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Jacob Moleschott (Die Gartenlaube 1854)

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Jacob Moleschott
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 410–412
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[410]
Jacob Moleschott.
Motto: 
„Ist die Welt erst tugendhaft, dann wird sie von selbst frei.“
Georg Forster. 
„Forster’s Ansicht ist seine Unsterblichkeit. Er trägt die Fackel, die
dem Jahrhundert leuchtet.“
Jacob Moleschott über Georg Forster. 




Vor drei Wochen ging durch alle Journale Deutschlands die eben so befremdliche als schmerzliche Nachricht: der bekannte Naturforscher Moleschott, Privatdocent an der Universität zu Heidelberg, habe diese seine Stelle niedergelegt, weil das Ministerium durch den engeren Senat der Universität ihm eine, die Sittlichkeit bedrohende Frivolität in seinen Schriften und Lehren vorgeworfen habe, ohne jedoch diese außerordentliche Beschuldigung irgendwie zu motiviren. Man bezweifelte anfangs diese Nachricht, man wollte nicht glauben, daß es dem Ministerium möglich geworden sei, aus den in allen Staaten Deutschlands zugelassenen, schon längst bekannten und vielfach besprochenen Schriften des berühmten Forschers noch nachträglich Frivolität und Unsittlichkeit aufgefunden, daß es ihm möglich geworden sei, dergleichen verderbliche Elemente auf einmal in den Verträgen des Mannes gefunden zu haben, der bereits sieben Jahre in Heidelberg lebte und lehrte, bis dahin ohne die geringste Anfechtung geblieben war, und sich allgemeine Liebe und Achtung als Bürger und Lehrer gewonnen hatte. Man wollte nicht glauben, daß das Ministerium so vernichtende Anschuldigungen machen würde, ohne wenigstens sich zu bemühen, die Beweise dafür darzulegen. Man wollte nicht glauben, daß ein Kreis von Männern der Wissenschaft, unter denen ein Mittermayer glänzte, sich zur Uebersendung jener Anschuldigungen hergeben und so das Recht der freien Wissenschaft gefährden lassen würde. Und dennoch bewährte sich jene Nachricht, befremdend und schmerzlich für alle Vertreter der freien Wissenschaft, für alle Anhänger der neuen Naturlehre, für alle Kenner der Werke, für alle Zuhörer der Lehren, kurz für alle Verehrer und Freunde Moleschott’s. Wir geben hier die Thatsachen dieses weitausgreifenden Ereignisses im Gebiete der Lehrfreiheit.

Am 25. Juli wurde Moleschott, in seinem Laboratorium von Schülern umgeben, mündlich vom Pedell aufgefordert, am nächsten Tage im Senatszimmer zu erscheinen. Dort wurde ihm von Prorektor Arnold eine Anrede zu Theil, in welcher derselbe bedauerte, daß er ihm im Namen des engeren Senats, der dazu vom Ministerium Befehl erhalten, eine Warnung zuertheilen müsse, bei welcher der Senat indeß, der zu weit strengeren Maßregeln berechtigt gewesen wäre, die schonendsten Formen zu suchen sich bemüht hätte. Es wurde dem Vorgeforderten sodann vom Actuar ein Actenstück vorgelesen, von dem er keine Abschrift erhielt, dessen Inhalt aber darauf hinauslief, daß Moleschott’s Wirksamkeit als Universitätslehrer leicht aufgehoben werden könnte, wofern er sich nicht entschließe, in Zukunft in seinen Schriften und mündlichen Lehren die frivolen Einmischungen wegzulassen, die der Sittlichkeit Gefahr drohen.

In Folge dessen schrieb Moleschott unverzüglich und direkt an das Ministerium:

„Die Mittheilung, die mir der Herr Prorektor der hiesigen Universität über die beim Ministerium herrschende Beurtheilung meiner Thätigkeit gemacht hat, veranlaßt mich zu der Erklärung, daß ich gegen die Bezeichnungen meiner Richtung als „frivol“ und „unsittlich“, kommen sie von welcher Stelle sie wollen, ernstlich Verwahrung einlege. Weil ich aber zugleich es für die sittlichste Pflicht des Lehrers halte, daß er seinen Schülern rückhaltslos die Wahrheit mittheile, so fordert von mir die Unabhängigkeit meines Charakters, die ich einer jeden äußern Rücksicht zu bewahren weiß, daß ich einem Lehramt, das man an der Universität zu Heidelberg nicht mehr frei ausüben darf, selbstständig entsage.“

Dem engeren Senat sendete Moleschott eine Abschrift dieses Briefes zu, und zwar mit folgenden Zeilen begleitet:

„Ich erlaube mir Ihnen anliegend die Abschrift eines an das Ministerium des Innern gerichteten Schreibens mitzutheilen, mit welchem ich Abschied nehme von meiner Wirksamkeit an der Anstalt, die ihre Lehrfreiheit hat vernichten lassen. Ich ersuche Sie, der medizinischen Fakultät jene Abschrift und dieses Begleitschreiben zur Kenntnißnahme zu übersenden.“

Das der Sachbestand des Ereignisses. Noch besonders und persönlich schmerzlich für Moleschott und seine Schüler, und wie tiefer Schmerz und erhebende Begeisterung sich nun paarten, möge in folgenden Thatsachen sich ausdrücken:

Als Moleschott wieder in das Auditorium trat, um seine Vorlesung über Anthropologie zu beschließen, schmückte ein Lorbeerkranz sein Katheder. Er sprach nun noch über den Einfluß des Klima’s auf das Menschengeschlecht, in Beziehung auf die Entwickelung der Völker in geschichtlicher Zeit; er wies noch nach, daß immer und überall stoffliche Bedingungen die geistige Entwickelung der Menschheit bedingen und schloß dann mit etwa folgenden Worten:

„Hieraus ergiebt sich die ernste Verpflichtung, daß wir unablässig dafür sorgen, und unser Studium darauf richten, jene stofflichen Bedingungen ergründen und beherrschen zu lernen. Dadurch, meine Herren, werden wir nicht blos für die physische, für die geistige Entwickelung des Menschengeschlechts sorgen, sondern auch für die Sicherstellung der Sittlichkeit in allen Staatsformen.

„Mögen diese wenigen Worte, die mir aus dem tiefsten Innern kommen, beweisen, daß ich mit Stolz diesen Kranz ergreife. Im Uebrigen erlassen Sie mir jedes Wort des Abschieds, denn ich nehme nicht Abschied von Ihnen, ich werde, wenn gleich örtlich von meiner Wirksamkeit, von einer Hochschule getrennt, nicht aufhören, mit Ihnen und für Sie zu arbeiten.“

Es war ein schöner, tiefer Moment, still und bewegt. – Zwei Tage später hielt Moleschott seine letzte Vorlesung über Physiologie. Nach der Verlesung versammelten sich alle Schüler in seinem Sprechzimmer, und hier nahm Einer, im Namen Aller, in feierlicher, begeisterter Rede Abschied, zwar nicht von dem Manne, dem Lehrer und Freund, aber Abschied von dem Universitätslehrer.

Die eigentliche Verklärung des schmerzlichen Momentes wurde ihm aber erst so recht am folgenden Tage, am 6. August. Morgens zehn Uhr wurde Moleschott im Namen seiner Schüler abgeholt [411] von Einem derselben in sein jetzt verlassenes Auditorium. Hier fand er alle seine Zuhörer feierlich versammelt, die Räume mit Blumen und Kränzen geschmückt, und am Platze, wo sonst sein Katheder sich befand, stand ein Tisch mit einer großen, schönen Luftpumpe und dem berühmten, kostbaren Atlas von Stieler. Diese Geschenke wurden dem Gefeierten mit einer innig wohlthuenden Rede überreicht, in welcher, fern von aller doch so wohl berechtigten Bitterkeit, nur auf das innige Verhältniß gewiesen wurde, das den geliebten, hochverehrten Lehrer mit den dankbaren Schülern verknüpfte. – Der so schwer Verletzte hatte in allen diesen Thatsachen gewiß die schönste Genugthuung erhalten; aber man ging noch weiter: Sieben und zwanzig Zuhörer Moleschott’s, Studirende und Doctoren verschiedener Facultäten richteten nachstehende Adresse an das badische Ministerium, zugleich beschließend, derselben durch Insertion in öffentliche Blätter allgemeine Verbreitung zu geben, um vor der gebildeten Welt die sittliche Ehre des so schwer Beschuldigten auch ihrerseits zu vertreten. Die Adresse lautete also:

„Die unterzeichneten dermaligen Zuhörer des Privatdocenten Dr. Moleschott erlauben sich mit Ueberreichung dieser Zeilen frei und selbstständig gegen die demselben gemachten Vorwürfe, daß sein Wirken an hiesiger Universität ein frivoles und unsittliches sei, feierlichst zu protestiren. Eine Beschuldigung, die den Charakter eines nicht allein in der Wissenschaft, sondern auch im Leben, in engern wie in weitern Kreisen allgemein hochgeachteten Mannes trifft, ja die allen Charakter geradezu negirt, eine so harte Beschuldigung muß sich unsers Erachtens auf Beweise gründen. Wir nun, die wir die Vorlesungen des Dr. Moleschott mit Aufmerksamkeit angehört haben, vermögen nicht die leiseste Spur einer Thatsache zu entdecken, welche die oben angeführte Bezeichnung im Geringsten rechtfertigen könnte. „Unsittlich“ ist nur die bewußte Lüge, welche die Wahrheit verbergen will, aber nicht das lehrende Wort eines Mannes, der nach Wahrheit ringt; „frivol“ ist nur der Hohn des Spötters, aber nicht die lebendige Rede eines Mannes, der seine feste, innige Ueberzeugung ausspricht, der keine Meinung, keinen Glauben verletzt und kränkt, sondern mit milder Schonung Andersdenkender nur für Das, was er als wahr erkannt, einen wissenschaftlichen Kampf kämpft. Einfach und rein, in edle Form gegossen, hat er uns die Resultate seiner Forschungen mitgetheilt, Jedem das eigene Urtheil frei anheimgebend. In streng wissenschaftlichem Geiste verschmähte er es, durch geistreiches Spiel der Gedanken den Zuhörer zu blenden und überredend zu seiner Ansicht zu verlocken. Wir sehen uns deswegen und weil eine Anklage des Dr. Moleschott von Seiten eines Dekanats hiesiger Universität nicht vorliegt, zu der Ueberzeugung hingetrieben, daß Verleumdung und Verdächtigung das rein wissenschaftliche Wirken unsers Lehrers einem hohen Ministerium gegenüber entstellt haben, und wir fühlen uns selbst umsomehr dadurch verletzt, da jene Beschuldigung, wenn sie begründet wäre, uns mittreffen würde, die wir den Vorträgen des Dr. Moleschott mit Interesse und Liebe gefolgt sind, die wir in ihm den Lehrer wie den Menschen in gleich hohem Grade verehren und lieben lernten. Aus diesen Gründen nun, aus Liebe zur Wahrheit, aus Dankbarkeit gegen unsern Lehrer und aus Achtung vor uns selbst fühlen wir uns verpflichtet, gegen obige Beschuldigung uns feierlichst zu verwahren, und bitten ein großherzogliches Ministerium um weiter nichts, als um Veröffentlichung Dessen, worauf jener Vorwurf der Unsittlichkeit und Frivolität gestützt wird, damit die Welt frei und unparteiisch über die Sache richten könne etc.“ (Folgen die Unterschriften.)

So sprachen die Zuhörer und Schüler Moleschott’s, so sprachen freie Männer der Wissenschaft.

Wir wollen hier noch einen kurzen Ueberblick auf das Leben und die Person des Mannes geben, dessen „Lehre der Nahrungsmittel, für das Volk bearbeitet“, und dessen „Kreislauf des Lebens; physiologische Antworten auf Liebig’s chemische Briefe“ als großartige Ereignisse im Gebiete der Naturwissenschaft, als Begründung einer neuen Lebens- und Weltanschauung gelten müssen.

J. Moleschott wurde am 9. August 1822 zu Herzogenbusch (in Holland) geboren, wo sein Vater noch jetzt ein hochgeachteter und sehr beschäftigter Arzt ist. Dieser übte auf des Sohnes Leben selbst den größten Einfluß aus; von ihm lernte der Sohn nicht allein lesen und arbeiten, sondern auch denken, und die beste Anleitung für ein fruchtbares Wirken am Krankenbett.

Nach holländischer Sitte waren die neuen Sprachen, französisch und englisch, die ersten Stoffe, die für den Unterricht des jungen Moleschott verwendet wurden. Dabei gründliche Erlernung der Muttersprache, deren abstrakte grammatikale Definitionen ihm später gute Hülfe leisteten bei Erlernung der alten Sprachen. Das Deutsche hingegen wurde schlecht, jede andere Realwissenschaft mehr als mittelmäßig betrieben. Erst von seinem 13. Jahre an genoß der junge Moleschott Unterricht in den alten Sprachen, besonders in der lateinischen. Mit 17 Jahren kam er auf das preußische Gymnasium zu Cleve, wo er eine vortreffliche Schulbildung genoß. Diese seine Schuljahre bezeichnet Moleschott jetzt noch als ihm unvergeßlich für seine ganze geistige Entwickelung. Den Lehrern Heine und Kiesel dort (jetzt beide Direktoren in Düsseldorf, jener der Gewerbschule, dieser des Gymnasiums) verdankt er seine Grundlage der Mathematik; dem Direktor Helmke die Erweckung zu gediegener Ausbildung des Geschmacks, den dieser Lehrer durch seinen Vortrag der griechischen Classiker, namentlich des Sophokles, so wunderbar zu erregen wußte. Am Tiefsten aber wirkte auf ihn ein sein Lehrer Moritz Fleischer, (durch herrliche Aufsätze in den holländischen Jahrbüchern auch in weitern Kreisen bekannt: dieser führte ihn zur Philosophie; aber nicht am Gängelbande octroyirter Doctrin, sondern indem er anregend, leise berichtigend oder fast bestätigend, des empfänglichen Jüngers Schritte zu vorurtheilsfreier Untersuchung lenkte. Moleschott bezeichnet diesen vortrefflichen Mann als denjenigen, dem er nach seinem Vater am Meisten verpflichtet sei.

Zwanzig Jahre alt (im Jahre 1842) kam Moleschott nach Heidelberg, um hier Medizin zu studiren. Dies aber nach seines Vaters und seiner eigenen festen Ueberzeugung: daß jetzt für den Mediziner alles Heil in einer gründlichen Beschäftigung mit Chemie und Physik zu suchen sei. Dabei hatte er auch schon das Bewußtsein, daß das Studium der Psychologie, oder noch lieber gesagt: der Anthropologie, die Hauptaufgabe seines Lebens sein würde. – Dieses Bewußtsein hat sich denn auch zu glänzender That gestaltet. Die Professoren Tiedemann und Bischoff nahmen sich des eifrigen Studenten besonders freundlich an und haben neben seinen übrigen Lehrern am Meisten dazu beigetragen, ihn mit der naturwissenschaftlichen Methode bekannt zu machen. – Alle Freistunden der ersten dieser Studienjahre verwendete Moleschott auf den von ihm leidenschaftlich verehrten Hegel und hat dieses Studium jedenfalls auch mit zu jener gewaltigen Logik, jener eisernen Consequenz beigetragen, die wir in den Werken Moleschott’s bewundern, die seine Feinde ihm noch weniger verzeihen mögen, als seine Ansichten, seine ganze Richtung.

Im Jahr 1845, am 22. Januar, wurde Moleschott zum Doctor der Medizin, der Chirurgie und Geburtshülfe ernannt: seine Doctordissertation handelte über den feineren Bau der Lungen. Einige Wochen vorher, am 6. Dezember, wurde von der Universität zu Harlem seine „Kritische Betrachtung von Liebig’s Theorie der Pflanzenernährung“ mit dem goldenen Ehrenpreise gekrönt. Im Mai ließ sich Moleschott als praktischer Arzt in Utrecht nieder. Zugleich aber lernte er in der Chemie praktisch arbeiten unter der vortrefflichen Anleitung, die ihm in Müller’s berühmtem Laboratorium zu Theil wurde. Außerdem noch machte er fleißig physiologische Untersuchungen, zum Theil in Gemeinschaft mit seinem Freunde Donders und diese Arbeiten gaben Veranlassung zur Herausgabe der „holländischen BeitrÄge zu den anatomischen und physiologischen Wissenschaften,“ in Gemeinschaft mit Donders und van Deen, den beiden ersten Physiologen Hollands. Die rastlose Thätigkeit, der außerordentliche Wissenschaftsdrang des genialen Mannes ließ ihn aber auch die unsterblichen Werke Spinoza’s und Feuerbach’s studiren; beide führten ihn von seiner grenzenlosen Verehrung Hegel’s ab und namentlich war es Feuerbach, der ihm den siegenden Uebergang von der abstrakten Philosophie zu den Naturwissenschaften mit erkämpfen half.

Zu Ostern 1847 habilitirte sich Moleschott in dem ihm lieb und theuer gewordenen Heidelberg als Privatdozent; anfangs nur für physiologische Chemie und Diätetik, später für Experimentalphysiologie und Anthropologie, so wie für allgemeine und vergleichende Anatomie. Im Sommer 1853 gründete er ein physiologisches Laboratorium, das sich sehr zahlreichen Besuches zu [412] erfreuen hat und ganz unabhängig von der Universität da steht, hoffentlich auch fortbestehen darf. Mit welchen Erfolgen Moleschott als Lehrer wirkte, haben wir bereits kennen gelernt. Sein schriftstellerisches Wirken anbelangend, schrieb er außer vielen Aufsätzen in Zeitschriften (siehe „Zeitschrift für rationelle Medizin,“ „Archiv für physiologische Heilkunde.“ „Müller’s Archiv,“ „Wiener medizinische Wochenschrift,“ „Natur“ etc.) folgende Werke: 1848–1849: „Physiologie der Nahrungsmittel; Ein Handbuch der Diätetik.“ Darmstadt 1850. Im Winter 1849–1850: „Lehre der Nahrungsmittel. Für das Volk bearbeitet.“ Erlangen, 1850. Erschien in zweiter Auflage 1853.

Im Winter 1850–1851: „Physiologie des Stoffwechsels in Pflanzen und Thieren.“ Erlangen 1851.

Im Winter 1851–1852: „Kreislauf des Lebens. Physiologische Antworten auf Liebig’s chemische Briefe.“ Mainz 1852.

Die hohe Bedeutung, der Glanz, die außerordentliche Wirkung dieser Werke kennen wir durch die Theilnahme der gebildeten Nation und durch den Ruf, den sie dem Verfasser gaben, durch die Befremdung und den Schmerz des Vaterlandes, als das badische Ministerium den Verfasser der Frivolität beschuldigte.

Das ist die öffentliche Entfaltung und Wirksamkeit des noch so jungen und schon so berühmten Gelehrten. Sein persönliches und bürgerliches Leben betreffend, bewahrheitet es nach allen Seiten hin die von ihm vertretenen wissenschaftlichen Grundsätze: die der reinen Menschenliebe, der edeln Humanität, der Liebe zu allem Geschaffenen, der unermüdlichen Strebsamkeit nach innerer Bildung, Schönheit und Freiheit. – Ein glücklicher, zärtlich liebender Gatte und Vater; ein warmer, treuer, helfender Freund; ein ruhiger, solider, strengrechtlicher Bürger: so steht er da, geliebt, verehrt von Allen die ihn kennen, die ihn kennen wollen. Nur wo verderbliche Dummheit, Heuchelei, Ungerechtigkeit, – sei es im Leben oder in der Wissenschaft, – ihm entgegentritt, da flammt er auf zu männlichem Zorn, zu gewaltigem Kampf. –

Die Erscheinung Moleschott’s ist eigenthümlich anziehend, ohne grade sofort zu frappiren. Stets bewegliche, braunglänzende Augen, mit ebenso tiefem als mildem Glanze. Die Stirne von seltener Höhe und Klarheit. Die Züge blaß, glatt, fast starr, aber energische Denkkraft verrathend. Die Figur eher klein als groß, schlank und doch gedrungen.

Um Moleschott’s ganzes Wesen kennen zu lernen, muß man freilich seine Liebe, sein Vertrauen besitzen; dann aber und beim Glase Wein ist er auch von wahrhafter Liebenswürdigkeit, dann tritt die reine Kindlichkeit und fromme Naivität hervor, die in dem heiligen Cultus der Natur jeder echte Mensch sich erhalten und gewinnen kann.

Wir schließen diese Betrachtung mit dem Schlußwort der seelenvollen Widmung, mit der Moleschott’s edler Freund, Roßmäßler, sein schönes Buch: „Flora im Winterkleide,“ dem Freunde, darbrachte; dieses Wort charakterisirt mehr als hundert Andere die reine Menschenseele des berühmten Forschers und dürfte auch für uns hier in Anspruch zu nehmen sein: „Wenn man Dich achtet und liebt, so freust Du Dich, daß ein Mensch geachtet und geliebt wird.“