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Herzog August von Gotha-Altenburg

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Textdaten
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Autor: Rudolph Günther
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Titel: Herzog August von Gotha-Altenburg
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 215
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[215] Herzog August von Gotha-Altenburg. Den Lesern wird der in Nr. 7. d. Bl. enthaltene Artikel über Herzog August gewiß erinnerlich sein, und ich will hier noch einige Züge aus dessen Leben mittheilen. – Die scharfe und verletzende Bitterkeit seines Witzes möge ein Beispiel beweisen. Nach der Hoftafel pflegte der Herzog eine kleinere Anzahl Gäste auf sein Zimmer rufen zu lassen, wo er mit ihnen den gemeinschaftlichen Kaffee genoß. In diesem auserwählten, engeren Kreise, in dem oft die tollste Laune herrschte, wurde eines Tages über Körperstärke gesprochen, und jeder der Anwesenden wußte Beispiele davon zu erzählen. Endlich begann der Herzog und sagte, er wisse Etwas, was alles Bisherige weit überträfe. „Sie sehen,“ fuhr er fort, „mein geheimer Rath ist äußerlich eine gerade nicht kräftige Figur; dennoch hat er mir mein ganzes Zeughaus in der Tasche [216] nach Paris getragen.“ Alle mußten über diesen beißenden Spott laut lachen, und der Betroffene verließ sofort das Zimmer. August hatte nämlich an Maximilian Joseph von Baiern sein Zeughaus für 180,000 Thlr. verkauft, und eine gleiche Summe verbrauchte der geheime Rath während seines halbjährigen Aufenthaltes als Gotha-Altenburgischer Gesandter in Paris.

Der Hang zur Satire, der mit dem Alter bedeutend zunahm, zeigte sich schon in August’s Jugendjahren. Sein Vater, Herzog Ernst II., der bekanntlich ein sehr genauer, ja geiziger Haushalter war, hatte eine Anzahl mit Geld gefüllter Fässer erhalten, die vor seinem Cabinete standen. Als der Erbprinz nun seinem Vater zur Tafel folgte, und an dem Gelde vorüber kam, klopfte er an eines der Fässer und sprach halblaut für sich: „Seid ruhig, euer Erlöser lebt noch!“ Ernst hatte diese Worte gehört und murrte vor sich hin: „simplex.“ Als nun einige Zeit darauf die Gemahlin des Erbprinzen schwanger wurde, fragte Ernst denselben, welchen Namen er dem Kinde, wenn es ein Sohn wäre, wohl gäbe. „Simplex III.,“ antwortete August. Zur Strafe für diesen Witz erhielt er einige Tage Stubenarrest.

Daß August aber, wenn man ihn mit Ironie angriff, nicht so empfindlich, war, beweist das Folgende. Bei einer Hofmaskerade ging er mit seinem Reisemarschall den Saal entlang und durchwandelte die Reihen der Masken. Unter diesen erkannte er sogleich eine junge Dame, Fräulein Auguste von Z., mit der er sich schon früher manchen Scherz erlaubt hatte, und redete sie mit den Worten aus Schiller’s Wallenstein

 „Was? Der Blitz!
„Das ist ja die Gustel von Blasewitz!“

an. Fräulein von Z., durch diese Anrede nicht in Verlegenheit gebracht, antwortete ihm:

„I freilich; und er ist wohl gar, Mußjö,
„Der lange Peter von Itzehö,
„Der seines Vaters goldne Füchse
„Verjagte,
„Und gen die Büchse
„Die Feder zu vertauschen wagte.“

„Die ist schmählich grob,“ wandte sich August zu seinem Begleiter; „aber grob ist mir doch noch tausendmal lieber, als dumm.“

Sehr groß war seine Gerechtigkeitsliebe und Vorsicht bei der Wahl von Staatsdienern. Ein Fräulein von D., welche mit August auf sehr vertrautem Fuße lebte und sehr viel bei ihm vermochte, hatte ein Kammermädchen, das in einem Liebesverhältnisse zu einem Candidaten stand. Dieser hatte sie versprochen, für ihren Bräutigam beim Herzoge eine gerade erledigte sehr einträgliche Pfarrei zu erbitten. Bei einer günstigen Gelegenheit theilte denn Fräulein von D. ihren Wunsch demselben mit, erhielt aber die wohl unerwartete Antwort: „Emil (unter dieser pseudonymen Bezeichnung schriftstellerte der Herzog) würde Ihnen Ihre Bitte sofort gewähren, August muß aber erst mit seinen Räthen Rücksprache nehmen.“ – Der Candidat, der eine so gute Stelle nicht verdiente, erhielt dieselbe wirklich auch nicht.

Rudolph Günther.