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Johann Peter Müller und sein Denkmal zu Friedberg

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Textdaten
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Titel: Johann Peter Müller und sein Denkmal zu Friedberg
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 227
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Das Denkmal Johann Peter Müllers in Friedberg.

Johann Peter Müller und sein Denkmal zu Friedberg. Im Laufe des vorigen Jahres haben wir unseren Lesern das Bild Friedrich Silchers vorgeführt, des „Wiedererweckers des deutschen Volksliedes“ (siehe „Gartenlaube“ 1889, Halbheft 16). Neben diesem Führer und Meister des volksthümlichen Gesanges steht aber eine zahlreiche Schar von Männern, die, wenn auch nicht in so tiefgreifender und weitreichender Weise wie Silcher, so doch in ihrem Kreise eine namhafte Wirkung ausgeübt und sich als Komponisten und Gesangsleiter schätzenswerthe Verdienste um die Pflege des Volksliedes erworben haben. Denn „nicht an wenig stolze Namen ist die Liederkunst gebannt“, heißt es in Uhlands „Freier Kunst“, im Gegentheil, es wäre eine betrübende Erscheinung, wenn jene begnadeten Meister in einsamer Größe verharren müßten, wenn der von ihnen ausgestreute Same nicht aufblühte in reicher Pracht und tausendfältige Früchte trüge. Die Mit- und Nachwelt aber schuldet denjenigen nicht minder ein dankbares Gedenken, die sich als treue Hüter und Mehrer des anvertrauten Gutes erwiesen haben.

Ein solcher Mann nun ist Johann Peter Müller, der Vater der den Lesern der „Gartenlaube“ aus ihren Thierschilderungen wohl bekannten Brüder Karl und Adolf Müller, und ihm gilt das obenstehend abgebildete Denkmal, das am 4. November 1889 zu Friedberg im Großherzogthum Hessen enthüllt wurde. Friedberg und das Hessenland ist auch der Kreis, auf den der Gefeierte wirkte, dort werden seine Lieder schon über 60 Jahre von der Schuljugend und vom Volke gesungen, in Friedberg und später auf seinem Pfarrsitz Staden entstanden auch die zahlreichen anderen Kompositionen des musikalisch hochbegabten Mannes.

Johann Peter Müller, den 28. Juli 1791 in Kesselstadt bei Hanau geboren, hat 22 Jahre lang als Lehrer am Schullehrerseminar in Friedberg gewirkt und ist in Langen bei Darmstadt 1877 bei seiner Tochter gestorben. Schon von frühester Jugend auf offenbarte sich seine Hinneigung zur Musik und seine ganz besondere Vorliebe für Mozart, für welchen er so sehr begeistert war, daß er einmal als Knabe sich abends heimlich aus dem Bett stahl, um an den Fenstern des Konzertsaales zu Hanau dem Vortrag Mozartscher Kompositionen zu lauschen. Mozarts Vorbild war auch für Peter Müllers eigene Schöpfungen von bestimmendem Einfluß, unbeschadet der unbestrittenen Eigenart seiner Werke. Wir nennen neben seinen zahlreichen Liedern noch seine Männerchöre, seine Orgelpräludien und seine Instrumentalquintette. Auch zwei Opern hat er komponirt, „Nydia oder die letzten Tage von Pompeji“, welche in Darmstadt 1854 zweimal mit größtem Beifall aufgeführt wurde, und „Claudine von Villabella“ (nach dem Drama von Goethe). Von den Liedern aber sind „Wenn in die Ferne vom Felsen ich seh’“, „Goldne Aehre, du mußt fallen“, „Heute scheid’ ich, heute wander’ ich“ und „Hier auf diesen frohen Höhen“ – ein herrliches Vaterlandslied – wohl am tiefsten ins Volk gedrungen und manches von ihnen hat auch über den Ocean zu den Landsleute in Nord- und Südamerika den Weg gefunden.

Das Denkmal, das die Amtsgenossen, Freunde und Verehrer dem Dahingeschiedenen errichtet haben, ist von einfachen schlichten Formen. Eine wohlgetroffene Porträtbüste aus Bronze von Bildhauer Georg Rheineck in Stuttgart steht auf einem steinernen Sockel und das Antlitz mit der hochgewölbten Stirn und dem freien Blick der Augen ist der Stätte zugewandt, auf der sein Urbild einst ein langes Leben hindurch mit sorgender Liebe geruht. Sein lebendiges Andenken wird nie im Hessenvolke erlöschen. =