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Heinrich der Finkler wirbt um Mathildis

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Heinrich der Finkler wirbt um Mathildis
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 867
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[840–841]

Heinrich der Finkler wirbt um Mathildis.
Nach einer Originalzeichnung von Ferd. Leeke.

[867] Heinrich der Finkler wirbt um Mathildis. (Zu dem Bilde Seite 840 und 841.) Einer der volkstümlichsten unter den deutschen Herrschern ist Heinrich der Sachse, Herr Heinrich, der, wie die bekannte Ballade singt, am Vogelherde saß, als die Franken kamen, ihm die durch den Tod Konrads erledigte deutsche Königskrone anzubieten. Unser Bild zeigt uns indessen nicht den deutschen König, den Sieger über die Slawen und Ungarn, sondern den jungen Sachsenherzog, der „wie eine Blüte war, welche das Kommen des Lenzes verkündet“. Im kriegerischen Spiel, im Lanzenrennen und ritterlichen Zweikampf war es eine Lust, den stattlichen, hochgewachsenen Mann zu schauen. Zweimal hat er sich unter den schönen Töchtern Sachsens die Gattin erwählt. Seine erste Liebe war Hatheburg, die anmutige Tochter des reichen Grafen Erwin, der zu Merseburg seinen Sitz hatte. Doch diese Ehe wurde wieder geschieden: sie hatte gegen den Willen der Kirche stattgefunden. Hatheburg war schon einmal vermählt gewesen und hatte sich durch ein Gelübde dem klösterlichen Leben geweiht; ihre reiche Erbschaft war dem Kloster bestimmt. Wenige Jahre später bewarb sich Heinrich um die Hand der trefflichen Mathildis, der Tochter Thiederichs, eines reichen und bedeutenden Mannes, der unweit Herford seinen Sitz hatte. Dem edeln Geschlechte Widukinds war sie entsprossen. Mathildis hatte man schon in früher Jugend dem Kloster Herford übergeben; sie wurde hier in der Schrift und in nützlichen Handarbeiten unterrichtet, nicht um dereinst Nonne zu werden, sondern um mit trefflichen Kenntnissen ausgerüstet in das weltliche Leben zurückzukehren. Heinrichs Vater, der alte Otto, wünschte, die Enkelin Widukinds seinem Sohne zu vermählen, und der Sohn widerstrebte nicht dem Willen des Vaters. Mit stattlichem Gefolge begab er sich nach Herford. Zuerst sah er in der Ferne Mathildis in der Kirche, dann hielt er sogleich in feierlicher Werbung bei der Aebtissin des Klosters, der Großmutter Mathildis’, die als Witwe den Schleier genommen hatte, um die Hand der Jungfrau an, und er setzte es durch, daß die Großmutter selbst ohne Vorwissen der Eltern ihm die Enkelin verlobte. Diese Scene der Werbung hat Ferdinand Leeke auf seinem Bilde mit künstlerischer Verteilung charakteristischer Gruppen uns vorgeführt. Zu Wallhausen in der Goldenen Aue wurde die Hochzeit mit einer Pracht, wie sie sonst nur Könige entfalten, feierlich begangen. Die Geschichtschreiber sind einstimmig im Lobe der Fürstin, in welcher Heinrich ein ebenso thätiges wie frommes und liebreiches Weib beschieden war.