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Kleiner Briefkasten (Die Gartenlaube 1874/4)

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Textdaten
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Autor: Hermann Kurz
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Titel: Kleiner Briefkasten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 72
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[72] W. Z. in L. Ihre Anschauung über den jüngst verstorbenen schwungvollen und formgewandten Dichter Hermann Kurz theilen wir in jeder Beziehung, namentlich aber sind wir auch darin mit Ihnen einer Meinung, daß das poetische Streben des Verstorbenen noch lange nicht nach Gebühr gewürdigt worden ist. Gewiß werden Sie die nachfolgenden Strophen Ihres Lieblings, welchen der Tod desselben eine besondere Weihe giebt und welche Ihnen vielleicht noch nicht bekannt sind, mit Interesse lesen:

Ich werde so von hinnen eilen
Mit tief geschlossenem Visier,
Und ein paar arme stumpfe Zeilen
Die bleiben dann der Welt von mir.

Nach diesen werden sie mich wägen,
Verdammung sprechen oder Lob,
Nicht ahnend, ach, mit welchen Schlägen
Sich oft mein Herz in meinem Busen hob,
Wie ich am schönen Tag, in guter Stunde,
Verschmelzend Geist in Geist gewebt,
Mit einem kleinen Menschenbunde
Ein ganzes volles Leben durchgelebt,
Wie wir das Herz, wie wir die Welt gemessen,
Wie manch gewichtig Wort in Lethe’s Wellen fiel,
Und wie wir dann in seligem Vergessen
Manch kecken Scherz geübt, manch übermüthig Spiel.
Vor solchem Leben frisch und reich
Wie sind die Lettern todt und bleich!

Doch was ich mir in mir gewesen,
Das hat kein Freund gesehn, wird keine Seele lesen.