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Franz Xaver Gabelsberger (Die Gartenlaube 1889/6)

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Textdaten
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Autor: S.
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Titel: Franz Xaver Gabelsberger
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 98–99
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Würdigung Franz Xaver Gabelsbergers zu seinem 100. Geburtstag
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Bearbeitungsstand
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[98] Franz Xaver Gabelsberger. Unsere Zeit, die so wenig Zeit hat, sie hat sich auch die Mittel geschaffen, Zeit zu gewinnen. Tagereisen unserer Väter legt sie im dampfbeflügelten Bahnzug in wenig Stunden zurück, mit der Geschwindigkeit des Blitzes trägt sie im elektrischen Draht die Worte von einem Ende der Erde zum andern, ja selbst den geringen Zeitverlust, der mit dem Schreiben, Aufgeben, Ausfertigen und Bestellen eines Telegramms verbunden ist, erspart sie noch und redet von Mund zu Mund durch den Fernsprecher, das Telephon. Und wie umständlich, wie zeitraubend das Entwerfen eines Briefes, eines Berichts in der landesüblichen Kurrentschrift! Wir machen es kürzer, wir stenographiren! Die Stenographie ist ein rechtes Kind der Gegenwart, entsprungen aus den Bedürfnissen des parlamentarischen Systems, wie es seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts in unseren deutschen Staatsverfassungen allmählich zur Geltung kam; genährt von dem Geist der Eile und Hast, des Strebens nach möglichster Ersparniß an Zeit und Raum, an geistiger und körperlicher Kraft, hat sich die Stenographie zu einer der bedeutsamsten Erscheinungen unseres Jahrhunderts gestaltet. Der Mann, den man unbeschadet der Rechte früherer Geschwindschreiber, von dem alten Tiro an, der Ciceros „Quousque tandem“ mit wenigen Haken schrieb, als den Erfinder der Stenographie bezeichnen kann, Franz Xaver Gabelsberger, ist gerade vor hundert Jahren, am 9. Februar 1789, zu München geboren.

Es war um das Jahr 1817. Da sitzt der etwas kränkliche bayerische Kanzlist in seinen Freistunden beim Schein der Lampe und macht sich ein System von Schriftzeichen zurecht, bequem, leichtfließend, um in den Sitzungen des bayerischen Ministeriums den Vorträgen der Redner mit dem Nachschreiben besser folgen zu können.

Die Schaffung einer bayerischen Ständeversammlung giebt ihm die erste Gelegenheit, seine Erfindung auch öffentlich zu erproben; welch ein Siegeszug von da bis heute, wo in 50 deutschen und außerdeutschen Parlamenten die Reden der Volksvertreter ausschließlich oder doch theilweise nach seinem System festgehalten werden, wo über 500 Gabelsberger Stenographenvereine mit rund 15 000 Mitgliedern bestehen und Hunderttausende außerhalb derselben sich der nützlichen Schriftzeichen bedienen, ja, wo sogar eine förmliche Akademie, das k. sächsische stenographische Institut in Dresden, sich die Pflege der Gabelsbergerschen Stenographie zur Aufgabe gemacht hat! Man kann den Geist der Zeit, von welchem die Stenographie ein äußeres Anzeichen ist, beklagen, man kann sich zurücksehnen nach den [99] schönen Zeiten, da man noch langsamer, bedächtiger, gemüthlicher lebte und schrieb – trotzdem wird man dem genialen Erfinder der Gabelsbergerschen Stenographie an seinem hundertjährigen Geburtstage den Zoll ehrenvollen Gedächtnisses nicht versagen dürfen. S.