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Gefährliche Heizapparate

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Titel: Gefährliche Heizapparate
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aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 688
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[688] Gefährliche Heizapparate. Seit einigen Jahren werden unter dem Namen „Carbonnatronöfen“ oder „Transportable Regenerativheizöfen für Räume ohne Rauchabzug“ Heizapparate in den Handel gebracht, die nach den im Laufe der Zeit gemachten Erfahrungen für Leben und Gesundheit gefährlich sind. Das „Carbon“, mit dem diese Oefen geheizt werden, ist eine Art Buchenholzpreßkohle, die mit Salpeter imprägnirt ist und die, sobald sie einmal in Gluth versetzt worden ist, fortglimmt, ohne Rauch oder üblen Geruch zu entwickeln. Fälle, in denen bei Benutzung dieser Oefen in Schlafräumen Menschen ums Leben gekommen sind, veranlaßten eine gründlichere Prüfung dieser von vielen Fachleuten und Fachzeitschriften günstig beurtheilten Apparate. Professor Wolpert, der bei Versuchen mit einem derartigen Ofen selbst bewußtlos wurde, hat zuerst einen Warnungsruf dagegen erlassen, dann auch der Ortsgesundheitsrath zu Karlsruhe. Neuerdings hat Regierungsrath Dr. K. J. Petri durch seine Proben im hygieinischen Institut zu Berlin die Frage endgültig entschieden. Es handelte sich dabei vor allem darum, festzustellen, ob die rauchlosen Oefen giftige Gase als Verbrennungserzeugnisse entwickeln. Es wurde zu diesem Zwecke eine ganze Reihe wissenschaftlicher Methoden angewandt und zuletzt als die ausschlaggebende der Versuch am Thiere. Das Zimmer, in welchem ein Carbonnatronofen der kleinsten Nummer geheizt wurde, blieb verschlossen und es wurden an verschiedenen Stellen desselben, oben und unten, Drahtkäfige mit weißen Mäusen aufgestellt. Das Ergebniß ist sehr ungünstig: „Die aus dem Carbonofen in ein Zimmer von 101 Kubikmetern entweichenden Gase sind imstande, eine über dem Ofen befindliche Maus in fünf Stunden zu tödten. In der Entfernung von 1 bis 3 m aufgestellte Mäuse sind nach Ablauf der erwähnten Zeit moribund (dem Tode nahe). Im Blute aller dieser Thiere ist Kohlenoxyd mit Sicherheit nachweisbar.“ Regierungsrath Petri gab infolgedessen über die Carbonöfen folgendes Gutachten ab: „Die Heizvorrichtung muß als eine das Leben und die Gesundheit in hohem Grade gefährdende unbedingt verworfen werden.“

Diese Oefen werden nun von der Firma, die sie vertreibt, zur Heizung von Schlafzimmern nicht empfohlen; im Gegentheil, es wird gesagt: „In Schlafzimmern werden nur die größeren Oefen tagsüber mit Abzug in Kamin oder Schornstein gebrannt und vor Schlafengehen, nachdem das Zimmer genügend erwärmt, aus demselben herausgestellt.“

Dieser „Abzug“ soll nun durch ein Blech- oder Gummirohr, das an einem der Ventile befestigt wird, bewirkt werden. Ueber diese Abzugsvorrichtung äußert sich Regierungsrath Petri:

„Eine unzweckmäßigere, ja, mit Erlaubniß, verrücktere Konstruktion für den gewünschten Zweck hätte wohl kaum erfunden werden können . . . Eine nur oberflächliche Kenntniß physikalischer Verhältnisse reicht aus, um die Unmöglichkeit des Rauchabzuges in vorliegendem Fall einzusehen.“

Außer den genannten Oefen werden nun noch Kochapparate, Badeöfen ohne Schornstein, Zugtödter für Doppelfenster, Plätt- und Bügeleisen etc. – alles mit Carbonheizung, empfohlen. Wenn auch bei dem verhältnißmäßig geringeren Verbrauch des Heizstoffes die Gefahr bei Benützung dieser Apparate verringert wird, so können doch diese nach dem Obengesagten schwerlich als Vorrichtungen angesehen werden, welche den Ansprüchen der Hygieine genügen, obwohl sie durch ihre Einfachheit und die Reinlichkeit bei der Handhabung sehr bestechen.

Vielen dürfte es bekannt sein, daß vor diesen Oefen in letzter Zeit auch von seiten der Polizei gewarnt worden ist. Sie gehören nicht in bewohnte Räume! *