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Geburtenrückgang in Deutschland

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Autor: Friedrich Zahn
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Titel: Geburtenrückgang in Deutschland
Untertitel:
aus: Handbuch der Politik Zweiter Band: Die Aufgaben der Politik, Neuntes Hauptstück: Allgemeine Wirtschaftsfragen, 43. Abschnitt, S. 216−231
Herausgeber: Paul Laban, Adolf Wach, Adolf Wagner, Georg Jellinek, Karl Lamprecht, Franz von Liszt, Georg von Schanz, Fritz Berolzheimer
Auflage:
Entstehungsdatum: {{{ENTSTEHUNGSJAHR}}}
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Dr. Walther Rothschild
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Erscheinungsort: Berlin und Leipzig
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[216]
b) Geburtenrückgang in Deutschland.
Von
Ministerialrat Dr. Friedrich Zahn,
Direktor des Bayerischen Statistischen Landesamts und Universitätsprofessor in München.


Literatur:

L. Brentano, Die Malthus’sche Lehre und die Bevölkerungsbewegung der letzten Dezennien. Abhandlungen der historischen Klasse der K. B. Akademie der Wissenschaften Bd. 24 Abt. III. –
P. Mombert, Studien zur Bevölkerungsbewegung in Deutschland. Karlsruhe 1907. –
K. Oldenberg, Über den Rückgang der Geburten- und Sterbeziffer. Arch. für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik Bd. 32, 33 und (Mombert-Oldenberg) 34. Tübingen 1911 und 1912. –
J. Wolf, Der Geburtenrückgang. Die Rationalisierung des Sexuallebens in unserer Zeit. Jena 1912. –
E. Roesle, Die Statistik des Geburtenrückgangs in der neueren deutschen Literatur. Mitteilungen Nr. 1 der Deutschen Statistischen Gesellschaft zur Tagesordnung für die III. Mitgliederversammlung in Breslau 1913. –
Entgegnung von J. Wolf in Nr. 3 dieser Mitteilungen. –
Friedrich Prinzing, Abnahme der ehelichen Fruchtbarkeit auf dem Land in Deutschland. Zeitschrift f. Sozialwissenschaft N. F. II S. 819 fg. –
Derselbe, Kulturelle Entwicklung und Absterbeordnung. Archiv f. Rassen- u. Gesellschaftsbiologie 1910. –
E. Würzburger, Ist die Besorgnis um den Geburtenrückgang begründet? Zeitschrift des K. Sächsischen Statistischen Landesamts 1912 S. 112. –
S. Budge, Das Malthus’sche Bevölkerungsgesetz und die theoretische Nationalökonomie der letzten Jahrzehnte. Karlsruhe 1912. –
P. Fahlbeck, Der Adel Schwedens. –
Derselbe, Der Geburtenrückgang. Zeitschrift für Politik Bd. VI 1913 S. 657 fg. –
H. Hindelang, Die eheliche und uneheliche Fruchtbarkeit. Heft 71 der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1909. –
L. Berger, Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Beruf und Fruchtbarkeit unter besonderer Berücksichtigung des Königreichs Preussen. Zeitschrift des K. Preussischen Statistischen Landesamts 1912 S. 225 fg. –
H. Rost, Geburtenrückgang und Konfession. Cöln 1913. –
R. Seeberg, Der Geburtenrückgang in Deutschland, eine sozialethische Studie. Leipzig 1913 u. Budge’s Besprechung in der Zeitschrift f. Soz. Wiss. 1913, S. 805. –
A. Schlossmann, Die treibenden Kräfte. Ein Beitrag zur Frage des Geburtenrückgangs. „Der Tag“ vom 13. September 1913. –
J. Marcuse, Die Beschränkung der Geburtenzahl. Ein Kulturproblem. München 1913. –
A. Grotjahn, Soziale Pathologie. Berlin 1912. –
A. Fischer, Grundriss der sozialen Hygiene. Berlin 1913. –
Derselbe, Die sozialhygienischen Zustände in Deutschland nach amtlichen Veröffentlichungen aus dem Jahre 1912. Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege Bd. 45, Heft 3/4. –
L. Knöpfel, Die Zukunft Deutschlands. Festgabe der Grossh. Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik. Darmstadt 1912. –
J. Rahts, Bewegung der Bevölkerung im Jahre 1910. Bd. 246 der Statistik des Deutschen Reichs. –
L. March, Statistique internationale du mouvement de la population. 2e Vol. (1901 à 1910). Paris 1913. –
Bewegung der Bevölkerung in Bayern in den Jahren 1911 und 1912. Zeitschrift des K. B. Statistischen Landesamts. –
F. Zahn, Die Frau im Erwerbsleben in den Hauptkulturstaaten. Allgemeines Statistisches Archiv Bd. VII. Tübingen 1914. –
Derselbe, Säuglingsfürsorge in Bayern. Zeitschrift des Bayer. Statistischen Landesamts 1912. –
F. Zahn u. J. Kleindinst, Bekämpfung der sozialen Krankheitsursachen durch den Staat. Handbuch von Mosse u. Tugendreich über „Krankheit und Soziale Lage.“ München 1913. –
J. Grassl, Die sozialen Ursachen der Kindersterblichkeit in Bayern, insbesondere der Einfluss der agrarischen Verhältnisse auf die Kindersterblichkeit Bayerns und anderer Staaten. Zeitschrift für soziale Medizin Bd. V. Leipzig 1910. –
Derselbe, Einiges über den Generationswechsel. Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie. Berlin 1912 (S. 718 fg.). –
F. Burgdörfer, Geburtenhäufigkeit und Säuglingssterblichkeit unter besonderer Berücksichtigung bayerischer Verhältnisse. Allgemeines Statistisches Archiv. Bd. VII, 2. Halbband. Tübingen 1914. –
A. Gottstein, Die Säuglingsfürsorge in Charlottenburg im Rechnungsjahr 1911. Amtl. Nachrichten der Charlottenburger Armenverwaltung. 16. Jahrgang Nr. 7. 1912. –
Derselbe, Die Kleinkinderfürsorge. Zeitschr. f. Säuglingsschutz 1913. –
A. Würtz, Bevölkerungsprobleme und Kinderfürsorge. Zeitschrift für Säuglingsschutz 1913 S. 339 fg. –
Al. A. Tschuprow, Zur Frage des sinkenden Knabenüberschusses unter den ehelich Geborenen (Beitrag zur Statistik der Totgeburten). Verhandlungen des Internationalen Statistischen Instituts in Wien 1913. –
Graf S. J. Witte, Vorlesungen über Volks- und Staatswirtschaft. Stuttgart und Berlin 1913. –
M. von Gruber u. E. Rüdin, Fortpflanzung, Vererbung, Rassenhygiene. München 1911. –
M. von Gruber, Öffentliches Gesundheitswesen. Beitrag zum Werk „Das Jahr 1913“, ein Gesamtbild der Kulturentwicklung. Leipzig 1913. –
Wilhelm Schallmayer, Soziale Massnahmen zur Besserung der Fortpflanzungsauslese. Handbuch von Mosse und Tugendreich über „Krankheit und Soziale Lage.“ München 1913. –
S. Schott, Alte Mannheimer Familien. Mannheim 1910. –
W. Hecke, Volksvermehrung, Binnenwanderung u. Umgangssprache in österr. Alpen- und Südländern. Österr. Statist. Monatsschrift 1913. –
P. Galasso, Der Geburtenrückgang in Österreich. Ebenda 1913.

Inhalt:

I. Umfang und Charakter des Geburtenrückgangs. – II. Ursachen des Geburtenrückgangs. – III. Bedeutung des Geburtenrückgangs. – IV. Bekämpfung des Geburtenrückgangs. – Internationale Übersichten über den Geburtenrückgang.

[217]

I. Umfang und Charakter des Geburtenrückgangs.

Die Zahl der Geburten im Deutschen Reich beträgt 1912: 1 925 883 oder 29,1 auf je 1000 Einwohner und erscheint damit absolut und relativ geringer als früher. Absolut trafen am meisten Geburten mit 2 097 838 auf das Jahr 1901, relativ war die Geburtenziffer am grössten 1876: 42,6‰. Seit 1876 geht die relative Geburtenziffer mit geringen wellenförmigen Schwankungen stetig zurück und ebenso ist es mit der absoluten Geburtenzahl seit 1901.

In den 3 letzten Jahrzehnten fiel der durchschnittliche Wert der Geburtenziffer

1881/90 1891/1900 1901/10
von 38,18 auf 37,33 auf 33,94‰.
oder um 2,23% und um 9,08%.

Ähnlich verhält es sich mit der allgemeinen Fruchtbarkeitsziffer und der ehelichen Fruchtbarkeitsziffer. So kamen auf 1000 im gebärfähigen Alter stehende (15–50 Jahre alte) weibliche Personen folgende Zahlen von Geburten:

1881/90 1891/1900 1901/10
152,65 148,50 134,97
d. i. ein Rückgang um 2,72% und um 9,11%.

Auf 1000 Ehefrauen im Alter unter 50 Jahren kamen folgende Zahlen von ehelich geborenen Kindern:

1881/90 1891/1900 1901/10
267,93 258,71 231,11
d. i. ein Rückgang um 3,44% und um 10,67%.

Der starke Geburtenrückgang zeigt sich ausweislich der Reichsstatistik in allen Gebieten des Deutschen Reiches. Am stärksten war der Rückgang der Geburtenziffer und Fruchtbarkeitsziffer in Berlin, wo sie jetzt am niedrigsten ist; ausser Berlin haben niedrige Geburten- und Fruchtbarkeitsziffern Hamburg, Elsass, Provinz Brandenburg, Königreich Sachsen, Braunschweig, Anhalt, Reuss ä. L. und Lübeck. Verhältnismässig hohe Ziffern haben Posen, Westpreussen, Westfalen, Ostpreussen und Schlesien.

Diese Erscheinung des Geburtenrückgangs teilt Deutschland mit fast allen Staaten fortgeschrittener Kultur, nur der Grad des Rückgangs ist da und dort verschieden. Die ausführlichen tabellarischen Nachweise am Schluss dieser Abhandlung (S. 244 fg.) geben hierüber eingehenden Aufschluss. Hier sei zur Veranschaulichung der erwähnten internationalen Entwicklung folgende Übersicht mitgeteilt:

Staat Auf je 1000 Personen der Bevölkerung
kamen jährlich Lebendgeborene
Abnahme 1876/85 bis 1906/10 um ... % Auf je 1000 Frauen im Alter von 15–50 Jahren kamen jährlich Lebendgeborene
1876 bis 1885 1886 bis 1895 1896 bis 1905 1906 bis 1910 1876 bis 1885 1886 bis 1895 1896 bis 1905
Deutsches Reich 38•0 36•4 35•2 31•6 16,8 153 146 141
Österreich 38•4 37•6 36•4 33•7 12,2 149 148 145
Italien 37•3 36•6 33•2 32•7 12,3 148 149 138
England 34•2 30•9 28•6 26•3 23,1 135 118 104
Frankreich 24•9 22•7 21•8 19•9 20,1 099 089 085
Niederlande 36•1 33•8 32•5 29•6 18,0 150 142 133
Belgien 31•7 29•4 28•8 24•7 22,1 132 118 114
Schweden 29•7 28•1 26•4 25•4 14,5 119 117 110
Norwegen 31•0 30•3 29•2 26•4 14,8 127 125 119
Dänemark 32•1 30•5 29•4 28•2 12,1 133 128 118
Finnland 36•1 33•0 31•9 30•9 14,4 142 135 130
Schweiz 29•9 28•1 28•2 26•0 13,0 117 110 110

[218] Ob in den wenigen Staaten, wo eine Erhöhung der Geburtenziffer nachgewiesen wird, wie in Portugal, Bulgarien, Rumänien, Argentinien, Chile, Japan, Ceylon etc. diese tatsächlich vorhanden oder nur die Methode der statistischen Erfassung eine andere ist, muss hier dahingestellt bleiben.

Der also auch in Deutschland bestehende Rückgang der Geburten ist an sich auffallend. Der Wohlstand hat bekanntlich in allen Schichten der Bevölkerung zugenommen, „der Anteil der einzelnen Bevölkerungsschichten an der Steigerung des gesamten Einkommens ist geradezu verblüffend gleichmässig“ (K. Helfferich). Auch die Frequenz der Ehen hat keineswegs nachgelassen. Zwar ist die Heiratsziffer vom Jahre 1901 bis 1912 von 8,24 auf 7,91 (1911: 7,85) ‰ gesunken. Aber die Ehehäufigkeit der 20 bis 25 Jahre alten Frauen ist gewachsen (von 124,9 auf 127,8‰), die Zahl dieser Ehen (256 490) ist etwas grösser als die Hälfte aller im Jahre 1911 geschlossenen. Bei den Ehen noch jüngerer Frauen war die Ehehäufigkeit 1911 ebenso gross wie 1901. Nur die Ehen der über 25 Jahre alten Frauen (der Zahl nach ⅛ der Gesamtheit) haben an Häufigkeit abgenommen. Es wird mehr und frühzeitiger als ehedem, insbesondere in den Arbeiterklassen geheiratet, das Heiratsalter hat sich verjüngt, die Ehedauer verlängert, der verheiratete Teil in den produktiven Altersklassen hat zugenommen.

Aber die Fruchtbarkeit der einzelnen Ehen ist zurückgegangen. Zwar bringt die unter 25 Jahre alte weibliche Bevölkerung auch jetzt nicht weniger Kinder zur Welt als in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Indessen, bei den über 25 Jahre alten Frauen ist ein starker Rückgang der Geburten erfolgt. Daher sind Ehen mit 3 und mehr Kindern nicht mehr so zahlreich wie früher. An dieser Gesamterscheinung sind die mittleren und oberen Klassen sowie die der Zahl nach besonders massgebenden Arbeiterschichten beteiligt.

II. Ursachen des Geburtenrückgangs.

Der Grund des Rückgangs der ehelichen Fruchtbarkeit ist weniger physiologischer Art, von Erschöpfung der Rasse kann wohl kaum eine Rede sein. Vielmehr handelt es sich hauptsächlich um freiwillige Beschränkung der Fruchtbarkeit, la fécondité est réglée par la volonté!

Diese Beschränkung beruht vorwiegend auf ökonomisch-rationalistischen Erwägungen und daneben auf sozial-pathologischen Ursachen, welch letztere zum Teil von ersteren mitveranlasst sind.

Mit der fortschreitenden Zivilisation gewinnt die bisher schon in gebildeteren Klassen vertretene wirtschaftliche Einsicht an allgemeinerer Ausdehnung und gleichzeitig suchen auch die unteren Schichten ihre Lebensführung zu verbreitern. Die wirtschaftliche Einsicht bringt eine höhere Wertschätzung und Pflege alles Lebens und damit eine bessere Fürsorge für die zur Welt gekommenen Kinder mit sich, man will Kinder nicht bloss in die Welt setzen, sondern bemüht sich, sie auch ordentlich aufzuziehen. Weil infolgedessen weniger Säuglinge sterben, werden aus wirtschaftlichen (auch aus psychologischen und physiologischen) Gründen weniger geboren.

Daneben erkennen mit fortschreitender Bildung immer weitere Massen der Bevölkerung, dass viele Kinder weder dem Interesse der Familie noch dem Interesse des einzelnen Kindes entsprechen, und gelangen so zu einer ähnlichen Rationalisierung des Geschlechtslebens, wie schon seither die höheren Klassen. Diese geburtenhemmende Erkenntnis wird besonders veranlasst durch die vielseitigen Bedürfnisse, die auch bei den Massen immer mehr hervortreten, und um deren Befriedigung man sich da bemüht, und durch die Erfahrung, dass mit steigender Kopfzahl der Haushaltung die blosse Nahrungsausgabe einen wachsenden Anteil am Gesamtaufwand beansprucht. Anderseits sind die gesteigerten Kosten von Einfluss, die die Aufziehung der Kinder, die Führung des Haushalts (namentlich eines grösseren Haushalts) bedingt angesichts der Teuerung, die in bezug auf Lebenshaltung, Ausbildung, Wohnung, Dienstbotenhaltung usw. in den letzten Jahrzehnten eingetreten ist. Solche Erwägungen ergreifen bei der zunehmenden Industrialisierung und Verstadtlichung der Bevölkerung einen immer grösseren Volksteil. Was speziell die Wohnungsfrage betrifft, so sind gerade die städtischen Wohnungsverhältnisse ein besonderes Moment für Kindereinschränkung innerhalb der breiteren Volksschichten. Je geringer die Einnahmen, um so höher ist erfahrungsgemäss [219] die prozentuale Ausgabe für Wohnungsmiete. Darum müssen die ärmeren Klassen an sich schon bei den heutigen Verhältnissen einen bedeutenden Teil ihrer Einnahmen für die Wohnungsmiete verwenden; um so mehr scheuen sie die Kosten einer grösseren Wohnung, die eine zahlreiche Familie benötigen würde, ganz abgesehen davon, dass die Auffindung einer solchen Wohnung vielfach den kinderreichen Familien erschwert, zum Teil unmöglich gemacht wird.

Auch die erhöhte Beteiligung der Mädchen und Frauen am ausserhäuslichen Erwerbsleben wirkt geburtenhemmend. Die Arbeit, welche junge Mädchen in den verschiedenen Betrieben zu verrichten haben, meist einseitig, mechanisch, durch dauernd angespannte Aufmerksamkeit nervenangreifend, ist nur selten für die weitere physische und sonstige Entwicklung günstig. Viele Arbeiten werden von Frauen übernommen, die für ihren Organismus ungeeignet sind, bei an sich geeigneter Erwerbsarbeit nehmen die Frauen in der Regel zu wenig auf ihren Organismus Bedacht. Daher äussert die ausserhäusliche Erwerbsarbeit so vielfach bedenkliche Rückwirkungen auf die Mutterschaftsleistungen. Entweder wird die Mutterschaft der Erwerbstätigkeit geopfert, oder die Mutterschaft hat zu leiden während ihrer Entwicklung, während des Verlaufes der Geburt, während der Zeit der an sich notwendigen Wöchnerinnenpflege. Infolgedessen so vielfach in den Kreisen der erwerbstätigen Frauen Früh- und Fehlgeburten, Kinderlosigkeit, dauernde Erkrankungen! Kommen unter den erwähnten schwierigen Verhältnissen wirklich lebenskräftige Säuglinge zur Welt, so hindert die ausserhäusliche Betätigung, die in der Regel Trennung von Mutter und Kind bedingt, an der richtigen Pflege für das Kind, es mangelt vielfach die Stillung, soweit überhaupt eine Stillfähigkeit bei geringer Pflege (schlechter Ernährung) und Überanstrengung der Mutter vorhanden ist. Weil aber mangelnde oder nur kurz dauernde Stillung nicht selten Säuglingssterblichkeit oder kümmerliche Entwicklung der Kinder im Gefolge hat, verzichtet nicht selten die erwerbstätige Frau von vorneherein auf Mutterschaftsleistungen und sucht ihnen zuvorzukommen.

Ebenso wirkt der jetzige Schulzwang, der Kinderschutz und die allgemeine Militär-Dienstpflicht in geburtenmindernder Richtung. Dadurch ist das Kind länger ein unproduktiver und kürzer ein produktiver Faktor für die Familie.

Die erwähnten ökonomischen Ursachen machen es erklärlich, dass zwar auch auf dem Lande[1] ein Geburtenrückgang vorhanden ist, aber nicht so intensiv wie in der Stadt, obschon die zeugungsfähigen und die verheirateten Altersklassen auf dem Lande geringer vertreten sind. Allein die Kinderaufzucht ist hier wesentlich leichter und lohnt sich wegen der Verwendbarkeit der heranwachsenden und herangewachsenen Kinder im eigenen (unter der Arbeiternot an sich leidenden) landwirtschaftlichen Betrieb viel eher als dies vom Standpunkt städtischer und industrieller Haushaltungen aus der Fall ist. „Die Motive zur Erhöhung der Fruchtbarkeit sind“ – wie Grassl richtig bemerkt – „also bei den Bauern keineswegs edler oder anders als die Motive zur Einschränkung der Kinderzahl bei den Städtern. Überall sind es egoistische, wirtschaftliche, das eine Mal ein Lucrum, das man erwartet, das andere Mal ein Damnum, das man verhütet“!

Damit ist bereits angedeutet, dass, wenn die eheliche Fruchtbarkeit nicht so stark bei der katholischen als bei der evangelischen Konfession nachgelassen hat, dies weniger zu tun hat mit der Konfession selbst als mit dem Standort, wo die katholische Bevölkerung sich in Deutschland vorwiegend findet. Wie oben Seite 192 gezeigt, sind die Katholiken hauptsächlich in ländlichen Erwerbszweigen (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bergbau, Stein- und Erdenindustrie, Baugewerbe) vertreten, in ihnen ist die Fruchtbarkeit am grössten. Und weiter wirkt mit der starke, sich durch grössere Fruchtbarkeit auszeichnende slavische Einschlag, den durch östliche Zuwanderung die katholische Bevölkerung im letzten Jahrzehnt erhielt. Soweit die städtische und industrielle katholische Bevölkerung in Betracht kommt, geht die eheliche Fruchtbarkeit fast in gleicher Weise zurück wie bei der evangelischen, die vorwiegend in städtischen und industriellen Berufen sich betätigt.

[220] Weitere Hemmnisse der Fruchtbarkeit liegen auf sozial-pathologischem Gebiet. So häufen sich im Zusammenhang mit der gewollten Beschränkung der Fruchtbarkeit die kriminellen Aborte, um eingetretene Konzeptionen nicht zum Austrag kommen zu lassen. Daneben werden prophylaktische Aborte bei gewissen Erkrankungen der Mutter zur Verhütung bezw. Beseitigung der Schwangerschaft jetzt zahlreicher als früher vorgenommen, zumal die moderne Medizin den mütterlichen Organismus höher bewertet als das Kind im Mutterleib. Auch die durch die dichtere Wohnweise, durch die Verstadtlichung der Bevölkerung herbeigeführte Mehrung von Geschlechtskrankheiten, sowie die Folgen des Alkoholismus sind im Zusammenhang mit dem Rückgang der Fruchtbarkeit zu nennen. Ferner spielt eine Rolle die zunehmende Neurasthenie als Folge sowohl des rationalisierten Geschlechtslebens (Coitus interruptus) wie der Hast des modernen Erwerbslebens. Die Wirkungen dieser pathologischen Momente äussern sich in Sterilität, Totgeburten, Fehlgeburten. Nach ärztlicher Wahrnehmung sowie nach Feststellung von Krankenkassen kommt auf 5 bis 6 Lebendgeborene durchschnittlich mindestens eine Fehlgeburt, bei einzelnen Schichten schon auf 3 Lebendgeburten. Durch solche Änderungen der Fehlgeburtenhäufigkeit scheint nicht nur eine Minderung der Fruchtbarkeit, sondern insbesondere auch eine Veränderung im Geschlechtsverhältnisse der Geborenen, nämlich ein Sinken des Knabenüberschusses bedingt zu sein.

Mögen diese pathologischen Gründe bei der Erscheinung des Geburtenrückgangs auch ins Gewicht fallen, so sind sie einstweilen sicher nur sekundärer Natur und nicht von entscheidender Wirkung. Darauf lässt schon die Tatsache schliessen, dass, wie erwähnt, ein Rückgang der ehelichen Fruchtbarkeit nicht in den ersten Jahren der Ehe, sondern erst bei den über 25 Jahre alten Frauen sich nachweisen lässt.

III. Bedeutung des Geburtenrückgangs.

Zweifellos liegt im Geburtenrückgang eine gewisse Gefahr.

Vor allem ist in biologisch-völkischer Beziehung – mit J. Grassl – darauf hinzuweisen, dass ein Volk oder ein Volksteil, in dem der Zwergfamilie (Familie mit weniger als drei Kindern) gehuldigt wird, nicht mehr vollfruchtig zu werden imstande ist, auch wenn die Ursache, die zur Zwergfamilie führt, wegfällt. Die Zwergfamilie ist für den Muttertrieb, den Trieb und Willen zum Kinde nachhaltend schädlich und bedroht daher im Endeffekt das Volk in der Existenz. Ausserdem verdirbt ein allgemeiner werdendes Zweikindersystem die Güte der vorhandenen Rasse, denn erfahrungsgemäss fallen die erstgeborenen Individuen vielfach etwas geringwertiger aus als die späteren Früchte, das dritte und vierte Kind gedeihen gewöhnlich körperlich wie geistig am besten.

Die geringe unzureichende Fruchtbarkeit in den Klassen der Besitzenden und Höhergebildeten führt vielfach zum Aussterben von Familien mit älterer Kultur und höherer Bildung. Dadurch gehen wichtige vererbbare Werte von Wissen und Können dem Volke verloren und ist ein ungenügender Nachwuchs an hochbegabten, zur Führung auf den verschiedensten Gebieten des Staats- und Gesellschaftslebens befähigten und für das Wohl der Massen unentbehrlichen Personen zu befürchten. Zudem wird infolge Wegsterbens der genannten Familien der durchschnittliche Pegelstand des Volkes immer wieder herabgedrückt und an einer an sich möglichen höheren Entwicklung gehindert.

Neben dem völkischen und kulturellen leidet auch der politische und wirtschaftliche Fortschritt des Reiches. Eine grosse Volkszahl ist unerlässlich für eine starke Wehr. Zur Behauptung der wirtschaftlichen Stellung bedarf es einer grösseren Zahl Erwerbstätiger. Solange Deutschland Einfuhrland für Menschen, erscheint jeder Geburtenüberschuss als nationaler Gewinn, stärkt die Selbstversorgungsmöglichkeit mit Arbeitskräften, macht weniger abhängig vom ausländischen Arbeitsmarkt. Zudem hat sich eine grosse Kopfzahl in der Einzelfamilie wie im Volksganzen als psychischer Hebel für den wirtschaftlichen Fortschritt erwiesen. Nur wo ein gewisser Zwang zur Tatkraft vorhanden ist, spannt der einzelne seine körperlichen und geistigen Kräfte stark an. „Eine Nation, die sich auf den Rentnerstandpunkt zurückzieht und sich mit der vorhandenen Volkszahl begnügt, ist zum langsamen Verfall verurteilt. Diesen Völkern geht es wie einem in Wohlleben und Selbstgenügsamkeit gross gewordenen Menschen, der sich nicht anzustrengen braucht, und es deshalb auch nicht tut“ (Knöpfel).

[221] Wie sich das Volk gegenüber anderen Völkern nicht bloss mit Qualitäten, sondern auch mit Quantitäten von Menschenmassen durchsetzt, so gilt dies ebenso für die einzelnen Schichten desselben Volkes. Will die einzelne Klasse sich nicht selbst ihrer bisherigen Macht begeben, so muss auch sie dem Geburtenrückgang in ihren Reihen entgegentreten. Deswegen ist die Drohung, die Einschränkung der Kinderzahl zu einer politischen Frage zu machen und den Gebärstreik als Mittel des proletarischen Befreiungskampfes zu propagieren, auch bei der Leitung der Sozialdemokratie nicht aufgenommen und weiter verfolgt worden. Ein solcher Gebärstreik hiesse nichts anderes, als durch Selbstvernichtung den Gegner schwächen zu wollen. Das Proletariat verdankt seinen derzeitigen Einfluss dem Umstand, dass es die Masse ist, und würde in demselben Grad den Einfluss verlieren, als es weniger Masse ist.

Indessen, so beachtenswert die Erscheinung des Geburtenrückgangs aus den erwähnten Gründen ist, zu einer Panik, wie sie von übereifrigen, die Statistik nur oberflächlich prüfenden Literaten veranlasst wird, besteht für Deutschland noch kein Grund. „Würde der Kinderreichtum erlöschen, so ertrinken wir hoffnungslos in der Slavenflut und ersticken in unseren Bankdepots.“ „Wir sind im Begriff ein neues Jena zu erleben, wenn nichts geschieht.“ Solche Kassandrarufe sind übertrieben und wenig ratsam. Durch übermässige Schwarzmalerei der möglichen, aber nicht notwendigen Folgen der jüngsten Entwicklung reizen wir nur den Mutwillen derer, die unser Wachstum scheel ansehen, und schwächen das Selbstvertrauen in die eigene nationale Kraft.

Am wenigsten haben wir die Minderung der Geburtenzahl dort zu bedauern, wo hohe Geburtenhäufigkeit bisher von hoher Säuglingssterblichkeit begleitet war. So hatten wir bis vor wenigen Jahren in Deutschland Bezirke, in denen zwar sehr hohe Fruchtbarkeit vorhanden, aber deren bevölkerungsmehrender Effekt nicht grösser, zum Teil geringer war als in Bezirken mit niederer Fruchtbarkeit, weil von den Geborenen über 40% innerhalb des ersten Lebensjahres wieder wegstarben. Nach dem Zeugnis von Graf Witte kommt in Russland noch heute fast die Hälfte aller geborenen Kinder nicht ins 5. Lebensjahr; ähnlich war es bis vor kurzem auch in einer Reihe deutscher Bezirke. Die vorzeitig hinweggerafften Kinder (unter denen sich keineswegs bloss Schwächlinge und Kümmerer, sondern an sich lebenskräftige Elemente finden, da nachgewiesenermassen bei der Säuglingssterblichkeit keine Auslese gegenüber schwächeren Konstitutionen, kein Überleben der Tauglichsten stattfindet) sind, statt bleibende Einnahmen im Volkshaushalt, nicht einmal durchlaufende Posten, sondern unmittelbare Schädigungen unserer volklichen, ethischen und wirtschaftlichen Kraft. Die auf sie gemachten Aufwendungen gehen unserer Volkswirtschaft fast ganz verloren. Die vielen und rasch aufeinander folgenden Geburten bewirken häufig Gebärmutterverlagerungen mit allen daran haftenden Beschwerden, frühzeitiges Verblühen und Krankheit der Mutter, und sind neben schlechter Ernährung und ungenügender Pflege mit schuld, dass die wirklich aufkommenden Kinder vielfach nicht zu richtiger Vollwertigkeit gelangen. Diese bleiben in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung vielfach zurück und zeigen u. a. auch ungünstige Militärtauglichkeit. Unter solchen Umständen ist hohe Fruchtbarkeit nichts weniger als vorbildlich. Sie bedeutet Verschwendung von Volkskraft und wirtschaftlichen Werten, bedeutet Raubbau am Volkskörper.

Das bestätigt namentlich die bayerische Statistik. Sie zeigt, dass Bezirke mit hoher Geburtenhäufigkeit, also einem grossen Brutto-Aufwand an regenerativer Kraft, vielfach einen geringeren Aufwuchs, ein geringeres oder kein grösseres Netto-Ergebnis erzielen als Bezirke mit mittlerer Fruchtbarkeit. Beispielsweise wurde für den Regierungsbezirk Niederbayern im Durchschnitt des Jahrfünfts 1908/12 eine Fruchtbarkeitsziffer von 162‰ (d. h. 162 Geborene jährlich auf je 1000 gebärfähige Frauen) festgestellt, für die Rheinpfalz dagegen eine solche von 135‰; mithin beträgt die Spannung zu gunsten Niederbayerns 27‰. Wartet man aber den bevölkerungsmehrenden Erfolg, das Netto-Ergebnis, dieser so verschiedenen Fruchtbarkeitsziffern nur ein Jahr ab, so berechnet sich für die Pfalz ein Aufwuchs an einjährigen Kindern von 111‰ (= pro 1000 gebärfähige Frauen), für Niederbayern ein solcher von 115‰. Die Spannung von ursprünglich 27‰ hat sich also bereits nach einem Jahr auf 4‰ erniedrigt. Nach einem weiteren Jahr beträgt sie nur mehr 2‰, indem die Aufwuchsziffer für zweijährige Kinder sich in der Pfalz auf [222] 108, in Niederbayern auf 110‰ beläuft. Es wird m. a. W. mit weniger Brutto-Aufwand in der Pfalz ein fast gleicher Nettoertrag an zweijährigen Kindern erzielt wie in Niederbayern bei den dortigen grossen Volksumsätzen.

Umgekehrt qualifiziert sich der Rückgang der Geburtenziffern, insoweit er sich vollzog unter gleichzeitiger Verbesserung der Aufwuchsziffern, unter gleichzeitiger höherer Lebensfähigkeit der geborenen Kinder, als willkommener Fortschritt vom Standpunkt der physischen und wirtschaftlichen Kraft der Nation. In der Tat wachsen jetzt trotz geringerer Geburtenzahl – dank der rationeller betriebenen Säuglingsfürsorge – absolut mehr Kinder auf als früher.

So ist für das Königreich Sachsen auf Grund genauer Berechnungen festgestellt, dass beispielsweise von den 149 000 Lebendgeborenen des Jahrgangs 1903 nur 106 500 das 3. Lebensjahr überlebten, von der um 9000 Kinder kleineren Geburtenmasse (140 000) des Jahres 1908 dagegen überlebten 108 600, also 2100 Kinder mehr das 3. Lebensjahr. Analoges gilt für Bayern. Hier ergibt z. B. ein Vergleich der Jahre 1896 und 1910, die beide fast die gleich grosse Geburtenzahl hatten, folgendes Resultat:

Zahl der Lebend-
geborenen
Es überlebten das . . . Lebensjahr
1. 2. 3.
1896 215 652 165 558 157 868 155 368
1910 215 540 172 102 166 189 164 455

1910 gegen 1896 – 112 + 6 544 + 8 321 + 9 087

Auch nach der württembergischen Statistik besteht einstweilen kein Anlass zu pessimistischen Betrachtungen. Württemberg fängt lediglich an, mehr Menschen für den eigenen Gebrauch, weniger für die Ausfuhr zu produzieren, das gesteigerte Menschenangebot wird dort durch die Nachfrage nach neuen Menschenkräften nahezu aufgenommen.

Es ist also nicht angängig, die künftige Bevölkerungsentwicklung lediglich an Hand der gesunkenen Geburtenziffern zu beurteilen. Es kommt wesentlich auch auf den Grad der sinkenden Sterbeziffer, auf die zwischen Geburten- und Sterbezahl bestehende Spannung, auf das daraus resultierende Bevölkerungswachstum, sowie auf die Qualität (körperliche und geistige Beschaffenheit) des Nachwuchses an. Unter Berücksichtigung der genannten Quantitätskomponenten konstatiert die Reichsstatistik, dass die Selbsterhaltung der Nation bei der jetzigen Geburtenziffer noch reichlich gesichert ist; sie berechnet an der Hand von 10 deutschen Staaten, deren Geburtenhäufigkeit zum Teil etwas geringer ist als die für den Durchschnitt des Reichs gültige, dass die Zahl der Geborenen

1881/90 um 36,17%
1891/1900 um 44,05%
1901/10 um 41,68%

grösser war, als zur Erhaltung der Volkszahl erforderlich. Im Gegensatz dazu reichte 1898–1903 (darüber liegen Berechnungen vor) in Frankreich die durchschnittliche Zahl der Geburten nicht aus, um die Volkszahl Frankreichs auf ihrer derzeitigen Höhe zu erhalten: Es fehlten 2,47% Geburten an der zur Selbsterhaltung notwendigen Zahl.

IV. Bekämpfung des Geburtenrückgangs.

Dass gleichwohl der Erscheinung des Geburtenrückgangs nachdrücklich entgegengearbeitet werden muss, gebietet das Interesse unserer wirtschaftlichen und politischen Macht, das Interesse der nationalen Selbsterhaltung. Es wird sich darum handeln, einerseits den Rückgang der Geburtenhäufigkeit aufzuhalten oder wenigstens zu verlangsamen, anderseits die Sterbeziffer noch günstiger zu gestalten.

In ersterer Beziehung muss man von den oben erwähnten wirtschaftlichen und pathologischen Ursachen des Geburtenrückgangs ausgehen und vornehmlich nach diesen selbst, nicht etwa bloss nach den Symptomen des Geburtenrückgangs die Art der Gegenmassnahmen treffen. Gerade weil die wirtschaftlichen Momente bei der ganzen Frage so stark ins Gewicht fallen, müssen im Zeitalter [223] des fortschreitenden wirtschaftlichen Denkens auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die unser Problem so sehr belasten, tunlichst behoben werden. Es gilt darum, die Kosten der Kinderaufzucht und Berufsvorbereitung zu verbilligen oder zum mindesten nicht weiter zu verteuern.

Zu dem Zweck bedarf es einer erhöhten Wohnungsfürsorge in den Städten; eine grosszügige Wohnreform muss mehr Luft und Raum unter annehmbarem Preis für die einzelne Familie in und ausser dem Hause beschaffen und auch einer Familie mit grösserer Kinderzahl eine gesunde und fröhliche Existenz ermöglichen. Auch die Erhaltung und Anlegung von zahlreichen freien Plätzen innerhalb der Stadt, die Bildung von Gartenstädten in den Vororten erscheinen zur Erleichterung des Aufenthalts der städtischen Kinder im Freien sehr erwünscht.

Sodann ist eine Erleichterung der allgemeinen Lebensversorgung unerlässlich im Wege einer den Bedürfnissen der Allgemeinheit Rechnung tragenden Zollpolitik und sonstiger Massnahmen der Staats-, Gemeinde- und Verkehrsverwaltung. Die weitere Durchführung der inneren Kolonisation mit Schaffung von Klein-Wohnstätten und Bauerngütern wird sich, abgesehen von anderen Gründen, auch unter dem Gesichtspunkte der Bekämpfung des Geburtenrückgangs vorteilhaft erweisen: sie vermehrt die Zahl der Eheschliessungen und hält die Geburtenmasse wenigstens eine Zeit lang aufrecht. Ob freilich die Bauernschaft als solche auf die Dauer die bisherige Fruchtbarkeit beibehält, lässt sich mit Sicherheit nicht erwarten angesichts der Erfahrungen, welche sowohl in Ungarn wie in Frankreich beim dortigen Bauernstand mit seinem vielfach ausgeprägten Ein- und Zweikindersystem gemacht wurden. Mehr ist vielleicht zu rechnen auf die Taglöhnerfamilien, die in der Regel eine grössere Kinderzahl aufweisen, deren Existenz allerdings das Bestehen von grossbäuerlichem und Grossgrundbesitz voraussetzt. Des weiteren muss mit der Tatsache gerechnet werden, dass gerade unter unseren städtischen und industriellen Arbeitern das verheiratete Element jetzt mehr vertreten ist als früher. Um deswillen muss gerade hier eine besondere auf Stärkung der Familie berechnete Politik einsetzen und die Aufzucht von Kindern erleichtern. Es kommen hierbei wohl vor allem Erziehungsbeihilfen (z. B. Kostenfreiheit des Unterrichts, Lehrmittelfreiheit) bei grosser Kinderzahl, eine bessere Bezahlung verheirateter Beamten gegenüber Junggesellen in Frage. Als „Familienzulagen“ sind sie bereits in zahlreichen Städten für städtische Arbeiter eingeführt, meist in Form einer Staffelung der Löhne je nach dem Familienstand des Arbeiters. Derartige Familienzulagen sind beispielsweise eingerichtet von den städtischen Verwaltungen zu Charlottenburg, Halberstadt, Halle, Hanau, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Krefeld, Königsberg, Mainz und Strassburg. Die Zulagen sind verschieden gestaltet. So erhält z. B. in Krefeld ein Arbeiter nach mindestens fünfjähriger Dienstzeit für eheliche Kinder unter 16 Jahren einen monatlichen Zuschuss von 4 M., wenn er bis zwei Kinder hat, 8 M. für drei bis vier Kinder und monatlich 12 M. Zuschuss für vier und mehr Kinder. Mietzuschüsse ausser Lohnerhöhungen gewährt die Stadt Frankfurt a. M., um den Kindern der Arbeiter eine gesunde Wohnung zu verschaffen. Verwitwete und geschiedene Arbeiter erhalten, wenn sie Kinder haben, dieselben Zulagen wie verheiratete. Die Stadt Cottbus stellt in einem Ausschreiben ihrem neuen 1. Bürgermeister neben seinem Gehalt noch eine pensionsberechtigte Hausstandszulage in Aussicht, sie ist auf 500 M. jährlich bemessen, wenn er verheiratet ist und nicht mehr als 3 Kinder unter 18 Jahre hat, auf 1000 M., wenn er mindestens 4 Kinder unter 18 Jahren zu erhalten hat.

Für die Privatbetriebe wird dieser Weg einer Familienzulage nicht ohne weiteres gangbar sein. Das Interesse des Arbeitgebers würde bald dazu führen, möglichst kinderarme Arbeiter einzustellen. Darum wollen Arthur Schlossmann und Alfred Grotjahn den an und für sich guten Gedanken eines Zuschusses bei starker Familie allgemein durchgeführt sehen im Wege einer obligatorischen sozialen Versicherung, etwa in Gestalt einer weiter auszubauenden Familien- oder Mutterschaftsversicherung. Diese hätte mit wachsender Kinderzahl ein wachsendes Einkommen zu gewährleisten; kinderarme, kinderlose Familien, Junggesellen hätten in steigender Proportion die Mittel aufzubringen, aus denen Kinderhilfe an diejenigen Ehepaare zu zahlen wäre, die eine grosse Zahl noch nicht erwachsener Kinder haben. Hierdurch würde rüstigen Elternpaaren ein zahlreicher Nachwuchs leichter erträglich werden und der unerwünschte Nachwuchs minderwertiger Eltern würde eingeschränkt, die schwer drückenden Familienlasten, die gegenwärtig und in Zukunft [224] voraussichtlich noch mehr zur Geburtenprävention an unzweckmässiger Stelle verleiten, würden teilweise von der Einzelfamilie auf die Gesamtheit der Bevölkerung abgewälzt.

Auch der Grundsatz, der bereits in den neuen Steuergesetzen anerkannt ist, kinderreichen Familien Steuervergünstigungen zu bewilligen, wird weiter fortzubilden sein. Der hier einschlägige Vorschlag von Schlossmann dürfte freilich schwer zu realisieren sein. Nach ihm soll die Grundlage der Steuer nicht das Einkommen an sich sein, sondern die Summe, die sich ergibt, wenn man das Einkommen dividiert durch die Zahl der Köpfe, die von diesem Einkommen zu leben haben. Der so erhaltene Einkommen-Kopfanteil, der die Steuereinheit zu bilden hätte, würde für kinderreiche Familien wesentliche Vorteile ausmachen.

Zur Bekämpfung des Geburtenrückgangs ist weiter eine geldliche Unterstützung kinderreicher Familien aus öffentlichen Mitteln mehrfach angeregt. Um deswillen ist von Interesse das Gesetz, das unlängst in Frankreich zu diesem Zweck erlassen wurde. Darnach erhält jedes Familienhaupt, das mehr als 3 Kinder zu ernähren hat, nach der Geburt des 4. Kindes Anrecht auf öffentliche Zuwendungen, wenn es seine Bedürftigkeit nachweisen kann. Verlieren die Kinder den Vater und fallen sie der Mutter zur Last, dann beginnt die Unterstützung bereits beim 2. Kind. Ein Witwer hat vom 3. Kind an Anspruch auf Beihilfe. Der Staat verpflichtet sich, diese Unterstützung bis zum vollendeten 16. Jahr zu gewähren, wenn das Kind in das Erwerbsleben eintritt. Die Höhe der Unterstützung wird für die einzelnen Gemeinden vom zuständigen Gemeinderat festgesetzt. Sie ist in [225] den Grossstädten höher als in den Landorten. Der Mindestbetrag soll 60 fr., der Höchstbetrag 90 fr. pro Jahr und Kind sein. Die Unterstützung wird halbmonatlich ausgezahlt.

Sodann muss die Hauswirtschaft stelbst ökonomischer betrieben werden. Dazu ist vor allem eine bessere hauswirtschaftliche Bildung der Frau erforderlich. Durchschnittlich fast 9/10 alles Manneserwerbs geht durch die Hand der Hausfrau zum Zweck der Verwaltung und Verwertung. Früher, solange die Hauswirtschaft eine Produktionswirtschaft war, disponierte die Hausfrau über die Produkte der eigenen Wirtschaft und wusste in allem, was zur Hauswirtschaft gehörte, gut Bescheid. Mit der neuzeitlichen Veränderung der Hauswirtschaft kam der weiblichen Bevölkerung jene Kenntnis vielfach abhanden. Und doch ist die von der Hausfrau zu regelnde Ernährung von grossem Belang, nicht nur für Gesundheit, Wachstum und Leistungsfähigkeit der Familienmitglieder, sondern zugleich für die Familienkosten selbst. Zur richtigen Gestaltung der Ernährung bedarf es neben dem nötigen Geld auch der nötigen Haushaltskenntnisse. Es kann mit bescheidenen Mitteln eine genügende Ernährung ermöglicht werden, umgekehrt kann eine ungenügende Ernährung und schlechte Führung des häuslichen Budgets in unzweckmässiger Zusammenstellung der Speisenfolge und in mangelnder Kochkunst beruhen. Darum muss der modernen Hausfrau die Kenntnis von den diätischen Forderungen der Hygiene, von einer guten Kombination der Nahrungsmittel und Nahrungsstoffe, von einer richtigen Zubereitung und Temperatur, von einer verständigen Anwendung der Genussmittel und der Speisenfolge geläufig sein und sie muss dieselben auch praktisch alltäglich [226] zu handhaben verstehen. Und ebenso muss sie eine ausreichende Fähigkeit im rechnerischen Einteilen besitzen. Wenn in der genannten Richtung eine bessere hauswirtschaftliche Bildung des weiblichen Geschlechtes herbeigeführt wird, so kommt dies sicher dem Familienleben zugute und erleichtert die Kinderliebe. Voraussichtlich sind bezüglich einer rationelleren Hauswirtschaft Erfolge auch von dem unter Max Rubners Leitung einzurichtenden Kaiser Wilhelm-Institut für Arbeiterphysiologie zu erwarten; es verfolgt die Aufgabe, den Einfluss der äusseren Lebensbedingungen auf die Arbeitsleistung zu untersuchen und neben tieferem Verständnis für Volksernährung vom Standpunkt der Berufshygiene neue Anregungen auf dem Gebiet des Nahrungsmittelwesens und der Volkserziehung zu bringen.

Um die schöpferische Kraft der Mutter pfleglicher als bisher zu behandeln, bedarf es entsprechenden Arbeiterinnenschutzes. Er muss vor allem auf die Gesundheit der Arbeiterin, auf Hebung ihres Ernährungszustandes, auf Erleichterung des Loses der Schwangeren sowie auf harmonischen Ausgleich der eheweiblichen Erwerbsarbeit und der Tätigkeit als Mutter, also auf grössere Vereinbarkeit der erwerbswirtschaftlichen und generativen Leistung der Frau bedacht sein. Durch solchen sozialen Fortschritt dürfte auch eine soziale Verhütung des kriminellen Abortes mehr als bisher ermöglicht werden und dürften manche Kinder zum Leben gelangen, die heute noch im Keime erstickt werden. Eine Mutterschaftsversicherung würde hierbei gute Dienste leisten. Ansätze dazu finden sich bereits in der Mutterschaftskasse in Karlsruhe (seit 1909), Sebnitz i. S. (seit [227] 1910). Immerhin erleichtert die neue Reichsversicherung den Krankenkassen, durch Verbesserung der Wochenbettunterstützung, Einführung eines nachhaltigen Mutterschutzes, Einrichtung von Stillstuben, Einführung von Stillprämien, Verbesserung der Milchversorgung Wichtiges für Erhaltung der schöpferischen Kraft der Mutter und das Leben des Kindes zu tun. Neben den genannten wirtschaftlichen und hygienischen Massnahmen hat man zwecks Eindämmung des Geburtenrückgangs auch ein strafgesetzliches Verbot der antikonzeptionellen Mittel empfohlen. Ein solches Verbot dürfte mehr schaden als nützen, es leistet voraussichtlich nur einer Vermehrung der Geschlechtskrankheiten Vorschub. Statt dessen sollte der Kampf gegen Geschlechtskrankheiten durch Aufklärung der Massen weiterhin mit allem Nachdruck geführt werden.

Ob mit Moral, Ethik, Religion sich gegen die derzeitige Rationalisierung des Geschlechtslebens viel ausrichten lässt mit dem Effekt, die gesunden und kräftigen Volksbestandteile zu reichlicher Fortpflanzung zu bringen, erscheint mindestens zweifelhaft. Auch von der an sich so sehr erwünschten allgemeinen staatsbürgerlichen Erziehung dürfte nicht zu viel zu hoffen sein, soweit sie das Verantwortungsgefühl der Menschen gegen den Staat auch in dieser Sache wecken und den Boden für innere Volkserneuerung ebnen soll.

Aussichtsvoller als alle Massnahmen, die eine Hebung der Geburtenhäufigkeit, eine moralische oder materielle Prämiierung des Kindererzeugens, die Aufrechterhaltung eines Dreikinder-Minimalsystems bezwecken, erscheinen nach den bisherigen Erfahrungen die Bemühungen, [228] die Kindersterblichkeit weiter zu erniedrigen und auf diese Weise den Geburtenüberschuss noch zu steigern oder wenigstens auf bisheriger Höhe zu erhalten. Durch bessere öffentliche und private Hygiene lassen sich noch bedeutende Reserven zur Paralysierung des Sinkens der Geburten gewinnen. Zu dem Zwecke bedarf es neben der bereits erörterten grösseren Frauenökonomie, welche, abgesehen von pfleglicherer Schonung der Frau bei ihrer ausserhäuslichen Erwerbsarbeit, auch die Pflege der Frau während der Schwangerschaft und im Wochenbett verbessert, einer entsprechenden Kinderökonomie.

Bekanntlich ist dank den bisherigen Fortschritten in der Säuglingspflege im Deutschen Reich in den Jahren 1901–1910 die Säuglingssterblichkeit von 20,7 auf 16,2% der Lebendgeborenen zurückgegangen. Welche Erfolge in gleicher Richtung noch weiter möglich sind, ergibt ein Hinweis auf Schweden, wo die Säuglingssterblichkeit im Jahre 1910 nur 7,5% ausmachte, aber damit nach Meinung des Schweden Fahlbeck ihr mögliches Minimum noch keineswegs erreicht hat. Auch die weitere Fortführung einer rationelleren Säuglingsfürsorge wird davon auszugehen haben, dass das Stillen an der Mutterbrust sich als beste Lebensversicherung für die Neugeborenen, als hervorragendes Mittel zur Erzielung eines kräftigen Nachwuchses auch bei grösserer Kinderzahl sich erwiesen hat; zudem wirkt es gegenüber Viel- und Schnellgebärerei im besseren Sinne hemmend als die so manchmal zur Beschränkung der Kinderzahl empfohlenen Mittel, die die Frauen meist mit Nervosität oder schweren Unterleibsleiden bezahlen. Es gilt darum diese Aufzuchtsitte mit allen Kräften zu propagieren und die entsprechenden Voraussetzungen für Stillfähigkeit und Stillmöglichkeit zu schaffen.

Die gebildeten Klassen müssen mit gutem Beispiel hier vorangehen. Die unteren Klassen werden immer mehr folgen, namentlich, wenn noch die Säuglingsfürsorgestellen durch ärztliche [229] Beratung der jungen Mutter, Gewährung von Prämien in Geld oder Naturalien den Stillenden entsprechend mithelfen. Auch den ausserhäuslich erwerbstätigen Müttern muss Privatwohlfahrtspflege von Vereinen und Unternehmern Erleichterung der Stillgelegenheit schaffen (z. B. Stillstuben in Fabrikanlagen). Der Wert solcher Säuglingsfürsorgestellen ist aber nicht bloss städtischen und Industriegegenden sondern namentlich auch dem platten Lande zugänglich zu machen. Heute noch existieren Gegenden, wo der Bauer eher zum Tierarzt geht, wenn die Kuh krank ist, als zum Menschenarzt, wenn die Frau oder das Kind krank ist. Mit Hilfe der Aufklärung, die von Säuglingsfürsorgestellen ausgeht, werden solche rückständigen, den menschlichen Wert total verkennenden Auffassungen immer mehr weichen einer pfleglicheren Schonung der schöpferischen Kraft der Bauersfrau und einer rationelleren Aufzucht der geborenen Kinder.

Da bei den Säuglingsfürsorgestellen die ärztliche Beratung eine wichtige Rolle spielt, so kann auch die moderne Kinderheilkunde gebührend zur Geltung kommen; so manche schlechte körperliche Konstitution von Kindern vermag hierdurch nachhaltig gebessert zu werden. Durch eine individualisierende Ernährung und Pflege, durch gesteigerte Fürsorge kann die heutige Aerztekunst aus so manchem konstitutionell minderwertigen Säugling ein leistungsfähiges Individuum entwickeln.

Ebenso tut weitere Hilfe hinsichtlich der Aussenfürsorge not. Neben richtiger Ernährung ist entsprechende Pflege unerlässlich. Was vielfach bisher gegenüber hilfsbedürftigen Müttern durch Unterstützung mit Pflegegegenständen und Säuglingswäsche für die ersten Wochen des Säuglings [230] geschieht, muss für das ganze erste Jahr des Säuglings ermöglicht werden, da der nicht selten bestehende Mangel an frischer Wäsche und der nötigsten Pflegeutensilien sich gewöhnlich an der Gesundheit des Säuglings rächt. Zu dem Zweck erscheint nach dem Vorschlag von Dr. Reinach die gemeinnützige Errichtung von Säuglingsgegenständen- und -Wäschedepots im Anschluss an Säuglingsfürsorgestellen oder als eigene Institutionen zweifellos empfehlenswert. Auch die so erspriessliche Tätigkeit der Hauspflegevereine sollte noch weiter sich ausdehnen und speziell auf dem Lande mehr als bisher zur Geltung kommen.

Aber bei der Fürsorge für die Kinder im 1. Jahr darf es nicht bewenden. Die Säuglingsfürsorge ist auszugestalten in allgemeine Kinderfürsorge. Demgemäss sollten – nach dem Vorbild von Charlottenburg – die bestehenden Säuglingsfürsorgestellen fortgebildet werden zu Kinderfürsorgestellen, damit die Kinder vom 2. bis 6. Jahr, also die sogenannten Vorschulkinder oder Kinder im Spielalter, nicht länger hygienisch vernachlässigt werden. Nur durch derartige Fürsorge für die weiteren Vorschuljahre kann der durch die Pflege des ersten Jahres erreichte Erfolg gesichert werden und lässt sich neuen Gefahren wirksam begegnen, die nach dem ersten Jahr bei Hervortreten von gewissen Krankheiten (Tuberkulose, Rachitis, Skrofulose etc.) oder aus sozialen Ursachen (Not und Unvernunft der Eltern, schlechte Ernährung und Verwahrlosung der Kinder) sich ergeben. Bei solcher Kinderfürsorge ist anzunehmen, dass weit mehr Kinder als bisher das schulpflichtige Jahr erreichen und zugleich besser körperlich vorbereitet in die Schule zur geistigen Tätigkeit eintreten.

Hinsichtlich der Pflege für die Schulkinder ist in den letzten Jahren bereits viel geschehen durch Einführung von Schulärzten und sonstige schulhygienische Massnahmen (u. a. durch Walderholungsstätten und Waldschulen). Es wird auf diesem Gebiet noch weiteres geschehen können und müssen. Namentlich verdient dabei die schulärztliche Zahn-, Augen- und Ohrenpflege und entsprechende körperliche Erziehung sowie das System der „Arbeitsschule“ starke Berücksichtigung.

Da aber auch mit Verlassen der Schule die körperliche Entwicklung der Jugend keineswegs abgeschlossen ist, sondern erst den kritischen Gefahren entgegengeht, muss die Jugendfürsorge sich auf die Gruppe, die zwischen Schul- und Militärpflicht sich befindet, auf die sogenannten Jugendlichen noch ausdehnen. Die kriminellen Erscheinungen, die Verheerungen des Alkohols, die Beobachtungen der Krankenkassen, die Feststellungen beim Militärersatzgeschäft lassen eine solche Jugendpflege dringend geboten erscheinen. Auch hierbei muss Ertüchtigung der Jugendlichen (und zwar beiderlei Geschlechts) Hauptziel sein. Was die Turnvereine, Wehrkraftvereine, der Jungdeutschlandbund, die Sportvereine etc. in dieser Beziehung neuestens leisten, verdient Anerkennung und weitere Förderung. Aber daneben wird an die allgemeinere Einführung von Einrichtungen zu denken sein, die die erwerbstätige Jugend vor Schädigungen durch Berufsarbeit schützen. So sind in Schöneberg, Bremerhaven, Wien besondere Fortbildungsschulärzte angestellt, die bei den einzelnen Schülern prüfen, ob die für den erwählten Beruf erforderliche körperliche Befähigung vorliegt und ob etwa im Lauf der Lehrlingsausbildung Berufsschädigungen infolge konstitutioneller Minderwertigkeit oder Untauglichkeit für das spezielle Gewerbe in die Erscheinung getreten sind. Schwächliche Lehrlinge sollten entsprechend dem Vorschlag von Alfons Fischer in Waldarbeitsstätten gekräftigt werden, wo ihnen zugleich eine (theoretische und praktische) Ausbildung in geeigneten Gewerbearten zuteil werden kann. In Düsseldorf und Strassburg besteht neben der ärztlichen Berufsberatung, die in schulärztlichen Sprechstunden von städtischen Schulärzten den zur Entlassung kommenden Volksschülern in bezug auf die Berufswahl erteilt wird, neuerdings ein besonderes Berufsberatungsamt mit Lehrstellennachweis, seine Tätigkeit erstreckt sich nicht nur auf die Volksschüler, sondern auch auf die Schüler der mittleren und höheren Schulen und auf die Fortbildungsschüler, es leistet eine wirksame Mitarbeit an der Jugendpflege.

Schon im vorausgehenden ist wiederholt angedeutet, wie wichtig es ist, dass neben der Quantität auch die Qualität der Volksreproduktion, auch die Güte des Nachwuchses gesichert wird. In dieser Beziehung warten der Rassenhygiene grosse Aufgaben. Sie muss ergänzend an die Seite der Sozialpolitik treten und durch Aufklärung es zur guten Sitte, wenn nicht gar zum Gesetz bringen, dass die Gattenwahl rassenhygienisch gewissenhaft getroffen wird (Kreuzung mit gesundem Stamm) und eine minderwertige gehemmt wird. Auch eine künstliche Beschränkung der [231] Geburten in bezug auf minderwertige Rassenelemente kommt in Betracht. Nach dieser Richtung hat die Sozial- und Rassenhygiene (die generative Hygiene) und vielleicht die Gesetzgebung selbst die künstliche Geburtenbeschränkung wohl mehr als bisher auszugestalten, zu überwachen und durchzuführen. Unser Volkskapital hat kein Interesse daran, durch die Alkoholisten, Psychopaten, Schwindsüchtigen und all das grosse Heer der missratenen Stiefkinder der Schöpfung mit höchst zweifelhaften Werten vermehrt zu werden. Deren Kinder bleiben, um mit Hans von Hentig zu reden, besser nicht geboren. Es muss im Wege rationeller Rassenhygiene, (auch durch freiwilliges Zölibat) die Erzeugung von Minusvarianten vermindert und verhindert werden. Denn „ein Volk“, wie M. v. Gruber zutreffend sagt, „ist nicht die Summe der augenblicklich Lebenden, sondern der grossen Kette von Generationen. Volksgesundheit ist letzten Endes Gesundheit und Keimstoff. Ihr einziges verlässiges Kennzeichen ist die ungestörte Erzeugung einer zahlreichen und tüchtigen Nachkommenschaft.“ Salus societatis suprema lex.



[224]

Internationale Übersichten über den Geburtenrückgang.

(Statistique internationale du mouvement de la population, zusammengestellt von der Statistique Générale de la France.)

Deutschland davon Oesterreich[2] Ungarn
Preussen Bayern Sachsen Württemberg
Fläche qkm 540  858 348  780 75 870 14 993 19 507 300 004 325 411
Einwohnerzahl 1910 64 926 000 40 165 000 6 887 000 4 807 000 2 438 000 28 572 000 20 886 000
Lebend-Geborene
Jahres-
durchschnitt
überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw.[3] überhaupt auf 1000 Einw.
1841/1850 1 237 723 36,1 600 767 38,0 152 607 34,2 71 642 39,4 69 667 40,8 664 543 38,4 . .
1851/1860 1 285 782 35,3 653 871 37,7 152 354 33,3 80 502 39,6 61 066 35,8 683 372 37,6 . .
1861/1870 1 469 834 37,2 804 858 38,3 176 886 36,9 95 689 40,5 71 872 40,8 758 773 38,7 . .
1871/1880 1 674 844 39,1 1 007 648 39,0 203 445 40,4 118 114 42,9 81 326 43,1 832 075 39,0 . .
1881/1890 1 732 015 36,8 1 063 302 37,4 199 773 36,8 134 150 41,8 71 579 35,8 873 555 37,9 727 633 44,0
1891/1900 1 900 295 36,1 1 177 337 36,7 213 561 36,5 150 797 39,5 71 580 34,2 930 461 37,1 741 037 40,6
1901/1910 1 999 364 32,9 1 252 457 33,5 225 829 34,5 144 584 32,1 75 550 32,8 948 247 34,7 742 803 37,0
Jahr
1901 2 032 313 35,7 1 260 379 36,2 231 476 37,2 156 877 37,0 76 230 34,9 961 501 36,8 731 721 37,8
1902 2 024 735 35,0 1 255 686 35,5 232 382 36,8 154 395 35,9 76 371 34,5 984 240 37,3 759 739 38,9
1903 1 983 078 33,8 1 235 213 34,4 225 249 35,3 148 852 34,2 75 048 33,5 943 953 35,4 725 239 36,9
1904 2 025 847 34,1 1 264 534 34,7 230 443 35,6 149 744 33,9 76 349 33,7 961 430 35,8 740 799 37,4
1905 1 987 153 33,0 1 241 620 33,5 225 584 34,7 143 509 32,2 75 864 33,1 921 764 34,0 720 532 36,1
1906 2 022 477 33,1 1 269 611 33,7 226 854 34,5 144 951 31,9 76 642 33,1 961 258 35,2 733 953 36,5
1907 1 999 933 32,2 1 259 636 33,0 223 856 33,7 140 817 30,6 75 730 32,3 942 169 34,1 740 867 36,6
1908 2 015 052 32,0 1 269 399 32,7 225 950 33,6 139 872 30,0 76 368 32,2 941 375 33,8 755 888 37,0
1909 1 978 278 31,0 1 249 040 31,7 220 961 32,5 136 721 29,0 74 813 31,2 941 239 33,5 776 395 37,7
1910 1 924 778 29,8 1 219 447 30,5 215 540 31,5 130 100 27,2 72 082 29,7 923 545 32,6 742 899 35,7

[225]

Europ. Russland[4] Finnland Serbien Rumänien Bulgarien Italien
Fläche qkm 4 889 063 373 604 48 303 131 353 96 345 286 682
Einwohnerzahl 1910 118 691 000 3 093 000 2 912 000 6 966 000 4 329 000 34 377 000
Lebend-Geborene
Jahres-
durchschnitt
überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw.
1841/1850 . . 54 728 35,5 . . . . . . . .
1851/1860 . . 60 638 35,9 . . . . . . . .
1861/1870 . . 61 585 34,4 [5]54 021 44,6 136 413 33,0 . . . .
1871/1880 3 503 022 . 70 840 37,0 57 729 40,5 154 948 35,0 . . [6]1 015 577 36,9
1881/1890 4 022 120 . 77 436 35,0 88 178 45,0 206 046 41,4 . . 1 106 211 37,8
1891/1900 4 520 645 49,2 81 737 32,2 96 993 41,7 230 847 40,6 136 605 39,4 1 098 741 35,0
1901/1910 . . 90 293 31,2 105 707 38,9 260 437 39,8 167 305 41,4 1 089 524 32,7
Jahr
1901 4 801 190 48,0 88 637 32,5 96 348 38,0 240 703 39,3 141 373 37,7 1 057 763 32,5
1902 4 993 248 49,1 87 082 31,5 98 000 38,0 241 886 39,0 148 719 39,1 1 093 074 33,4
1903 4 978 305 48,1 85 120 30,4 105 553 40,9 252 246 40,1 159 164 41,3 1 042 090 31,7
1904 5 124 544 48,5 90 253 31,8 106 259 39,8 [7]256 177 40,1 167 263 42,8 1 085 431 32,9
1905 4 830 252 44,8 87 841 30,5 100 242 37,3 248 145 38,2 174 189 43,8 1 084 518 32,7
1906 5 116 919 47,0 91 401 31,3 112 973 41,3 262 438 39,9 178 989 44,0 1 070 978 32,1
1907 5 181 369 46,6 92 457 31,2 111 340 40,0 274 487 41,1 180 060 43,6 1 062 333 31,7
1908 5 042 114 44,2 92 146 30,7 103 903 36,8 272 850 40,3 169 338 40,4 1 138 813 33,7
1909 5 124 246 43,9 95 005 31,2 110 195 38,7 282 342 41,1 172 583 40,6 1 115 831 32,7
1910 . . 92 984 30,1 112 309 38,5 273 106 39,2 181 368 42,0 1 144 410 33,3

[226]

Spanien[8] Portugal[9] Schweiz Frankreich Belgien Niederlande Dänemark[10]
Fläche qkm 504 517 91 944 41 298 536 463 29 451 34 186 38 969
Einwohnerzahl 1910 19 503 000 5 613 000[11] 3 753 000 39 528 000 7 424 000 5 902 000 2 737 000
Lebend-Geborene
Jahres-
durchschnitt
überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw.
1841/1850 . . . . . . 962 812 27,4 129 968 30,9 99 660 33,0 41 483 30,5
1851/1860 . . . . . . 953 593 26,3 137 119 30,3 107 649 33,3 49 389 32,5
1861/1870 604 692 37,9 . . . . 991 486 26,3 155 513 32,0 123 840 35,8 52 713 30,7
1871/1880 . . [12]. . 84 737 30,7 934 939 25,4 171 760 32,3 138 675 36,2 59 321 31,4
1881/1890 628 283 36,2 163 762 33,0 81 460 28,1 908 620 23,9 175 828 30,2 148 099 34,2 66 616 32,0
1891/1900 632 930 34,8 160 102 30,6 87 982 28,1 853 001 22,2 186 545 29,0 158 379 32,5 69 412 30,2
1901/1910 657 479 34,4 178 272 31,8 95 083 26,9 807 054 20,6 187 549 26,1 170 346 30,5 74 156 28,6
Jahr
1901 650 649 34,9 170 773 31,5 97 028 29,0 857 274 22,0 200 077 29,4 168 380 32,3 73 219 29,7
1902 666 687 35,5 176 029 32,2 96 481 28,5 845 378 21,6 195 871 28,4 168 728 31,8 72 839 29,2
1903 685 265 36,3 183 138 33,3 93 824 27,4 826 712 21,1 192 301 27,5 170 108 31,6 72 351 28,7
1904 649 878 34,3 176 726 31,9 94 867 27,3 818 229 20,9 191 721 27,1 171 495 31,4 73 692 28,9
1905 670 651 35,2 179 746 32,2 94 653 26,9 807 291 20,6 187 437 26,2 170 767 30,8 73 082 28,4
1906 650 385 34,0 182 920 32,5 95 595 26,9 806 847 20,5 186 271 25,7 170 952 30,4 74 217 28,5
1907 646 374 33,6 176 417 31,1 94 508 26,2 772 681 19,7 185 138 25,3 171 506 30,0 74 324 28,2
1908 657 701 34,0 175 268 30,7 96 245 26,4 792 178 20,1 183 834 24,9 171 861 29,7 76 233 28,6
1909 650 415 33,5 174 753 30,4 94 112 25,5 769 565 19,5 176 431 23,7 170 766 29,1 76 301 28,2
1910 646 787 33,1 186 953 32,3 93 514 25,0 774 390 19,6 176 431 23,8 168 894 28,6 75 297 27,5

[227]

Schweden Norwegen Grossbritannien
und Irland
davon
England u. Wales Schottland Irland
Fläche qkm 447 864 322 909 313 649 151 094 77 169 81 843
Einwohnerzahl 1910 5 499 000 2 358 000 44 915 000 35 792 000 4 737 000 4 378 000
Lebend-Geborene
Jahres-
durchschnitt
überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw.
1841/1850 102 833 31,1 40 629 30,7 . . 548 874 32,6 . . . .
1851/1860 119 419 32,8 49 230 32,9 . . 647 165 34,1 . . . .
1861/1870 128 107 31,4 52 015 30,9 . . 750 010 35,2 112 080 35,0 [13]144 774 26,3
1871/1880 133 730 30,5 56 295 31,0 . . 858 878 35,4 123 231 34,9 140 228 26,5
1881/1890 135 820 29,1 60 049 30,9 1 129 263 31,2 889 024 32,5 125 193 32,3 115 046 23,4
1891/1900 133 873 27,1 63 116 30,3 1 149 022 29,1 915 515 29,9 127 992 30,6 105 502 23,1
1901/1910 136 841 25,8 62 905 27,4 1 162 849 26,9 929 821 27,2 130 693 28,4 102 335 23,3
Jahr
1901 139 370 27,0 66 207 29,6 1 162 975 28,0 929 807 28,5 132 192 29,5 100 976 22,7
1902 137 364 26,5 65 262 29,0 1 174 639 28,0 940 509 28,5 132 267 29,3 101 863 23,0
1903 133 896 25,7 65 155 28,8 1 183 627 28,0 948 271 28,5 133 525 29,4 101 831 23,1
1904 134 952 25,7 63 955 28,1 1 181 803 27,7 945 389 28,0 132 603 29,1 103 811 23,6
1905 135 409 25,7 62 698 27,4 1 163 535 27,1 929 293 27,3 131 410 28,6 102 832 23,4
1906 136 620 25,7 61 316 26,7 1 170 622 27,0 935 081 27,2 132 005 28,6 103 536 23,6
1907 136 793 25,5 60 722 26,3 1 148 624 26,3 918 042 26,5 128 840 27,7 101 742 23,2
1908 138 874 25,7 60 866 26,2 1 173 784 26,5 940 383 26,7 131 362 28,1 102 039 23,3
1909 139 505 25,6 61 407 26,0 1 145 900 25,7 914 473 25,8 128 669 27,3 102 759 23,5
1910 135 625 24,7 61 461 26,1 1 122 984 25,0 896 962 25,1 124 059 26,2 101 963 23,3

[228]

Vereinigte Staaten von Amerika Canada Mexiko
Connecticut Massachusetts Michigan Maine Vermont Provinz
Ontario
Fläche qkm 12 924 21 535 152 584 82 570 24 772 675 605 1 987 201
Einwohnerzahl 1910 1 115 000 3 366 000 2 810 000 742 000 356 000 2 239 00 15 116 000
Lebend-Geborene
Jahres-
durchschnitt
überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw.
1841/1850 . . . . . . . . . . . . . .
1851/1860 10 226 24,6 32 997 29,1 . . . . . . . . . .
1861/1870 11 330 22,7 33 847 25,7 . . . . 6 247 19,4 . . . .
1871/1880 13 904 24,7 42 688 25,9 31 846 22,5 . . 6 888 20,8 . . . .
1881/1890 16 063 23,1 50 929 25,5 42 291 22,1 . . 6 340 19,1 45 114 22,2 . .
1891/1900 20 322 24,1 69 300 27,3 44 539 19,5 . . 6 953 20,6 44 495 20,0 . .
1901/1910 24 042 24,0 79 054 25,9 52 889 20,5 15 277 21,3 7 385 21,0 50 407 22,8 . .
Jahr
1901 20 294 21,9 71 976 25,3 42 770 17,4 14 021 20,1 6 973 20,2 45 281 20,7 470 060 34,2
1902 21 216 22,4 72 219 25,0 44 971 18,2 14 508 20,6 7 239 20,9 46 973 21,3 468 131 33,7
1903 21 751 22,7 73 584 25,2 45 511 18,2 14 453 20,4 7 182 20,7 47 709 21,7 444 291 31,7
1904 22 864 23,5 75 014 25,3 46 935 18,6 14 673 20,6 7 366 21,2 49 158 22,3 459 175 32,4
1905 23 271 23,5 75 022 25,0 46 486 18,2 15 294 21,4 7 378 21,1 50 808 23,0 487 268 34,0
1906 24 641 24,5 80 237 26,3 56 241 21,8 15 878 22,1 7 520 21,5 50 621 22,9 460 190 31,8
1907 25 945 25,4 85 001 27,5 56 271 21,7 15 914 22,0 7 550 21,5 51 838 23,3 464 047 31,7
1908 26 694 25,7 86 911 27,8 62 520 23,7 16 173 22,2 7 694 21,8 55 388 24,9 508 435 34,4
1909 26 431 25,1 84 039 26,5 62 677 23,5 16 060 22,0 7 587 21,3 52 629 24,3 509 766 34,1
1910 27 314 24,5 86 539 25,7 64 109 22,8 15 798 21,3 7 356 20,6 53 664 24,9 484 714 32,1

[229]

Jamaika Uruguay Argentinien Chile Japan[14] Ceylon Austral.
Staatenbund
Neuseeland
Fläche qkm 11 526 186 925 2 885 620 757 366 382 415 65 607 7 703 708 268 270
Einwohnerzahl 1910 826 000 1 078 000 6 980 000[15] 3 415 000 50 254 000[15] 4 035 000 4 370 000 993 000
Lebend-Geborene
Jahres-
durchschnitt
überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw. überhaupt auf 1000 Einw.
1841/1850 . . . . . . . . . . . . . . . .
1851/1860 . . . . . . . . . . . . . . . .
1861/1870 . . . . . . . . . . . . 56 413 40,8 7 338 40,7
1871/1880 . . . . . . . . [16]789 816 . . . 69 347 36,1 14 810 40,5
1881/1890 22 355 37,1 24 141 40,1 . . 91 687 37,3 1 093 113 27,2 83 664 29,4 94 708 35,2 19 055 33,8
1891/1900 27 001 38,7 29 139 35,9 . . 104 198 35,7 1 270 840 29,8 112 204 34,6 104 239 29,9 18 609 26,7
1901/1910 31 106 38,2 32 987 32,9 . . 121 603 38,2 . . 145 962 38,1 107 387 26,5 23 722 26,8
Jahr
1901 31 268 40,9 31 703 33,9 176 186 35,8 115 745 39,0 150 1591 32,7 134 252 37,5 102 945 27,2 20 491 26,3
1902 30 605 39,3 31 526 33,2 174 597 34,8 115 813 38,4 1 510 835 32,8 141 893 38,5 102 776 26,7 20 655 25,9
1903 31 687 39,9 32 600 33,8 177 175 35,3 115 524 37,7 1 489 816 32,0 148 027 40,0 98 443 25,3 21 829 26,6
1904 29 025 36,1 26 984 27,6 183 844 34,0 116 950 37,6 144 0371 30,5 145 253 38,5 104 113 26,4 22 766 26,9
1905 31 618 38,8 33 709 33,9 192 865 34,0 119 650 37,9 1 452 770 30,3 150 785 38,7 104 941 26,2 23 682 27,2
1906 31 547 38,1 32 578 32,3 197 861 33,1 117 123 36,6 1 394 295 29,0 141 847 36,5 107 890 26,6 24 252 27,1
1907 29 210 35,0 33 657 32,9 . . 126 104 38,8 1 614 472 33,1 130 403 33,6 110 347 26,8 25 094 27,3
1908 31 785 37,6 35 520 34,3 . . 129 733 39,3 1 662 815 33,7 160 713 41,0 111 545 26,6 25 940 27,4
1909 32 402 37,8 35 663 33,7 294 225 42,2 129 333 38,6 1 693 850 34,2 148 891 37,5 114 071 26,7 26 524 27,3
1910 31 918 38,6 35 927 33,3 . . 130 052 38,1 . . 157 554 39,0 116 801 26,7 25 984 26,2



  1. Nach der Untersuchung von L. Berger für Preussen zeichnen sich die Landwirtschafts- und die Bergbaubevölkerung durch höchste Fruchtbarkeit aus. Geringer ist sie in der übrigen Industrie und vor allem im Handel und Verkehr. Am niedrigsten stellt sie sich innerhalb des Beamtenstandes.
  2. Ausschliesslich Bosnien und Herzegowina.
  3. Bis 1871 Zivilbevölkerung, für die folgenden Jahre Gesamtbevölkerung einschliesslich Armee.
  4. Ausschliesslich Finnland, Polen und Kaukasien.
  5. 1862–1870.
  6. 1872–1880.
  7. 1904–1910 vorläufige Ergebnisse.
  8. Einschliesslich Balearen, Canarische Inseln und Ceuta.
  9. Einschliesslich Azoren und Madeira.
  10. Auschliesslich Faröer und Island.
  11. Jahresdurchschnitt 1901–1910.
  12. 1886–1890.
  13. 1864–1870.
  14. Ausschliesslich Korea, Formosa und Pescadoren.
  15. a b 1909.
  16. 1872–1880.