Zum Inhalt springen

Friedrich Wilhelm III. von Preußen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Friedrich Wilhelm III. von Preußen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 508
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1858
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[508] Friedrich Wilhelm III. von Preußen hielt ein Manöver. Friedrich Wilhelm III. sprach bekanntlich, wenn er lebhaft wurde, ziemlich rasch, kurz abgebrochen und undeutlich. Dabei hatte er, wie mild und wohlwollend er überhaupt war, es ungern, wenn er nicht sofort verstanden wurde, und eine Frage machte ihn noch lebhafter, so daß, wenn er seinen Satz wiederholen mußte, der sehr schwer zu verstehen war.

Am schlimmsten war das, wenn der König ein Feldmanöver commandirte und seine Befehle auf das Schnellste und auf das Pünktlichste vollzogen werden mußten. Seine Adjutanten freilich, die täglich um ihn waren, hatten seine Ausdrucksweise so studirt und sich bald so an sie gewöhnt, daß schon ein einzelner Ton, ein Wink des Königs ihnen verrieth, was er wollte.

Aber bei einem Manöver reichten die Adjutanten des Königs nicht aus, die verschiedenen Befehle an die einzelnen Commandeure nach allen Seiten zu überbringen und es wurden immer ein Anzahl anderer Officiere als Ordonnanzofficiere in die Umgebung des Königs commandirt. Und diese verstanden den König desto schlechter.

Bei einem Manöver hatte der König seine sämmtlichen Adjutanten mit Befehlen fortgeschickt. Nur noch ein Lieutenant, einer jener unglücklichen Ordonnanzofficiere hielt bei ihm. Der junge Mann war in Höllenangst. Seit einer Stunde hatte er alle jene Befehle gehört, von denen er kein Wort, keine Sylbe verstanden hatte. Die Adjutanten hatten sie verstanden, und doch hatte er bemerkt, wie der König schon ungeduldig geworden war, wenn einer von ihnen nur eine Secunde lang über den Sinn der königlichen Worte zweifelhaft nachgesonnen hatte.

„Wenn ich nur keinen Befehl bekomme!“ jammerte der Lieutenant für sich. Da bekam er schon einen.

„Lieutenant R.,“ rief der König plötzlich hastig, „reiten zum General Thile und sagen –“

Und nun verstand der Officier in seiner Angst nichts mehr, er hörte nur Töne, die ihm vorkamen wie Remteremteremteremtemtem. Einen Augenblick war der junge Mann wie von einem Schlage gerührt.

„Reiten!“ befahl der König dringender.

Da hatte er sich aber auch schnell gefaßt. Er setzte seinem Pferde beide Sporen ein und jagte im gestreckten Galopp, als wenn hinter ihm der Tod herjage, zu dem General Thile, der ungefähr eine Viertelstunde entfernt stand. Als der bei dem General ankam, rief er, so eilig, wie er herangesprengt war:

„Excellenz, Majestät lassen befehlen, remteremteremterem.“

„Herr,“ rief der General, „was lassen Se. Majestät befehlen?“

„Remteremteremteremterem.“

Und er gab seinem Pferde wieder die Sporen und jagte zum Könige zurück, als wenn er sich dort das Leben holen solle.

Man hat übrigens nicht gehört, daß das Manöver verunglückt wäre.