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Klage um Jonathan

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Textdaten
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Autor: Rainer Maria Rilke
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Titel: Klage um Jonathan
Untertitel:
aus: Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 9
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1918
Verlag: Insel-Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
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Bearbeitungsstand
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KLAGE UM JONATHAN


Ach sind auch Könige nicht von Bestand
und dürfen hingehn wie gemeine Dinge,
obwohl ihr Druck wie der der Siegelringe
sich widerbildet in das weiche Land.

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Wie aber konntest du, so angefangen

mit deines Herzens Initial,
aufhören plötzlich: Wärme meiner Wangen.
O daß dich einer noch einmal
erzeugte, wenn sein Samen in ihm glänzt.

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Irgendein Fremder sollte dich zerstören,

und der dir innig war, ist nichts dabei
und muß sich halten und die Botschaft hören;
wie wunde Tiere auf den Lagern löhren,
möcht ich mich legen mit Geschrei:

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denn da und da, an meinen scheusten Orten,

bist du mir ausgerissen wie das Haar,
das in den Achselhöhlen wächst und dorten,
wo ich ein Spiel für Frauen war,

bevor du meine dort verfitzten Sinne

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aufsträhntest, wie man einen Knaul entflicht;

da sah ich auf und wurde deiner inne: —
Jetzt aber gehst du mir aus dem Gesicht.