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Gutes Wort, böse That

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Johann Peter Hebel
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Titel: Gutes Wort, böse That
Untertitel:
aus: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes
S. 235-236
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1803-1811
Erscheinungsdatum: 1811
Verlag: Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Djvu auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
fertig
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[235]
Gutes Wort, böse That.

In einem edelmännischen Dorf trifft ein Bauer [236] den Herrn Schulmeister im Felde an. „Ists noch euer Ernst, Schulmeister, was ihr gestern den Kindern zergliedert habt: So dich jemand schlägt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar?“ Der Herr Schulmeister sagt: „Ich kann nichts davon und nichts dazu thun. Es steht im Evangelium.“ Also gab ihm der Bauer eine Ohrfeige, und die andere auch, denn er hatte schon lang einen Verdruß auf ihn. Indem reitet in einiger Entfernung der Edelmann vorbey und sein Jäger. „Schau doch nach, Joseph, was die zwey dort mit einander haben.“ Als der Joseph kommt, gibt der Schulmeister, der ein starker Mann war, dem Bauer auch zwey Ohrfeigen, und sagte, es steht auch geschrieben: „Mit welcherley Maas ihr messet, wird euch wieder gemessen werden. Ein voll gerüttelt und überflüssig Maas wird man in euern Schoß geben;“ und zu dem letzten Sprüchlein gab er ihm noch ein halbes Duzend drein. Da kam der Joseph zu seinem Herrn zurück und sagte: „Es hat nichts zu bedeuten, gnädiger Herr; sie legen einander nur die heilige Schrift aus.“

Merke: Man muß die heilige Schrift nicht auslegen, wenn mans nicht versteht, am allerwenigsten so. Denn der Edelmann ließ den Bauern noch selbige Nacht in den Thurm werfen auf 6 Tage, und dem Herrn Schulmeister, der mehr Verstand und Respect vor der Bibel hätte haben sollen, gab er, als die Winterschule ein Ende hatte, den Abschied.