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Isis (1817, Heft 1)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Lorenz Oken
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Titel: Isis, Heft 1
Untertitel:
aus: Isis, 1. Jahrgang, Sp. 1–128
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1817
Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag: Expedition der Isis
Drucker:
Erscheinungsort: Jena
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Thulb Jena
Kurzbeschreibung: erstes Heft des ersten Jahrgangs, bestehend aus 16 Stücken oder 64 Seiten, vorläufig wurden nur die ersten beiden Stücke (8 Seiten, Sp. 1–16) transkribiert
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[1]

ISIS

oder
Encyclopädische Zeitung.
I. 1. 1817[WS 1].

In jedem Monat erscheinen von dieser Zeitschrift in Jena 16 Stück (8 Bogen), die im Wege des Buchhandels jährlich 6 Thlr. oder 10 fl. 48 Xr. rh. kosten, und vom 3ten Monat an nur monatlich versendet werden. Durch die Posten kann man sie aber immer wöchentlich erhalten. Man wendet sich dann an die zunächstgelegenen Postämter, welche sich ihrerseits wieder an die löbl. Zeitungs-Expedition in Leipzig oder an die löbl. Postämter in Jena zu wenden haben. – Der erste Jahrgang gilt für das Jahr 1817[WS 1].


(Aus dem Grundgesetz über die Landständische Verfassung des Großherzogsthums Sachsen-Weimar-Eisenach.)

„Gleichwie Wir nun durch vorstehende Bestimmungen die Landständischen Rechte Unserer getreuen Unterthanen, und durch diese die Rechte der einzelnen Staatsbürger dauerhaft gesichert (zu) haben, auch zu solchem Zwecke folgende bereits anerkannten Rechte: das Recht auf eine, auch die Verbindlichkeiten des Fiskus umfassende, in drei Instanzen geordnete, unpartheiische Rechtspflege, und das Recht auf Freiheit der Presse, hierdurch ausdrücklich anerkennen und gesetzlich begründen; also wollen Wir, im Sinne der in vorstehendem §. 124. enthaltenen Bestimmung, auch Unsere dermaligen Staatsdiener auf gegenwärtiges Grundgesetz besonders verpflichtet, und ihren Uns geleisteten Diensteid auf die Beobachtung dieses Grundgesetzes, wozu Wir sie hiermit anweisen, ausdrücklich erstrecket haben.

So geschehen und gegeben Weimar, den 5. Mai 1816.“

(L. S.) Carl August.
G. v. Voigt.   C. W. Freyh. v. Fritsch.   v. Gersdorf.   Graf Edling.
vdt. Ackermann.




Die ISIS ist ein encyclopädisches Blatt, und umfaßt alle vier Reiche der Natur, der Elemente, der Mineralien, der Pflanzen und der Thiere, so wie das Reich oder die Reiche des Geistes, und schließt schlechterdings keine Betrachtung aus, welche bleibenden, befördernden Werth hat. Sie erzählt, beurtheilt, lobt, tadelt, verschweigt vorzüglich das, was die laufende Zeit bringt, schaut aber auch zurück und vorwärts, je nach Belieben ihrer Kunden und Gesellen.

Wir sind gesonnen ein Blatt zu gründen, welches, nach der bekannten Art zu reden, „nicht seines Gleichen hat, und das einem wahren Bedürfniß in den großen deutschen Landen gründlich abhilft,“ nehmlich dem der allseitigen und zeitigen Verbreitung aller menschlichen Entdeckungen, und der allseitigen und gründlichen Beurtheilung geistiger Erzeugnisse in Wissenschaft, Kunst, Gewerb und Handarbeit.

Diesen Zweck glauben wir durch folgende Einrichtung erreichen zu können.

1) Diese Zeitschrift ist dem freiesten Verkehr geöffnet. In ihrem Haven kann landen und lösen wer [2] nur immer mag und wer etwas hat. Nur Ballast zahlt Abgaben. Wir entbieten daher allen Gelehrten, Künstlern, Technologen, Oekonomen, daß hier ihre Ideen, Entdeckungen, Vorrichtungen, Vortheile geneigte und freie Aufnahme finden, daß sie sich deßhalb an uns anschließen, und zur Gründung eines Gelehrtenstaates, der sich durch ein gewissermaßen amtliches Blatt im Zusammenhang erhält, das Ihrige beitragen, und den daraus entspringenden Nutzen genießen mögen.

2) Da es Jedem frei steht, in diese Blätter unaufgefordert und unzugetheilt zu arbeiten, so kann, wie sich von selbst versteht, von keiner Parthei die Rede seyn, oder von allen. Jeder ergreife eine Meynung oder ein System, welches ihm Freude macht, oder er ergreife keines. Alles ist gut, und alles muß zugelassen werden. Das Publicum oder die Gemeinde muß den Sinn wie den Unsinn der Zeit, die Würde wie die Petulanz kennen lernen. Es ist eine lächerliche Anmaßung mancher Herausgeber von Zeitschriften oder Sammlungen, wenn sie wähnen, sie seyen gesetzt, damit sie fein dem Lauf der Dinge seinen Weg anweisen, damit sie das Gute fördern und das Kundt am 1sten August 1816. [3] Schlechte unterdrücken, den Starken zügeln, den Schwachen unterstützen. Solche Leute kommen uns wie Universitätscuratoren vor, welche von dem Wahn besessen sind, als bestände ihr Amt darinn, dieses oder jenes System auf der Universität lesen oder nicht lesen zu lassen, als wären sie die Polizeischergen des Geistes, die an Thoren und Straßen, auf Märkten und Hörsälen lauschen und laufen sollen, damit nicht wider ihre Ein- und Ansicht Güter hineingefahren und vertheilt werden. Solche Menschen, die sich einbilden, sie wüßten was in den geistigen Bestrebungen das Rechte und das Schlechte ist, und es wäre eine menschliche Pflicht, demnach zu erlauben und zu verbieten, stehen zu kindisch im Staat, als daß wir uns nicht schämen sollten, es wie sie zu machen. Gewiß! wer einmal zu einer Wahrheit gekommen ist, verbietet nicht das Unwahre: denn er weiß, daß man nur durch das Unwahre, das litterarisch Schlechte, zum Wahren, dem litterarisch Guten gelangt. Wer die Menschen zur Wahrheit peitschen will, ist ein Narr, dem man den Rücken zuwenden muß.

3) Auf eine völlig ähnliche Art stehen unsere Recensier-Institute als aufgeblähte despotische Herrchen, manche gar als willkürliche Bassen da, und vertheilen nach Lust und Leidenschaft oder gar nach Unwissenheit Bücher an Freunde und Feinde, an Leichtsinnige und Gedankenlose, an Nüchterne und Betrunkene, oder sie vertheilen sie gar nicht, wenn ein Schriftsteller oder Verleger das Unglück gehabt, sich den Haß eines solchen Vielweisen zuzuziehen. Ist einmal ein Buch recensiert, so bleibt der Stab gebrochen, ob gerecht oder ungerecht gilt gleich, ja es muß immer ungerecht seyn, weil er nur nach eines Urtheil gebrochen worden. Eine zweite Recension wird nicht zugelassen. Will der Verfasser etwas dagegen sagen, so muß er solch schwere, unverhältnißmäßige, ja ungerechte und höchst strafbare Einrückungsgebühren bezahlen, daß einige Antikritiken ein Kapital ausmachen. All diese Schändlichkeiten sollen nun durch unsern neuen Plan nicht bloß durch gutmüthigen Entschluß vermieden, sondern durch unsere Einrichtung völlig unmöglich gemacht werden.

4) Von uns wird keine Recension vertheilt. Wer Lust hat ein Buch zu beurtheilen, es geschehe aus Liebe oder Haß zur Wissenschaft oder zum Verf., gilt gleich; der schicke uns seine Arbeit. Nur aus Langweile darf kein Buch kritisiert werden, weil wir eine vollständige Darlegung von der Einrichtung jedes Buchs, eine deutliche Entwickelung der Meynung und des Ideengangs des Verf., und endlich ein in bestimmten, unumwundenen Worten gefälltes Urtheil über den Werth dessen, was geleistet ist, verlangen. Da es einmal unmöglich ist, die Leidenschaften aus der Gelehrten-Welt zu entfernen, so steuren wir diesem Uebel, daß wir bis vier Recensionen von einem Buch zulassen, unter welchen der Verf. selbst eine liefern kann, jedoch mit Nennung seines Namens. Nur so kann ein Buch gewürdigt, nur so können Ungerechtigkeiten, die in einer einzigen Rec. begangen worden, gerügt werden, nur so kann dem Schriftsteller und der Gemeinde ihr Recht wiederfahren. So ist es unmöglich gemacht, daß eine Recension aus Feind- oder Freundschaft unterdrückt werde. Wer eine Rec. eingeschickt, und in einem Jahr nichts davon gehört hat, kann es öffentlich anzeigen. Daß die vier Rec. von vier verschiedenen Verf. seyn müssen, versteht sich natürlich von selbst.

5) Wer nie etwas geschrieben hat, darf nicht recensieren, weil nirgends das Vergeltungsrecht schicklicher ist, als in dem Gelehrtenstaat. Jedem muß man beikommen können, der hier seine Stimme erhebt.

6) Da unser Unternehmen einen freien Verkehr und Streit beabsichtigt, wir auch nicht gemeynt sind, derbe Schreibarten in artige umzuwandeln, vielmehr wollen, das alle Formen, welche deutscher Art sind, hier zur Schau stehen; so verlangen wir, daß jede litterarische Beleidigung nicht anders als auf litterarischem Wege gerächt werde. Litterarische Streitigkeiten, wären es auch Grobheiten, ja selbst Lügen und Verläumdungen müssen nie als bürgerliche betrachtet, und vor den bürgerlichen Richter geschleppt werden, der einem geschriebenen Wort immer einen höhern Werth beilegt als es wirklich hat. Geistige Pfeile müssen nicht wie metallene criminaliter gerichtet werden. Wer ein tüchtiger Mensch ist, kann geistig nicht todt geschossen werden. Wer die bürgerliche Obrigkeit herbeizieht, um die Aeußerungen seines Geistes zu retten, ist ein erbärmlicher Wicht, der nicht in den Staat der Gelehrsamkeit eingreifen muß. Hier brennts!

7) Da uns alle litterarischen Aeußerungen gar keinen bürgerlichen Werth haben, und wir beide Welten gänzlich von einander trennen; so versprechen wir jedem nach seinem Belieben, und in den von ihm gewählten Ausdrücken, öffentlich Abbitte und Ehren-Erklärung zu thun, der sich nur irgend einbildet, von der Zeitschrift gekränkt zu seyn. Da jeder sich hier unentgeldlich Recht verschaffen kann, auch wir unsere Zeit für litterarische Arbeiten brauchen, so wollen wir mit kindischen Klagereien verschont seyn. Überdieß [5] genießen wir der Preßfreiheit. Wenn Fürsten solche Gerechtigkeit üben, um wieviel mehr muß eine Empfindlichkeit unterdrückt werden, die bewiese, daß das deutsche Volk noch keiner Freiheit fähig ist. Was sagen sich die Engländer für Grobheiten! Fällt es aber einem ein, deßhalb zu flennen und vor dem Richter wie vor einer vergnädigen Mutter zu klagen? Wer lügt, wer verläumdet, wird von der Welt am sichersten gerichtet, wer ein Raufer ist, wird geflohen. Ist das nicht die größte Strafe?

8) Diese Zeitschrift zerfällt in drei Theile.

  1. in Abhandlungen.
  2. in Beurtheilungen.
  3. in Anzeigen.

a. Die Abhandlungen liefern alles, was auf der Erde litterarisch zum Vorschein kommt. Zu diesem Behufe sind die Zeitschriften aller Sprachen, vorzüglich der englischen, französischen und italiänischen angeschafft. Außerdem werden nach Vermögen eigene, ganz neue Aufsätze geliefert.

Die Hauptgegenstände sind a) die Naturwissenschaften, Physik, Chemie, Naturgeschichte, vergleichende Anatomie, Physiologie, Medicin, endlich Technologie und Oekonomie.

b. Die Kunst, Mythologie, Archäologie.

c. Die Geschichte, vorzüglich vaterländische aus dem Mittelalter, Reisen, Geographie.

d. Einige Gegenstände können nur sparsam aufgenommen werden; dergleichen sind Redkunst, Dichtk., Sprachk., Staatsk., Geistesphilosophie von der betrübten Logik an bis zur witzigen Moral.

e. Andere werden kaum eine Stelle finden, z.B. Theologie und Jurisprudenz, weil sie sich zu sehr vom Menschlichen zurückgezogen haben.

f. Von eleganten Unterhaltungen, Theaterstreichen, von Ueberschwemmungen, Feuersbrünsten, Beinbrüchen, Diebstählen und dergleichen merkwürdigen Dingen wird bei uns nicht gesprochen.

Da die Naturwissenschaften und Reisen am meisten Unterhaltendes und Belehrendes darbieten, auch durch sie der Mensch erst seine eigentliche Bildung erhält, indem er nur durch sie erfährt, wohin er gestellt, wohin die andern Dinge um ihn gestellt sind, wodurch ihm erst der Maaßstab zur Würdigung seiner selbst und anderer in die Hand gegeben wird, er auch einzig und allein aus der Erkenntniß der Natur zur Erkenntniß des Menschen, zur Erkenntniß Gottes, und zur Einsicht in das Verhältniß Gottes zur Welt und dieser zu ihm, kurz zur Religion gelangt, uns endlich diese Zweige der Wissenschaften die liebsten und bekanntesten sind: so werden wir es uns angelegen seyn lassen, alles Wichtige hierüber zu sammeln, es nach gewissen Gesichtspuncten zusammenzustellen, Folgerungen daraus zu ziehen, und diese zu Zeiten so zu ordnen, daß nach und nach eine Einsicht in das große Räderwerk der Natur hervorgehen kann. Wir hoffen hirinn dem wissenschaftlichen Mann wissenschaftlich brauchbare Gegenstände an die Hand zu geben, so daß er sich in unserem Blatt über alle Entdeckungen, treuen, glaubwürdigen Raths erholen kann, während wir die Darstellung so einzurichten trachten, daß jeder Gebildete daran freundlichen Antheil nehmen mag.

In das Besondere ausgesponnene chemische, physikalische, mathematische Abhandlungen oder gar langweilige Krankengeschichten gehören den betreffenden Zeitschriften. Recensionen aber aller dieser und vorzüglich medicinischer Schriften, wie summarische Uebersichten alles dessen, was in diesen Wissenschaften jährlich geleistet worden, und kurze Anzeigen solcher Entdeckungen und Arbeiten werden eine besondere Pflege erhalten. Bei medicinischen Gegenständen thut eine kräftige Einwirkung um so mehr Noth, sintemal die medicinisch-chirurgische Zeitung weit unter die Mittelmäßigkeit herunter getummelt ist.

Die Oekonomie und Technologie fangen an, in die Reihe der wissenschaftlich begründeten Geschäfte zu treten; jene ist so zu sagen die angewandte Naturgeschichte Physik und Chemie, diese die ins Leben geführte Mathematik Physik und Chemie, beide verdienen daher, wo sie so erscheinen, mit den andern Naturwissenschaften nach gleichem Rang behandelt zu werden.

Die Kunst und ihre Gehilfen, die Mythologie und Archäologie stehen bei uns in geziemender Verehrung. Jeder Gebildete ist ihr hold. Sie erfreut das Leben, erhebt das Gemüth, löst die geheimsten Räthsel der Philosophie auf sinnliche, fast greifbare Weise, und ist ein heiliges Mittelglied zwischen Leben und Wissen, zwischen Genießen und Glauben, zwischen Welt und Gott. Kunst ist personificierte Religion. Ohne Kunstgegenstände ist das Herz erstorben. Bilderstürmer erschlagen die Menschheit. Wir werden das Bild der Idee in Schutz nehmen. Es ist jedem begreiflich, auch dem, der im Schweiß seines Angesichts die Mutter Erde eröffnet. Die Ideen gehören dem müssigen Stand, der ohne Bild begreift.

Geschichte ist Weltregent. Ihr muß man gehorchen, daher ihre Dekrete kennen lernen. Staaten, in denen keine Geschicht ist, die täglich eine neue Politik haben, so wie sie der Wind zubläst, die nach jedem Lichtlein haschen, das Gold und Land scheint, wie die Frösche welche nach dem rothen Lappen hüpfen, werden eines ähnlichen Todes verreweln. Die Geschichte schreitet als ein schauerlicher Riese daher über Strom und Felsen, über Loco Sigilli und Schlagbaum, lachend über solche Anstalten, welche Geist und Bein fangen wollen, und im Fang überburzeln. Es wird die Kühnheit eines Narren erfordert, wenn einer die Geschichte bannen will. Die Geschichte aber ist die Menschheit; einer aber ist Nichts. – Darum sey die Geschichte der Spiegel dieser Zeitschrift, die Natur ihr Fußboden, die Kunst ihre Säulenwand. Den Himmel lassen wir uns offen.

Was nun die sparsamlichen Wissenschaften betrifft, so seyen Hauptwerke, Haupterzeugnisse nicht ausgeschlossen. Was Klassisch ist in jeder Art, habe hier freie Einkehr. Aber jeder Predigt, jedem Roman, jeder Sylbenverbesserung, jedem Finanzschweiß, jedem Traum über Geistesgesetze, jedem moralischen Plagkoder [7] können wir nicht einen Stuhl stellen. Bleibt hin und wieder eine Bank von Gästen leer, so mögen sie geduldet werden.

Wir bedauren es, so unfreundlich mit Theologie und Jurisprudenz verfahren zu müssen. Es liegt aber nicht an uns, sondern an der lauen Welt, die jene nicht mehr achtet, und sich vor dieser fürchtet. Woher das kommt, wissen wir nicht. Die Welt sagt: es käme von ihnen selbst. Jene hätte sich selbst bemüht, sich zu Nichts zu beweisen, und alles auszustreichen, was man Glauben nennt; diese aber hätte, wie jene die Göttlichkeit, so die Menschlichkeit auf die Seite gestellt, doch mit dem Unterschied, daß, während jene den lieben Gott so nackend ausgezogen, daß er gar kein menschliches Ansehen mehr habe, diese den armen Menschen so mit Gesetzen, nehmlich Verboten und Erlaubnissen behangen hätte, daß er zur Stehaufpuppe geworden. – So lange noch solcher Leumund im Volk, wagen wir es nicht, Theologie und Jurisprudenz weder zu vertheidigen noch zu steinigen. Auch würden wir keines von beiden verstehen.

b. Was nun die Beurtheilungen betrifft, so müssen sie sich auch vorzüglich auf obige Gegenstände einschränken.

1) Wer schon ein selbstständiges Buch geschrieben hat, kann Recensionen beliebig einsenden.
2) Es kann jedes Buch beurtheilt werden, wann es auch erschienen seyn mag. Ob vor Jahrhunderten oder gestern. – So Kunstwerke, Arbeiten, Unternehmungen.
3) Die Größe der Recension muß natürlich mit dem Buch in einem Verhältniß stehen. Ein Alphabet soll nicht leicht zwei Seiten bekommen.
4) Eine Antikritik darf aber nicht über eine Spalte betragen. Will jedoch ein Schriftsteller eine Entwickelung seines ganzen Systems im Buche geben, so daß sie als eine Recension zu betrachten ist, so gilt sie für solche.
5) Ueberhaupt versteht es sich aber von selbst, daß bei einer solchen Einrichtung der Herausgeber freie Hand haben muß, wegzulassen, und alles was in dieses Blatt kommt, ihm passend zu machen.
6) Jedem Recensenten steht es frei, sich zu nennen.
7) Jede Recension, der der Namen fehlt, muß mit einem willkürlichen Zeichen, das ein Jahr lang dasselbe bleibt, geschlossen seyn.

c. Unter Anzeigen verstehen wir 1) kurze Nachrichten von neuen Entdeckungen, von Merkwürdigkeiten, von Reisenden, Berichtigungen.

2) Buch- und Naturalienhandel. Hergehörige Anzeigen von Buchhändlern werden auch frei aufgenommen, jedoch nicht mehr als der Titel.
3) Vorleskataloge von Universitäten.
4) Arbeiten gelehrter Gesellschaften, auch einzeler Menschen. Preisaufgaben, Anfragen, Antworten.
5) Leben und Weben der Gelehrten und Künstler.
6) Innhaltsanzeigen ausländischer Zeitschriften, Büchter etc., damit man sehe, was da und dort im Schwang ist.

Jeder Band bekommt ein Register.

Ziemlich jeden Monat wird eine Kupfertafel geliefert, welche naturhistorische, technologische, ökonomische, geographische, archäologische und Kunstgegenstände enthalten wird.

Von jedem Aufsatz muß der Verf. dem Herausgeber genannt werden. Dagegen wird kein Namen genannt, außer in Folge eines regelmäßig geführten, und durch freirichterlichen Spruch verlorenen Processes.

Da jeder nach Herzenslust recensieren kann, da jedem durch die Isis Gelegenheit gegeben wird, seine Ideen, Ansichten, Entdeckungen, Bestrebungen, sein Geleistetes vor eine, hoffentlich, ausgebreitete Gemeinde zu bringen, da hier jedem der Weg gebahnt ist, sich in den Gelehrtenstaat einzuführen, jedem das Katheder geöffnet ist, sich nach Trieb hören zu lassen, endlich, da niemand für Einrückgebühren etwas zu bezahlen hat, auch dieses Blatt wohlfeil abgelassen wird; so wird auch keine Arbeit durch eine Verehrung vergolten. Dadurch wollen wir faule und handwerksmäßige Mitarbeiter, besonders Miethrecensenten entfernen. Ein rechter Gelehrter fällt ein Urtheil auch wohl ohne Lohn.

Wir werden nicht selten Arbeiten, Beurtheilungen öffentlich verlangen, auch wohl an Männer, für die wir geeignete finden, vertheilen, um den Geist, den wir dem Blatt zu geben meynen, bälder und deutlicher zu verbreiten.

Wir hoffen, jeder Gelehrte, der seine Wissenschaft aus Liebe, nicht als Hand- und Brodwerk treibt, werde uns seinen Beifall schenken, uns seine Hand und Feder bieten, und die wissenschaftliche Unterhaltung mittels der Isis als des allgemeinen gelehrten Sprachorgans unter uns Deutschen befördern.

Dieses wäre, was wir bis jetzt glauben, anordnen zu müssen. Wer dem Unternehmen einiges Nachdenken schenkt, wird bei andern Kenntnissen und Weltansichten wohl manches finden, was noch eingetragen werden sollte. Er wird uns seinen Rath nicht vorenthalten, und wir werden den Plan von Zeit zu Zeit erweitert oder verengert mittheilen.

Wer etwas einzuschicken hat, der sende es an
die Herausgabe der Isis zu Jena.
Oken.

Von der Isis erscheinen in einem Jahrgang 4 Alphabete in 12 Heften mit etwa einem Dutzend Kupfertafeln, beides in Quart, und kosten nicht mehr als 6 Thlr. sächs. oder 10 fl. 48 Kr. rh. Sie ist durch alle deutsche Buchhandlungen in und außer Deutschland, und durch die Postämter zu beziehen. Erstere wenden sich an die „Expedition der Isis in Jena“ die sich zu dem Ende mit allen deutschen Buchhandlungen auf die gewöhnliche Weise über Leipzig in Verbindung setzt, und hier Herrn W. Engelmann zu ihrem Commissionär gewählt hat. Die ersten drei Monatshefte werden im Wege des Buchhandels à Condition, und zwar zu je 4 Stück versandt werden. Durch die Posten kann man sie aber immer wöchentlich erhalten. Dazu haben die Haupt-Expedition die großherzl. Weim. Postämter in Jena und die königl. Sächs. Zeitungs-Expedition in Leipzig übernommen, an welche alle andere löbl. Postämter sich also direct oder indirect zu wenden haben. Auf diesem Wege kommen die Blätter etwas theurer. Man kann nur auf einen ganzen Jahrgang Bestellung machen und ist die Zahlung für diesen ganzen Jahrgang immer ungetheilt in oder zur Zeit der Leipziger Oster-Messe zu leisten. Beiträge können auch im Wege des Buchhandels über Leipzig befördert werden an die
Expedition der Isis
in Jena.

[9]
Zur Empfehlung des Herausgebers.
Erste Parthei.
Okens Lehrbuch der Naturgeschichte, 8. Mineralogischer Theil 1813, S. 519 und XVI mit 18 Kupfertfln in 4. (Preis 2 Thlr. 20 gr.), Zoologischer Theil 1815 u. 16, S. 850, XVIII, XXVIII, und 1270, XVI mit 40 Ktfln in 4. (Preis 6 Thlr). (Recensiert vom Verfasser).

Rec. hat nicht ohne Aerger vorliegendes Buch durchzublättern angefangen, indem er in seiner Hoffnung, eine Vorrede zu finden, durch die er des Lesens des Buches hätte überhoben seyn können, betrogen war. Gern hätte er das Buch wieder an das Recensier-Institut zurückgeschickt: allein er hatte es einmal im Hause, und beim ersten Aufschlagen des Conspectus, den der Vfr Rahmen nennt, erblickte er, daß der ganze Plan des Buchs dem Rec. wie aus der Seele geschnitten war. Nun las er, und je mehr er las, desto mehr fand er sich selbst, und mithin kann Rec. nach seiner vollkommensten Ueberzeugung versichern, daß es das vortrefflichste, geist- und sachreichste, wahreste und brauchbarste Buch sey, welches, seit Rec. Bücher liest, der Menschheit zum Geschenk oder fast zum Geschenk gemacht worden. Mit dieser Ueberzeugung setzte er noch einmal vorn an, um es zu studieren und durchzudenken, und nun [10] kann er versichern, daß ihm noch kein Buch so viele Freude gemacht hat, wie diese Naturgeschichte. Er sagt nicht zuviel, wenn er bekennt, daß darinn sein Innerstes nach Außen gekehrt, zur Schau gelegt ist. Mithin kann er das Buch nicht genug loben, es ist über sein Lob erhaben; nur empfehlen will er es, und versichern, daß das Lesen desselben Niemanden gereuen, und Manchem als ein köstliches Morgenbrod dienen kann. Wenn der Vfr, der unsere ganze Zuneigung hat, so fortfährt, wie er sich hier gezeigt, und sich immer mehr und mehr bestrebt, sich nach den Mahnungen der Recensenten zu richten, und so wie Rec. oben angedeutet hat und noch bestimmter aussprechen wird (denn das Buch hat auch seine Fehler), zu denken, zu arbeiten und zu schreiben, so kann die Welt noch manches von ihm erwarten. Wir werden dann nicht ermangeln, den Vfr durch unser Lob aufzumuntern, und ihn in der Welt bekannter zu machen. [11] Damit aber jedermann das Vergnügen schon einigermaßen zum Voraus schmecke, welches der Rec. empfunden, und damit man ihm Gerechtigkeit wiederfahren lasse, wenn er dieses Geisteswerk über alle in seiner Art erschienenen setzt und preist, und wenn er deßhalb dem Vfr. recht gut ist und ihm allen möglichen Beifall und Absatz wünscht; so stehe hier zur Aufmunterung des Vfrs, zur Freude seiner Freunde, zum Schrecken seiner Feinde einsweilen der Plan dieser Naturgeschichte.

Der Vfr geht von dem einfältigen Satz aus: „die Wirkung muß durch ihre Ursachen bestimmt werden, und es kann in der Wirkung nichts seyn, was nicht in den Ursachen gelegen, kurz: das Kind kann nicht anders seyn als die Eltern.“

Wenn wir nun wüßten, welches die Eltern der Natur gewesen, so müßten wir daraus alle Erzeugnisse, welche sich nach und nach entwickelt haben, ableiten, und selbe beschreiben können. So könnte z. B., wenn anfänglich nichts als Salzsäure und Sode im Weltraum gewesen wäre, offenbar nichts anders entstehen, als entweder ein Neutralsalz, oder eines von jenen beiden müßte rein bleiben. Die Welt würde demnach aus dreierlei Körpern zusammengesetzt seyn.

I. Nun nimmt der Vfr als Lehnsatz aus seiner Naturphilosophie herüber: daß das Erste in der Natur die vier Elemente seyen,

Erde, Wasser, Luft, Feuer.

II. Wenn sich mithin das Erdige verändern soll, so kann es nur geschehen, wenn entweder Wasser, oder Luft, oder Feuer auf es wirken, und ihm von ihren Eigenschaften mittheilen. Nun besteht aber die Haupteigenschaft des Wassers in der Auflösung oder Flüssigkeit, der Luft im Verbrennen, des Feuers im Schmelzen und Färben. Das durch das Wasser veränderte Erdige muß mithin im Wasser auflöslich, das[WS 2] durch die Luft veränderte muß in der Luft verbrennlich, das durch das Feuer veränderte muß in der Hitze schmelzbar, im Lichte färbbar seyn.

Der möglich verschiedenen Zustände des Erdigen wären demnach nicht mehr und nicht weniger als vier, und zwar wären diese Vier durch die vier Elemente bestimmt. Wenn man das Verschieden-Erdige Mineralien nennt, so kann es nur 4 Mineralklassen geben:

I. Erdmineralien . . .  Erden
II. Wassermineralien . . .  Salze
III. Luftmineralien . . .  Brenze
IV. Feuermineralien . . .  Erze

[12] Erdmineralien können nur solche seyn, welche weder durch Feuer, noch Luft, noch Wasser veränderbar sind. Solche Eigenschaften besitzen nur die eigentlichen Erdarten.

Wassermineralien sind die Auflöslichen, also Salze.

Luftmineralien sind die Verbrennlichen, also Inflammabilia, Brenze.

Schmelzbar und bei der Verkalchung färbbar sind nur die Metalle, Erze.

Dieses wären die Klassen: nun zu den Ordnungen.

Wenn bei den Klassen das zunächst Vorhergehende die Eintheilung machte, so werden die Klassen sie bei den Ordnungen machen. Die Erden werden mithin verändert werden entweder durch Salz, Brenz oder Metall. Mithin kann es nur viererlei Erden geben, als:

1. Erderden . . .  Kiese
2. Salzerden . . .  Thone
s. Brenzerden . . .  Talke
4. Erzerden . . .  Kalke.

Kiesel ist selbst durch Säuren unveränderbar, Thon saugt das Wasser ein und läßt sich kneten, Talk ist fetticht und blätterig, Kalk verändert sich im Feuer wie Metallkalche.

So theilen sich auch die Salze ein in:

1. Erdsalze . . .  Alaune
2. Salzsalze . . .  Nitern
3. Brenzsalze . . .  Säuren
4. Erzsalze . . .  Vitriole.

Von Brenzen und Erzen gilt dasselbe.

Diesen systematischen Gang hat der Vfr bis zu den Genera durchgeführt. Es bedarf mithin keines Gedächtnisses mehr, die Mineralien zu behalten. Jeder, der nur den Schlüssel besitzt, kann sich das System in jedem Augenblick selbst schaffen.

III. Die Pflanzen haben nun vor sich Elemente und Mineralien. Beide wirken auf sie und verändern sie, daß es also geben muß:

I. Elementenpflanzen . . .  Acotyledonen
II. Mineralpflanzen . . .  Monocotyledonen
III. Pflanzenpflanzen . . .  Dicotyledonen

Die Gründe für die Einstellung dieser Pflanzenabtheilungen können wir hier nicht mehr entwickeln. Das Zusammentreffen in der Dreizahl ist schon einer der wichtigsten Gründe für die Richtigkeit, und gewiß auffallend.

Die Pflanzenpflanzen können nun nicht mehr nach fremden Einwirkungen bestimmt, sondern müssen [13] aus den Baustuffen der Pflanze selbst entwickelt werden. Der Vfr zeigt nun, daß die Pflanze in sieben solcher Stockwerke aufgeführt sey, und zwar zuerst zerfällt sie in zwei Haupttheile:

a. Stock
b. Blühte.

Der Stock theilt sich nach den drei irdischen Elementen in drei Organe:

1. Erdstock . . .  Wurzel
2. Wasserstock . . .  Stengel
3. Luftstock . . .  Blatt.

Die Blühte ist die Feuerpflanze.

Die Haupteintheilungen der Pflanzen auf botanische Weise ist mithin auch dreifach, und diese Glieder entsprechen der Natureintheilung, so:

I. Elementenpfl., . . . Wurzelpfl., . . Acotyledonen
II. Mineralpfl., . . . Stengelpfl., . . Monocotyl.
III. Pflanzenpfl., . . . Blattpfl., . . Dicotyled.

Nun ist nach dem Vfr die Blühte eine vollständige Wiederholung des Stocks, so:

1. Wurzelblühte, . . .  Samen
2. Stengelblühte, . . .  Kapsel
3. Blattblühte, . . .  Blume

Bleiben alle drei beisammen, und verwachsen in einen Leib, so entsteht die Frucht. Demnach entstehen nach den sieben Organen der Pflanze auch sieben Klassen, denen der Vfr auf folgende Art die Pflanzen zutheilt:

I. Wurzelpfl., . . .  Acotyledonen
II. Stengelpfl., . . .  Monocotyledonen
III. Laubpfl., . . .  Apetalen
IV. Samenpfl., . . .  Nacktsamige
V. Kapselpfl., . . .  Bedeckts. mit Röhrenblume
VI. Blumenpfl., . . .  Vielblätterige ohne Frucht
VII. Fruchtpfl., . . .  Vielblätterige mit Frucht.

Der botanische Theil dieser Naturgeschichte ist noch nicht erschienen.

IV. Die Thiere haben nun vor sich Elemente, Mineralien und Pflanzen. Dieses Reich zerfällt mithin sogleich in vier große Länder, denen wir sogleich die Thiere beisetzen, wie sie der Vfr eingeordnet hat.

I. Elemententhiere . . .  Infusorien
II. Mineralthiere . . .  Korallen
III. Pflanzenthiere . . .  Zoophyten
IV. Thierthiere . . .  Alle übrigen.

Die Thierthiere sind mithin wieder bloß zoologisch zu bestimmen. Wie bei den Pflanzen, so ordnet der Vfr auch die Thiere nach den Hauptsystemen des thierischen Leibes, so daß das ganze Thierreich zusammen alle Organe eines, des höchsten Thiers darstellt.

[14] Die Hauptsysteme des Thiers und ihre Stuffenfolge hat der Vfr in seinem Lehrbuch der Naturphilosophie entwickelt. Als Resultat ergab sich folgende Zahl und Anordnung.

a. Geschlechtstheile.
1. Geschlechtssystem
b. Eingeweide.
2. Gefäßsystem
3. Darmsystem
4. Lungensystem
c. Leib.
5. Fleischsystem
6. Knochensystem
7. Nervensystem.

Das Geschlechtssystem zerfällt in drei: männliches, Samen, weibliches, Eier, und kindliches, Keim. Die Anordnung der Thiere und der Parallelismus mit der Naturordnung sind demnach diese:

A. Geschlechtsthiere, (Polypen) . . . Klasse I.
 1. Samenthiere, Elementth., Infusorien
 2. Eierthiere, Mineralth., Korallen
 3. Keimthiere, Pflanzenth., Zoophyten
4. Thierthiere,
B. Eingeweidthiere
 1. Gefäßthiere, . . . Quallen – Kl. II.
 2. Darmthiere, . . . Schnecken – Kl. III.
 3. Lungenthiere, . . . Insecten – Kl. IV.
C. Leibthiere
 1. Fleischthiere, . . . Fische – Kl. V.
 2. Knochenthiere, . . . Amphibien – Kl. VI.
 3. Nerventhiere
 a. Ohrthiere, . . . Vögel – Kl. VII.
 b. Augenthiere, . . . Säugthiere – Kl. VIII.

1) Die Elemententhiere sind die Grundlage des Thierreichs, aus der sich alle Thiere entwickeln. Sie sind wieder in vier Abtheilungen gebracht nach den vier Elementen, und theils als die Genera von O. Müller[WS 3], dem Schöpfer dieser Abtheilung, theils als neue aufgeführt. Erdinfusorien sind die Mund- und Wimperlosen, wie Monaden, Cercarien, Vibrionen; Wasserinfusorien sind die Mundlosen aber Gewimperten, wie Räderthiere, Trichoden; Luftinf. sind die mit Mund ohne Fangarme, wie Vorticellen; Lichtinf. endlich sind die, welche noch Fangarme hinzubringen, wie die Polypen.

2) Die Mineralthiere zerfallen nach dem Mineralreich ebenfalls in 4 Sippschaften, in Erdkorallen, Milleporen; Salzkorallen, Matreporen; Brenzkorallen, Celleporen; [15] Erzkorallen, Isiden, welche durch ihre schöne Färbung an Zinnober, Mennige erinnern.

3) Die Pflanzenthiere wurden schon von jeher für solche erkannt. Man nannte sie Zoophyten; ein Pflanzenstamm, dessen Blühten sich willkürlich bewegen, Thiere werden.

Sie haben sich wieder nach den vier Hauptländern der Pflanzen geformt. Wurzelzoophyten sind die Schwämme, thierische Pilze; Stengelzoophyten sind die Sertularien oder Korallinen; als Laubzooph. werden die Gorgonien, und als Blühtenzooph. die Seefedern hingestellt, deren Charaktere auffallend mit denen solcher Pflanzenabtheilungen übereinstimmen.

Da diese drei Thierordungen durch nichtthierische Reiche bestimmt werden, und zum Theil noch aus Pflanzenstoffen, Mineralien und Elementen bestehen, so nennt sie der Vfr Halbthiere.

Die vollkommenen Thiere sind nicht mehr an Elemente oder an einen Stamm gefesselt, sondern sind frei. Die niedersten sind ohne Zweifel die Medusen, welche kaum ein anderes Organ zeigen, als eine Menge feiner Röhren, die den gallertartigen Leib, der Wiederholung des Infusorienleibes im Großen ist, durchziehen, so daß der ganze Leib einen Haufen von Gefäßen darstellt: darum Gefäßthiere. Die Eingeweidwürmer stimmen in vieler Hinsicht mit den Quallen überein, und doch auch wieder mit den Rothwürmern, welche wohl entschieden zu den Insecten gehören, daß der Vfr es vor der Hand in Zweifel gelassen hat, wohin sie kommen sollen. Deßhalb hat er sie an mehreren Orten angedeutet. Mit den Medusen haben sie Aehnlichkeit in der weißen, gallertartigen Substanz, im Mangel eines besonderen Nervensystems, in der oftigen Vielzahl der Münde, auch nicht selten in Leibesröhren (wie Fasciola): dagegen mit den Rothwürmern in der Gestalt, dem oft geringelten Leib, dem Darm und den Geschlechtstheilen. Auch weichen sie in ihrem Bau so sehr von einander ab, daß der Vfr sich nicht gescheut hat zu vermuthen, sie gehörten vielleicht zu mehreren Ordnungen. Einige sind wahre Infusionsthierchen, andere Quallen, andere Würmer, andere mahnen an Insectenlarven.

4) Die Quallen sind natürlich nach den Stuffen des Gefäßsystems verschieden. Da diese aber dem Vfr noch nicht klar sind, so hat er jene, der Aehnlichkeit nach, auch in vier Abtheilungen gebracht.

[16] 1) Eingeweidwürmer, 2) Scheibenquallen, 3) Walzenquallen, 4) Krustenquallen, Seesterne, Holothurien, die sich auffallend durch die Leibesröhren zu den Quallen gesellen.

5) Darmthiere sind die Muscheln und Schnecken, bei denen man die Leber als Charakter-Organ ansehen kann. Sie ist vorher noch nicht da gewesen, und hier voluminos entwickelt. Darm, Geschlechtstheile, Nerven- und Gefäßsystem sind nun bleibende (auch bei Insecten) Organe. Die Organisation steigt herauf, indem sie ein neues System nach dem andern in sich individualisiert. Auch das Eintheilungsprincip dieser Thiere nach den Stuffen des Darmsystems anzugeben, ist schwierig. Daher ist der Vfr wieder bei der Analogie stehen geblieben, und hat sie in vier getheilt, nehmlich die Muscheln in zwei und die Schnecken in zwei. Jene in Arm- und Kienenblatt-Muscheln, diese in Sohlen- und Ruder-Schnecken, dort Terebratulen und Austern, hier Wegschnecken und Sepien nebst Clionen Beispiele.

Die Muscheln sind nach ganz neuen Kennzeichen unterschieden, da die Schloßzähne unzureichend und völlig uncharakteristisch sind. Nicht bloß die Muskeleindrücke in den Schalen, sondern die Furchen vom Mantel und den Athemröhren geben das Unterscheidende. So kann man aus der Ansicht der Schale die Organe des Thiers erschließen. Mit der bloßen Schale ist uns nun das Thier gegeben.

6) Die Insecten als Wiederholungen des Pflanzenreichs sind nichts als Luft- und zwar Spiralröhren, oder Lungen, und theilen sich wie die Pflanzen in sieben Ordnungen. Mehr und weniger sind hier nicht möglich, so entschieden ist hier das Nachbild.

1. Wurzelinsecten, . . .  Würmer
2. Stengelinsecten, . . .  Aptera
3. Laubinsecten, . . .  Hemiptera
4. Sameninsecten, . . .  Diptera
5. Kapselinsecten, . . .  Hymenoptera
6. Blumeninsecten, . . .  Lepidoptera
7. Fruchtinsecten, . . .  Coleoptera.

Die drei ersten Ordnungen sind ohne Metamorphose, und die Metamorphose der vier letzten ist nichts anders als der Durchgang durch die drei ersten. Die Raupe oder Larve ist der Wurm, die Puppe die Assel, das vollendete Insect die Wanze oder Heuschrecke. So ist die Metamorphose nur die Entwickelungsreihe der niedern Ordnungen.

[17]
Zur Empfehlung des Herausgebers.

Nun alle Eingeweide im Thierreich dargestellt sind, legt sich der Leib um sie, der bloß reinthierischen Zwecken dient, der Bewegung und Empfindung, nicht mehr der Stoffbildung wie bisher.

Da der thierischen Systeme auch drei sind, wie der vegetativen, und sich beide entsprechen, der Knochen dem Darm, das Fleisch der Lunge, der Nerv dem Gefäß, jene beiden sich aber als Bewegungssystem verbinden; so bricht zunächst das thierische Nervensystem als Rückenmark hervor mit verkümmerten Knochen und Fleisch in den Fischen: diese beiden kommen zur Vollendung in den Amphibien, und erreichen ihren Gipfel als offenes Ohr im Vogel, das Nervensystem als Auge im Säugthier. So ist jede Thierklasse Darstellung eines Systems oder Organs, welches zu den frühern hinzukommt.

Fische, Amphibien und Säugthiere sind in vier Ordnungen getheilt, bestimmt durch die Vierzahl dieser Klassen; die Vögel in sieben, weil sie die Insecten wiederholen.

7) Ein Hauptcharakter der Fische besteht in den verschlossenen hintern Nasenlöchern, der Vögel, in den offenen Ohren.

Die Ordnungen der Fische sind: 1) die Aalförmigen, 2) die Nackten, 3) die Beschuppten, 4) die Knorpelfische. Sie gründen sich auf die Zahl und den Charakter der vier obern Klassen.

8) Die der Amphibien sind: Frösche, Schlangen, Eidechsen, Schildkröten: oder Fisch-, Amphibien-, Vogel-, Säugthier-Amphibien.

9) Die der Vögel: Finken, Raben, Spechte, Schwimmvögel, Sumpfvögel, Hühner, Strauße.

[18] 10) Die der Säugthiere: Hufthiere, Nager, Klauenthiere, Handth., entsprechend den Fischen, Amphibien, Vögeln und Säugthieren.

Jede dieser Ordnungen ist in 4 Sippschaften getheilt, der Klauenthiere in 7, weil sie den Vögeln entsprechen.

Nach dieser Grundlage führt der Vfr das System bis in die Genera herunter, deren in jeder Sippschaft 4 sind. Es sind alle Thier-Genera aufgeführt, bei den Säugthieren auch alle Thier-Species, bei den übrigen Klassen alle wichtigen Thiere, welche besonderen Einfluß auf die Haushaltung oder auf die Wissenschaft haben. Von jedem aufgeführten Thier ist seine Lebensart, Fortpflanzungsart, Aufenthalt, kurz alles angegeben, was nur in irgend einem Buch darüber geschrieben worden ist. Dadurch ist der zoologische Theil freilich etwas stark geworden (er hält 6 Alphabete nebst 40 Kupfertafeln in Quart, und kostet doch nur 6 Thlr.); allein dennoch wäre es nicht möglich gewesen, so viele Tausend Gegenstände so aufzuführen, daß nichts von ihnen weggelassen worden, wenn der Vfr nicht durch eine lakonische Schreibart, durch Hinweglassung aller Uebergänge, Betrachtungen, Citate und durch einen engen Druck solche Raumersparniß und Wohlfeilheit zu erreichen getrachtet hätte. Jedes Säugthier ist kritisch behandelt, und aus den Quellen aufgestellt. Manche Arten nehmen mehrere Seiten ein, so daß die Beschreibung z. B. von Panther, Elephant, Beutelth., Ichneumon, Stinkth., Schuppenth., Flederm., Biber, Hamster, Antilopen, Kameel, Manati, Walfisch, Biene u. s. w. als Monographieen betrachtet werden können.

[19] Das Buch hat auch seine Fehler. Manche Thiersippschaften, selbst Zünfte und Ordnungen stehen noch nicht am rechten Platz; dieses gilt besonders von den Eingeweidwürmern, den Terebratulen, Lernäen und Blattwespen. Die Anordnung auf den Kupfertafeln stimmt nicht immer mit der des Textes überein, weil die Tafeln lange vor dem Text fertig waren. In der Terminologie, wozu der Vfr lauter Wurzeln mit großer Mühe aus Idiotiken, Glossarien und Nemnichs Polyglottenlexicon gesammelt hat, steht noch manches Wort, das theils übel klingt, theils unrichtig angewandt ist. Das muß die Zeit feilen.

Diese Naturgeschichte ist mithin jetzt die einzige, worinn alle Entdeckungen, welche seit Gmelins[WS 4] Ausgabe des Systema Naturae Linnei gemacht worden, enthalten sind, worinn alle neue Thier-Genera, welche bis jetzt von Deutschen, Franzosen, Engländern, Italiänern, Schweden und Spaniern aufgestellt worden, aufgenommen und eingereiht sind, worinn viele Genera und noch mehr Species, welche in einer Menge Reisen, Tag- und Gesellschaftsschriften verborgen und vergessen lagen, ausgegraben und zum Leben gerufen worden. Ueberhaupt sind Hundert und Tausend Irrthümer, Vergessenheiten, Nachlässigkeiten, Verkehrtheiten von des Vfrs Vorgängern, verbessert, ohne daß es auch nur einmal bemerkt worden wäre, theils aus Schonung, theils um Raum zu sparen, weil, wäre es einmal geschehen, es durch das ganze Buch hätte geschehen müssen, wodurch es wohl noch um ein Alphabeth hätte größer werden können, besonders wenn noch die Abbildungen so vortretend citiert worden wären, wie es in so vielen leeren Lehrbüchern der Naturgeschichte geschah, worinn die Citate den Text übermannen. Darum begreifen wir den Vfr nicht recht, warum er sich nicht die Ehre angethan, alles dieses in einer gutgeschriebenen Vorrede Beispielfolgend zu rühmen: es müßte denn auch aus Raumersparniß oder aus Achtung der Leser geschehen seyn, von denen der Vfr die gute Meynung zu hegen [20] scheint, daß sie den Geist und die Arbeit eines Werks aus dem Werk selbst herauszufinden lieben werden.

Ueber das Einzelne zu reden gestattet hier nicht der Raum, da die zweite Parthei hereindrängt, um das Gegenstück zu liefern. Wenn diese abgefertiget ist so hoffen wir, es werde jemand anders diesen Gegenstand noch einmal vornehmen, um ihm andere Seiten abzugewinnen, nach denen er gelobt werden kann. Besonders wünschten wir, daß die Behandlung der einzelnen Genera und Species vorgenommen und ins Licht gestellt würde, was der Vfr aus der Erfahrungswelt, als in welcher er nicht daheim seyn soll, zusammen gebracht haben mag, damit der Werth des Werks unabhängig vom System hervortrete. Eine Kritik von des Vfrs neuer Terminologie, durch die er lauter deutsche Wurzelnamen einzuführen gedenkt, würden wir gern von Buttmann vernehmen. Die Anerkennung des eigentlich naturhistorischen Charakters und der Brauchbarkeit dieses Systems für die Naturforscher, welchen besonders Naturgeschichte zu lehren beschieden ist, muß erst von der Zeit erwartet werden, welche allein vermögend ist, alte Gewohnheiten zu tilgen, und das Gemüth für neue Einrichtungen zu öffnen.

Nur müssen wir hinzusetzen, daß bei dem mineralogischen Theil alle Krystallformen abgebildet sind, welche in Haüys Mineralogie vorkommen, welche er, Bernhardi und andere seit der Zeit in den Annales du Museum und in Schweiggers Journal[WS 5] der Chemie bekannt gemacht haben, daß bei der Zoologie alle Genera und zwar in Fächern, welche die natürliche Anordnung geometrisch vor Augen bringen, abgebildet sind. Kunstwerth ist dabei nicht beabsichtiget, sondern bloß daß System und Wohlfeilheit, vorzüglich, damit Studierende in Stand gesetzt werden, dieses Buch, daß ein Kodex der Naturgeschichte ist doch als Lehrbuch sich anzuschaffen.

Um der Unpartheilichkeit willen, vernehme nun der lustige Leser auch das andere Lob.


Zweite Parthei.

(An Prof. Oken)

* * 1812.

In diesem Augenblick erhalte ich die Einlage und unterlasse nicht, sie Ihnen sogleich mitzutheilen. – Lesen Sie und urtheilen Sie. – Ueber diese Gemeinheit kann ich nichts sagen. – Wollen Sie von diesem Briefe auf irgend eine Weise Gebrauch machen: so thun Sie es. – Ich gebe Ihnen … Preis, und * * * wird nicht unwillig darüber seyn, wenn solche B… gezüchtiget werden. –

Ihr Freund * *

[20]

(An Schreiber des Vorigen.)

(Mecklenburg) 1812.

– Unsinn, du siegst und ich muß untergehn!
Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens –
Verflucht sey, wer sein Leben an das Große
Und Würdige wendet, und bedachte Plane
Mit weisem Geist entwirft. Dem Narren-König
Gehört die Welt –

Was diese Einleitung will, werden Sie vermuthen; die Gemeinheit, die albernste Dummheit der Rostocker Professoren hat sich empört; sie haben sich fast [21] in corpore, besonders die medicinische Facultät gegen die Einführung des einzigen Mannes, der die dicke Finsterniß, welche über unserm Vaterlande liegt, aufhellen könnte, aufgelehnt. Ich lege Ihnen darüber zwey merkwürdige Actenstücke bei 1) sub Litt. A. die Erklärung der medicinischen Facultät an Rector und Concilium, 2) sub Litt. B. den Bericht von Rector und Concilium an die Regierung in so ferne er Oken betrifft.

Litt. A.

„Auf die (sic) von reverendo Concilio uns mitgetheilten Befehl (sic) der Hohen Herzogl. Regierung fügen wir zu den bereits gemachten Vorschlägen zur Wiederbesetzung der in unserer Facultät erledigten Stelle noch den Hn Hofrath und Professor Oken in Jena, nebst unserer gutachtlichen Meinung über diesen Gelehrten hinzu. Herr Hofrath und Professor Oken ist Verfasser von folgenden Schriften:

a) Uebersicht des Grundrisses des Systems der Naturfilosofie und der damit entstehenden Theorie der Sinne. Frkfrt. a. M. 1802. 8.
b) Die Zeugung. Bamberg 1805. 8.
c) Abriß des Systems der Biologie, zum Gebrauch seiner Vorlesungen. Gött. 1805. 8.
d) Dessen und Doct. Kiesers Beyträge zur vergleichenden Zoologie, Anat. u. Physiol. 3 Hefte. Bamberg 1806–1808. 8. (Das dritte Heft war und blieb bisher nur angekündiget! Uebrigens ist diese Schrift in Quart).
e) Ueber die Bedeutung der Schädelknochen. Bamberg 1808. 4.
f) Ueber das Universum als Fortsetzung der Sinnorgane. Jena 1808. 8. (Ist in Quart, und hat einen andern Titel).
g) Lehrbuch des Systems der Naturphilosophie 3 B. Jena 1809–1811. 8. (So stand es im Meßkatalog, der Titel ist aber: Lehrbuch der Naturphilosophie.)
h) Preisschrift über die Entstehung und Heilung der Nabelbrüche M. K. Landshut 1810. 8.
i) Lehrbuch der Naturgeschichte 1. Th. systemat. Th. M. K. Leipzig 1811. 8. (Stand nur im Meßkatalog, und ist erst 2 Jahre nachher erschienen).
k) Außerdem noch mehrere Programme, die er Ferienschriften nennt, und welche folgenden Titel haben. „Ueber Licht und Wärme als das nicht irdische aber kosmische materiale Element.“ – „Ueber den Werth der Naturgeschichte, besonders für die Bildung der Deutschen.“ – Grundzeichnung des natürlichen Systems der Erze u. s. w. (Keine weiter).

[22] Wir glauben nicht, das sich dieser Mann für die Fächer schickt, welche unser unvergeßliche College Link mit so vielem Beifalle und Erfolge gelehrt hat, da er von einem Geiste beseelt ist, der sich in den übersinnlichen Sphären einer Philosophie herumtreibt, über deren Verhältnisse zu den von ihm zu lehrenden Wissenschaften, Herr Hofrath Link in einigen meisterhaften Schriften ein so treffendes als allgemein gebilligtes Urtheil gefällt hat.

Wir sind weit entfernt, der Naturphilosophie, in dem reinen und wahren Sinn des Wortes, ihren hohen Werth streitig zu machen, so wenig wir die Talente, die anderweitigen Verdienste und den originellen Scharfsinn des Herrn Oken verkennen. Allein eben so sehr sind wir von der entschiedenen Wichtigkeit der Nachtheile überzeugt, welche jene Philosophie über fast alles Wissen, wodurch auf Universitäten brauchbare Geschäftsmänner für die Welt gebildet werden sollen, verbreitet. Sie verwirrt und verschraubt die jungen Köpfe, und verleitet sie bei den gemeinsten Wahrheiten zu den verkehrtesten Begriffen.

Zumahl verträgt sich diese sublime, zum großen Theil in pomphaften, unverständlichen Worten und Phrasen bestehende Weisheit nicht mit der Physik, Chemie und Arzeneiwissenschaft, überhaupt mit keiner Erfahrungswissenschaft. Es haben sich daher auch längst Naturforscher und Aerzte vom ersten Range mit allen Kräften dagegen aufgelehnt, und die Einmischung jener Philosophie in diese Fächer ernstlich abzuwehren gesucht.

Es ist der Ort hier nicht, dieß genauer und umständlicher aus ein ander zu setzen. Reverendo Concilio gehen wir anheim, aus der beigebrachten, kurzen Schrift (Uebersicht u. s. w., welche O. als Student geschrieben hatte) selbst zu beurtheilen, ob es rathsam und zu wünschen sey, daß unsere Universität einen Lehrer der Physik, Naturgeschichte u. s. w. von diesem Gepräge besitze. Chemie und Pharmaceutik gehören vollends nicht zu seinem Ressort.

Herr Professor Oken kann also auf keine Weise die Stelle des Herrn Professors Link ersetzen; welches überhaupt, ohne zwey wohl passende Männer dazu zu wählen, schwerlich zu erreichen seyn wird.“

Rostock, den 5. Decb. 1811.

Decanus, Senior und übrige Mitglieder der medicinischen Facultät.
Samuel Gottlieb Vogel.
Wilhelm Josephi.
G. H. Masius.
C. E. Th. Brandenburg.
[23]
Litt. B.

„5) Endlich haben wir noch zur Befolgung des Rescripts vom 26sten v. M. über den Hofrath Oken in Jena gutachtlich zu berichten. Wir haben kein Bedenken gehabt, ihn in unserm Vorschlage sogleich zu übergehen. Wir kennen diesen Gelehrten in seinen Local-Verhältnissen nicht, müssen auch gestehen, daß wir seine zur Lectüre nicht einladenden Schriften, nicht vollständig kennen. Aber aus Journalen und gelehrten Zeitungen ist uns hinlänglich bekannt, daß er zu den sogenannten[WS 6] Naturphilosophen gehört, welche die Naturwissenschaften nicht sowohl aus Beobachtungen, Erfahrungen und Versuchen ableiten, als vielmehr nach vermeinten höhern Ansichten und unerwiesenen Hypothesen in ein willkührliches System bringen wollen, dabey aber sich einer so unverständigen Sprache bedienen, daß ihr Vortrag immer im Kreise dunkler Ideen umherfährt. Der Hofrath Oken hat sich in seinen Streitigkeiten überdem als einen heftigen, die gehörigen Gränzen nicht beobachtenden Mann [24] gezeigt. Um indeß nicht unsere Meinung allein hiebey grundläglich zu machen, haben wir auch ein Erachten der medicinischen Facultät über diesen Mann veranlasset, daß wir mit einer dazu gehörigen Druckschrift sub E. abschriftlich zur Anlage machen.

Wir hoffen hiedurch alles dargestellt zu haben, was wir, nach unsern Kentnissen der in Anrege gekommenen Personen, an Hand zu geben uns vermögend finden. Wir bekennen uns zugleich in tiefster Ehrfurcht

Ew. Herzoglichen Durchlaucht unterthänigste Prorector und Concilium der Universität hieselbst. C. G. Konopak, als Prorector. O. G. Tychsen, G. Schadelok, J. Chr. Eschenbach, G. Ph. G. Norrmann, G. Lange, J. S. Beck, J. F. Pries, J. G. Huschke, G. F. Wiggers, C. F. Mühlenbruch, A. Th. Hartmann.


Dritte Parthei.

Es bedarf keiner Bemerkung über diese in Form und Materie gleich elenden Productionen. Erklären Sie mir doch wenn Sie es vermögen, woher die immer wiederkehrende Erscheinung, daß die Beschränktheit wie vom Donner geweckt aus ihrer gewohnten Lethargie auffährt, wenn die Vernunft sich ihr nähert, und alle Dummen von Instinkt geleitet einen furchtbaren Bund errichten um den Weisen zu kreutzigen Glauben Sie es mir, diese Elenden von der medicinischen Facultät (denn selbst Vogeln habe ich trotz seines Rufes es erklären müssen, warum ich kurzsichtiger meine Brille beim Lesen abnehme) kennen die Naturphilosophie kaum historisch. Danken sie Gott, daß Sie mit Ihrem wahrhaft poetischen Gemüth nicht unter dieses Gesindel sind versetzt worden.

Auf diese nüchternen Berichte machte unsere Regierung einen noch nüchterneren an den Herzog unmittelbar; [24] worin sie weiter gar keine Meinung äußerte, als daß man unter den Proponirten wohl auf die in Rostock ansäßigen Rücksicht nehmen müsse, weil dadurch die Reisekosten erspart würden . Das Cabinet, oder vielmehr der Cabinetsminister von Plessen wagte es nicht weiter gegen diese Vorstellungen sein Recht geltend zu machen, und mit vielem Bedauern wurde mir darüber die Anzeige gemacht. Die Sache ist: man hätte sich gerne durch die Herberufung eines Mannes, der viel Aufsehn macht (denn nur dies konnte man erkennen, die Sache selbst liegt in einer terra maxime incognita), einen Namen gemacht; gegen die Meinung einer Facultät wagt man es aber nicht eine Meinung oder Willen zu haben, als wenn eine Harmonie je entstünde, wenn man auch Jahre lang eine Heerde Esel zusammentreibt und schreien läßt.

Erhalten Sie Ihre freundschaftlichen Gesinnungen Ihrem aufrichtigsten Freund

N. N.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. a b Vorlage: 1717
  2. Vorlage: daß
  3. Otto Friedrich Müller, dän. Zoologe
  4. Johann Friedrich Gmelin
  5. Journal für Chemie und Physik
  6. Vorlage teilweise unleserlich