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Gebet eines Irländers

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Georg Weerth
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Titel: Gebet eines Irländers
Untertitel:
aus: Vorwärts, S. 371–372
Herausgeber: Rudolf Lavant
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1886
Verlag: Verlag der Volksbuchhandlung in Hottingen
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Erscheinungsort: Zürich
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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Gebet eines Irländers.


Sankt Patrick, großer Schutzpatron,
Du sitzest auf dem warmen Himmelsthron;
O sieh mich an mit freundlichem Sinn,
Dieweil ich ein armer Paddy bin.

5
Sankt Patrick, sieh, die Nacht kommt bald,

Von England weht es herüber so kalt.
O blicke auf meinen schäbigen Frack
Und auf meinen löchrigen Bettelsack.

Sankt Patrick, thu’, was dir gefällt,

10
So groß und so schön ist ja alle Welt;

O laß mich werden, was du willt –
Nur bleiben nicht solch’ ein Menschenbild.

O laß mich werden ein Blümlein blau,
Dann mag ich trinken den kühlen Thau.

15
O laß mich werden ein braunes Reh,

Dann kann ich fressen den grünen Klee.

O laß mich werden ein stolzer Bär,
Dann geh’ ich im warmen Rock daher.
O laß mich werden ein schöner Schwan,

20
Dann wohn’ ich auf Strom und Ocean.


O mach’ aus mir einen Panther wild!
Einen Leu! daß hoch meine Mähne schwillt.
Einen Tiger! auf daß ich manch reichen Tyrann
Mit rasselnden Tatzen zerreißen kann! –

25
[372]
Doch, Patrick, ach! taub bleibt dein Ohr;

Der Paddy bleib’ ich wohl nach wie vor.
’s bleibt Alles wie sonst und die Nacht ist kalt,
Und der Dan O’Connell*) wird dick und alt.


*) Nationaler irischer Agitator.