse am liebsten mit dem Alpenstocke in’s Hochgebirge wandert, mit frischem Sinn und offenem Auge. Die Localitäten, in denen die Handlung spielt, schildert Schweichel mit einer Genauigkeit, die vielleicht anfangs oft zu breit erscheinen mag; doch man begreift allmählich die Vorzüge derselben, da sie der Handlung die solideste Grundlage giebt. Es ist gleichsam die topographische Abnahme, welche alle Bewegungen der Truppen verständlich macht. Hierzu kommt das Anheimelnde, das stets durch lange Gewöhnung hervorgerufen wird; wie mit den Oertlichkeiten werden nur mit allen Personen so vertraut, daß unser Interesse für ihr Schicksal wächst. Freilich, für ungeduldige Leser ist solche Darstellungsweise wenig genug wert, aber sie hat viele Vorzüge des epischen Stils.

Den Hintergrund der Handlung bildet der Aufstand der Tiroler gegen das baierische Regiment, welches sie besonders in ihrem Glauben kränkte, doch obgleich uns schon die Introductionsscene Kämpfe zwischen den Baiern und Tirolern zeigt, so bleibt doch die bei weitem größere Hälfte des Werkes innerhalb des Rahmens dorfgeschichtlicher Familienbilder. Erst dann zeigen sich Hofer, Speckbacher und andere Führer, und in die stillen Alpenthäler tritt historische Bewegung. Vorher sehen wir nur, wie der baierische Druck besonders auf dem Clerus lastet, wie aufgeklärte Beamte mit durchgreifender Energie gegen die aufsätzigen Geistlichen vorgehen, wie dagegen der Volkshaß sich gegen die im Dorfe lebenden Baiern wendet, wie gegen den Schmied Wolf, den Bräutigam der Tochter des Klosterbauers, obschon dieser, eine jener schroffen, energischen Figuren, wie sie in den Dorfgeschichten beliebt sind, zu dem Ehebande durchaus nicht seine Zustimmung geben will.

Der eigentliche Held des Romans ist Ambros, der junge Falkner von St. Vigil, eine feurige, leidenschaftliche Natur. Er heiratet gegen den Willen des Vaters, doch ist er in seiner Ehe nicht glücklich und liebt die schöne Müllerin Afra, die Frau eines alten Mannes, und erschlägt später ihren Stiefsohn Jerg, das böse Princip im Thal von St. Vigil; denn er sitzt im Rathe der Spötter und erbittert alle gegen sich, indem er mit ebenso scharfem Verstand, wie liebloser Gesinnung ihre Schwäche aufdeckt und verhöhnt. Nur der Heldenmut, den Ambros im Kampfe bewährt söhnt uns mit den Irrungen seines ungezügelten Temperamentes aus.

Der Roman, verehrte Freundin, enthält nicht nur anmuthende Bilder aus dem Tiroler Volksleben, sondern auch ebenso anschaulicht wie stimmungsvoll bewegte Landschaftsbilder aus dem Hochgebirge. Der Stil ist schlicht, tüchtig und markig, während die Entwickelung der Haupthandlung allerdings hier und dort etwas verschleppt erscheint durch das allzu große Behagen der epischen Muse.

Sie sehen, wie wenig unserer modernen Romandichtung der Vorwurf der Einförmigkeit gemacht werde darf. Die drei Romane, über die ich mich mit Ihnen unterhielt, sind grundverschieden in Bezug auf ihre ganze Physiognomie: zuerst ein Römerroman mit antiker Toga, mit den grellen Situationsbildern der Kaiserzeit reich ausgestattet, aber von durchweg edler, stilvoller Handlung; dann ein moderner fashionabler Roman, der in einem internationalen Schweizer Hôtel spielt, oft von hinreißender Leidenschaftlichkeit [820] beseelt, voll Poesie in den Naturschilderungen, dann wieder grotesk, phantastisch, sogar raffiniert; zuletzt eine umfangreiche Tiroler Dorfgeschichte von tüchtiger, schlichter Haltung.

Sie selbst, verehrte Freundin, werden all allen diesen Werken Genuß haben: so aufgeschlossen ist Ihr Sinn, so vielseitig Ihre Bildung. Das große Lesepublicum hat die Wahl; denn die Muse unseres modernen Romans ruft ihm zu. „Wer vieles bringt, wird allen etwas bringen!“[1]



  1. Von dem beliebten Verfasser dieses „Literaturbriefes“ erschien soeben ein Roman in drei Büchern „Die Erbschaft des Blutes“ (Breslau, Ed. Trewendt), auf den wir bei dieser Gelegenheit hinzuweisen nicht verfehlen wollen. Rudolf von Gottschall bewährt in diesem neuesten Producte seiner epischen Muse die bekannten glänzenden Vorzüge seines reichen Talentes: Eigenartige Erfindung der Handlung und der Charaktere, geschickte Schürzung und geistvolle Lösung der Intrigue, sowie Glanz und Farbe in Schilderung und Dialog. Möge das höchst beachtenswerthe, interessante Buch zahlreiche Freunde finden!
    D. Red.