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Laurasagen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Michael Grimm
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Titel: Laurasagen
Untertitel:
aus: Versuch einer Geschichte des ehemaligen Reichsfleckens und des jetzt noch so berühmten Wallfahrtsortes Altdorf, gen. Weingarten, nebst seiner Umgebung; S. 18–20
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Selbstverlag, in Commission der Dorn’schen Buchhandlung
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Erscheinungsort: Ravensburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Faksimile, Genth Verlag, Oggelshausen 1988, ISBN 3-927160-02-4; Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: Sage aus Weingarten (Württemberg)
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[18]
Laurasagen.
a) Laura.

Auf der Haslachburg[1] lebte der alte Ritter Dagobert. Seine einzige Freude war seine Tochter Laura. Der junge benachbarte Ritter Adalbert wußte sich die Gunst des Vaters und die Liebe der Tochter zu erwerben. Oft und gerne weilte er in der Burg seiner Geliebten. Schon war er dem Ziele seiner Bestrebungen so nahe, daß er die Heißgeliebte bald sein eigen nennen durfte. Am Vorabende der bevorstehenden Vermählung hatte er noch seine Braut besucht und kein Unheil ahnend, vielmehr trunken vor Freude ob des nahen Glückes, trabte er auf seinem edlen Rosse heimwärts. Nicht lange aber stund es an, so zeigten sich am fernen Horizonte Gewitterwolken. Immer dichter häuften sie sich zusammen und immer näher und näher, aber auch drohender rücken sie heran. Der Blitz zischt wie eine Schlange durch die Luft und der Hall des Donners erdröhnt fürchterlich in den Räumen der alten Burg. Plötzlich [19] erreicht ein Blitzstrahl die Zinnen und augenblicklich stund die ehrwürdige Burg in lichten Flammen. Der Burgherr wird vom Blitze betäubt; das Gesinde flieht. Zum Glück bewahrt Laura noch so viel Geistesgegenwart und der Himmel verleiht ihr so viel Kraft, um ihren Vater den überall drohenden Flammen noch zur rechten Zeit entreißen zu können. Nicht lange aber sollte sie sich ihres so muthig errungenen Erfolges erfreuen, die Betäubung war derart, daß ihr Vater nach kurzer Zeit in ihren Armen den Geist aufgab. Bei wem sollte nun Laura in dieser grausigen Nacht Schutz und Hilfe suchen? Nach der Burg ihres Bräutigams zog es sie mit Macht hin. Doch auch Adalbert war gleichzeitig auf dem Wege zu seiner Braut, denn auf seiner hochgelegenen Burg wurde er nur zu bald der hochemporlodernden Flamme zu Haslach gewahr. Schnell entschlossen eilte er seiner Braut und seinem künftigen Schwiegervater zu Hilfe. Schon wollte er die vom Wolkengusse hochangeschwollene Scherzach überschreiten, als die Wellen ihn mitsammt der Brücke fortrissen. In diesem schauerlichen Augenblicke kommt auch Laura zur gleichen Stelle und sie sieht beim Leuchten des Blitzes ihren Bräutigam mit den Wellen kämpfen. Nicht lange besinnt sie sich; sie stürzt sich in die Wogen, um mit dem, der ihr auf Erden das Liebste gewesen, das gleiche nasse Grab zu theilen. – Seitdem will mancher ängstliche Wanderer um die Mitternachtsstunde eine Schattengestalt in weißem Gewande und Nebelschleier von der Lauraburg bis zum großen Stein wallen gesehen haben; ja in den heiligen Zeiten scheut sie sich nicht, in den Flecken zu gehen, stets ihrer Erlösung harrend, was aus folgender Sage zu entnehmen ist.


b) Laura harrt ihrer Erlösung.

Fräulein Laura, mit weißem Kleide angethan, einen Bund Schlüssel an sich hängend und ein Wasserkrüglein in der Hand haltend, erscheint in den heiligen Zeiten an einem [20] unscheinbaren Brünnlein an der Scherzach (ganz in der Nähe der Brücke, die auf den Hallersberg führt, der Griesle-Mühle gegenüber) und schöpft Wasser also sprechend: „Ich muss eine Linde tränken und zwar so lange, bis der Baum erstarkt ist. Alsdann wird aus diesem Baum eine Wiege gefertigt, und dasjenige Kind, welches in derselben gewiegt und auferzogen wird, erlangt von Gott die Gnade, mich erlösen zu können.“ Dann setzt sie ihren Weg dem Laurathal[2] zu fort.

Anmerkungen (Wikisource)