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Fastnachtszug der Schiffer in den Hafeldörfern

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: P. L.
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Titel: Fastnachtszug der Schiffer in den Hafeldörfern
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 100
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Fastnachtszug der Schiffer in den Haveldörfern.
Nach einer Originalzeichnung von P. Colanus.

Fastnachtszug der Schiffer in den Haveldörfern. (Mit Abbildung.) Die alten Volksfeste sind aus dem öffentlichen Leben Berlins völlig verschwunden; die aus allen Provinzen und Ländern zusammengewürfelte Bevölkerung der jungen Weltstadt hatte kein Verständnis für die festlichen Ueberlieferungen der ehr- und betriebsamen Bürger der guten und getreuen Stadt Friedrichs des Großen und Friedrich Wilhelms III. und so vergaß man ein Fest nach dem andern, das früher die gesamte Einwohnerschaft tage- und wochenlang vorher beschäftigt hatte: das Schützenfest, die Motten- und Fliegenfeste der Innungen, die Feier der Völkerschlacht bei Leipzig, das Fest der Schlacht bei Großbeeren, das aus Freude über die einstige Rettung Berlins vor den Franzosen begangen wurde. Am längsten hielt sich noch der Stralauer Fischzug, dessen Ursprung man aus wendischen Zeiten herleitet; aber trotz seiner immer wieder versuchten künstlichen Belebung hat er seine ehemalige Bedeutung völlig verloren und findet kaum noch Beachtung. Man muß schon weiter in die Mark Brandenburg hineinstreifen, um noch auf echte und rechte Volksfeste, wie sie sich seit Jahrhunderten erhalten haben, zu treffen, so auf den Fastnachtsumzug der Schiffer und Fischer in den Haveldörfern, der als ein Rest der früheren öffentlichen Fastnachtsspiele angesehen werden kann. An diesem Tage herrscht ein erregtes Leben in den sonst zur Winterszeit so ruhigen Dörfern und Dörfchen an der Oberhavel bei Zehdenick, Liebenwalde, Oranienburg etc.; in den Häusern duftet es nach frischgebackenem Kuchen, weißer Sand ist auf die Dielen gestreut, und oft genug öffnen sich die Fenster und es wird Ausschau gehalten die Dorfstraße hinunter. Nun dringt von fernher fröhliches Gejubel heran, von schallender Musik begleitet, und es naht der von der gesamten Dorfjugend umschwärmte Zug der Schifferknechte, wetterfester, stämmiger Gestalten, von denen zwei an einer langen Stange ein vollgetakeltes Schiff tragen, während der „Sprecher“ voranschreitet. Vor verschiedenen der Häuser, die von den Schiffermeistern bewohnt werden, hält der Zug. Die Musik schweigt, der Sprecher richtet seine Ansprache, in der es an mancherlei humoristischen Anzüglichkeiten, an zeitgemäßen Wünschen und Beschwerden nicht fehlt, an den herausgetretenen Meister, und dieser wirft nach dem Hoch auf ihn und nach dem Tusch der Musik ein Geldgeschenk in das Schiff. Ist der Umzug beendigt, so geht’s mit lustigem Gesang nach dem Wirtshause, vor welchem bekränzte und buntbewimpelte Mastbäume errichtet sind. Hier findet ein gemeinsames Schifferessen statt, worauf sich jung und alt zu frohem Tanz vereint. P. L.