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Flora und die Blumen

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Flora und die Blumen
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Dritte Sammlung) S. 18-19
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1787
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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[18]

  
               Flora und die Blumen.


     „Kinderchen des holden süssen Frühlings,
Hört o hört der Mutter treue Warnung,
Wenn ein lauer Winterwest euch heuchelt,
Trauet nicht dem heuchelnd-bösen Mörder.

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     Wartet, bis der goldne Vater rufet,

Bis die treue Mutter euch erscheinet,
Die euch weckt aus euren Winterbettchen
Und euch Kleider bringt und schöne Häubchen,“

     Also sprach zu ihren Blumenkindern

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Flora scheidend und ging auf zum Himmel.

Alle Blumen sagten ihr Gehorsam
Und Geduld zu, bis sie wiederkäme.

[19]

     Als sie kam; der goldne Vater Frühling
Rief die Kinder aus dem Winterschlafe,

15
Und die Mutter brachte schöne Kleider,

Lief umher und sucht’ und zählet’ alle.

     Ach da fand sie manches schöne Knöspchen
Früh hervorgelockt vom bösen Mörder.
Ausgetreten wars aus seiner Zelle,

20
Hatt’ hervorgeblickt mit seinen Aeuglein;


     Und war bald erstarret, von des bösen
Heuchelnden Verführers Hauch vergiftet:
Denn der Winterwest war Frost geworden
Und erstarret stand das arme Blümchen.
   

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     Traurig rief die Mutter ihrem Zephyr,

Der es brach; und sie begrub es weinend.
Ach das ungeduldge, frühe Blümchen
Prangt nun nimmer mehr im Lenz der Flora.