Zum Inhalt springen

Für unsere von zwiefachem Unglück heimgesuchten Oesterreicher (Die Gartenlaube 1878/38)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Für unsere von zwiefachem Unglück heimgesuchten Oesterreicher
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 632
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[632]
Für unsere von zwiefachem Unglück heimgesuchten Oesterreicher.

Wir leben in einer Zeit, welche an Stürmen jeder Art gegen Völker und Menschenglück so reich ist, daß die öffentliche Theilnahme selbst für die im Augenblicke ergreifendsten Schicksale durch immer neue Ereignisse rasch übertäubt wird und bald genug auch in der Tagespresse keine Nahrung mehr findet. Nur wenige Wochen sind vergangen seit alle Blätter ihre Spalten mit den Schilderungen der furchtbaren Ueberschwemmung in zwei der blühendsten Tiroler Alpenthäler füllten, – und schon heute verlautet in den außertirolischen Zeitungen über all jene Verwüstungen kein Wort mehr. Aber die Unglücklichen, welchen die Gletscherströme Ernte und Acker zugleich fortgerissen, welche wüste Gestein- und Schlammhaufen fanden, wo sie ihre Häuser und Fluren gesucht, diese Unglücklichen stehen noch heute vor ihrem unabsehbaren Elend und bedürfen ausgiebigster Hülfe. Für sie war in ihrer Armuth keine andere „Versicherung“ möglich, als die des Vertrauens, daß ihre Mitmenschen sie nicht ganz verlassen und dem Verderben preisgeben würden.

Was hier ein Sturm der Natur in wenig Stunden vollbracht, das bewirkt, nur noch wilder und grausamer als die Natur, zu gleicher Zeit und vielleicht noch lange für Tausende der Krieg. Der in seiner ganzen Ausbreitung und Stärke nicht vorausgesehene Widerstand, auf welchen Oesterreichs Truppen in Bosnien stießen, kostet dem stammverwandten Nachbarreiche schwere Opfer, die schwersten an Menschenleben und Familienglück. Wir brauchen unsere deutschen Leser nicht erst an jene Tage zu erinnern, wo wir nach den „Verlustlisten“ unserer eigenen Heere in Frankreich mit zitternden Händen gegriffen, um sie zugleich daran zu mahnen, mit welch brüderlicher Theilnahme man damals in Oesterreich für unsere Verwundeten und die Wittwen und Waisen der Gefallenen gesammelt hat. – Jetzt ist es an der Zeit, Treue gegen Treue, Theilnahme gegen Theilnahme zu bewähren.

Und so richten wir nun an unsere Leser die Bitte, für unsere von solchem zwiefachen Unglück heimgesuchten Oesterreicher recht tief in die Säckel zu greifen. Wir sagen „unsere Oesterreicher“, weil die „Gartenlaube nicht ein Blatt nur der Deutschen im Reiche, sondern des ganzen deutschen Volkes ist, das ja jenseits der Reichsgrenzen und der Meere noch nach Millionen zählt. An sie Alle ergeht unsere Bitte. Gaben ohne besondere Bestimmung theilen wir zwischen die Tiroler und die Kriegsbedrängten. Der Opferstock ist aufgestellt: möchten wir recht bald berichten können, daß er in den Stand gesetzt ist, Wunden heilen und Thränen trocknen zu helfen.

Leipzig, im September 1878.
Die Redaction der „Gartenlaube“.