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Für Hans Sachs ein Denkmal in Nürnberg!

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Textdaten
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Titel: Für Hans Sachs ein Denkmal in Nürnberg!
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aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 485–486
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Für Hans Sachs ein Denkmal in Nürnberg!

Das projectirte Hans Sachs-Denkmal.

Es ist ein gutes Zeichen, daß wir in Deutschland wieder den Muth gewinnen, an Ehrenmale für unsere großen Männer zu denken, und daß der erste Aufruf dazu nach dem letzten deutschen Sturmjahre einem der edelsten und reinsten Vertreter bürgerlicher Kunst- und Gewerbsübung im Reformationszeitalter gilt, verleiht ihm noch höhere Bedeutung.

Die Gegenwart kann unserem großen Meistersänger und fruchtbarsten Dichter Hans Sachs nicht ein Denkmal setzen für Das, was er ihr ist – denn von seinen mehr als sechstausend Gedichten, Liedern, Erzählungen, Schwänken, Fastnachtsspielen, weltlichen und geistlichen Tragödien und Komödien sind nur die wenigsten in ihrem einstmaligen Werthe der heutigen Generation verständlich – sondern wir müssen uns an den Mann selbst halten, und für Das, was er seiner Zeit war, hat die unsere ihn zu belohnen.

Darum feiern wir ihn als den tapferen Verfechter und [486] warmen Freund alles Wahren, Guten und Schönen, als den kühnen Ankläger jeder Lüge, Schlechtigkeit und Nichtswürdigkeit, als einen wahren deutschen Mann und als den treuesten Dichter des neuen Glaubenslichtes. Von seinem berühmten Hochgesang auf „die wittenbergisch Nachtigall“ bis zu seiner „Klagred ob der Leich Dr. M. Luther’s“, dreiundzwanzig Jahre lang, war Hans Sachs der ebenso unerschrockene wie unermüdliche dichterische Wortführer der Reformation, für die er vor Vielen segensreich wirkte im deutschen Volke, welches seine geistlichen Lieder und Kampfgedichte längst abschriftlich über ganz Deutschland verbreitet hatte, ehe ihnen die Ehre des Buchdrucks zu Theil wurde. Gar wohl hätte Hans Sachs es verdient, am großen Wormser Reformationsdenkmal auch seine Stelle mit zu finden.

Nicht um dies als Versäumtes nachzuholen, sondern weil es gerecht ist, daß in Nürnberg neben dem großen bildenden Künstler – Albrecht Dürer– auch dieser an Vielseitigkeit und Fruchtbarkeit ihm ebenbürtige Dichter und Kämpfer des Reformationszeitalters von den dankbaren Nachkommen in gleicher Weise geehrt werde, ergeht an das patriotische Deutschland der Ruf: „für Hans Sachs ein Denkmal in Nürnberg!“

Wie bei dem großen Feste zu Worms die Deutschen jeden Glaubens nur Ein Stolz erfüllte, der auf die Ehre des deutschen Namens, der in den ehernen Gestalten des Monuments seine Verherrlichung gefunden, und wie dort das Gefühl dieser Ehre um die durch kirchliche, politische und sociale Risse tausendfach gespaltene Menge das Band der Einigkeit in Einem Geiste schlingen konnte: so, in demselben Geiste, wenn auch in angemessen bescheidenerem Maße, möge die Theilnahme sich zeigen, welche die Deutschen aller Farben und Fahnen diesem Aufrufe für die Ehre unsers Hans Sachs entgegentragen! Mögen sich Alle einen in dem Ausspruch, den Goethe unserem Nürnberger Dichter widmet:

„Einen Eichenkranz, ewig jung belaubt,
Den setzt die Nachwelt ihm auf’s Haupt!“

In welcher Weise der Künstler, Bildhauer Kraußer in Nürnberg, sich das einstige Erzbild des Meistersängers gedacht und im Modell ausgeführt hat, deutet unsere Abbildung in Holzschnitt an. Die Ausführung in Erz würde höchstens zwanzigtausend Gulden in Anspruch nehmen; wahrlich, so viel ist der deutschen Nation ihr Hans Sachs doch wohl werth, daß sie ihm in Nürnberg, der allen Deutschen als ein nationales Kleinod werthen Stadt zu Liebe, diese verhältnißmäßig so unbedeutende Summe in kürzester Zeit auf den Altar des Vaterlandes niederlegen wird.

Selbstverständlich legt die Gartenlaube diese Angelegenheit, zu deren Veröffentlichung das Comité sie beauftragt, vor Allen ihren Lesern an’s Herz, überzeugt, daß dieser Opferstock in Nürnberg nicht vergeblich aufgestellt ist!