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Ersatz für den Federtuff der Damenhüte

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Ersatz für den Federtuff der Damenhüte
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 100 d
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[100 d] Ersatz für den Federtuff der Damenhüte. Es gereicht den deutschen Männern und Frauen zur Ehre, daß sie überall rührig in die Agitation gegen das Hinmorden der bunten Sing- und Tropenvögel mit eintreten. Der Erfolg blieb nicht aus: schon vergangenen Herbst brachten mehrere große Modezeitungen lauter Hutgarnituren von hochstehenden Bandschleifen mit ein paar Federn von Tauben und Hühnern, Perlhuhn, Fasan, kurz von solchen Vögeln geschmückt, die nicht singen und dem Bedarf der Küche dienen. Auch die wallende Straußenfeder darf ruhig weiter getragen werden, sie ist ein Produkt massenhafter Züchtung, und ihre Verwendung bedroht die Existenz der Strauße im allgemeinen nicht. So sehr man nun der Schutzbewegung für die armen Waldsänger und Zugvögel beistimmen muß, so ist anderseits nicht zu verkennen, daß die „Modethorheit“ des Federschmuckes für den menschlichen Kopf eine sehr alte, den meisten Völkern gemeinsame ist. Zur Kalamität steigert sie sich nur dadurch, daß heutzutage tausendmal mehr Frauenköpfe nach geputzten Hüten verlangen als früher, wo nur die Reichsten dergleichen trugen. Der Federputz hat außer dem Gutkleiden die großen Vorzüge der Unveränderlichkeit in Wind und Wetter, daher schreibt sich seine Beliebtheit. Bänder erschlaffen, Spitzen sinken in sich zusammen, selbst Straußenfedern verlieren die Kräuselung in Regenzeiten. Es wäre also jetzt eine große Aufgabe für unsere Fabrikanten, einen Ersatz für den Vogelschmuck zu schaffen, ein Etwas, elegant und doch widerstandsfähig, das kleidsam emporgipfelt, den Reiherbusch oder die graziösen Flügelspitzen imitiert, ohne dem Vogelmord sein Dasein zu verdanken. Heutzutage, wo man die feinsten Flockgewebe, die zartesten Farbentöne hat, wo Hartgummi, gesponnenes Glas, Metallfäden, Perlmutter, Celluloid, Schmelz und Jet in allen Schliffen zur Verfügung stehen, wo auch das Gefieder von Tauben und Hühnern gefärbt und mit verwendet werden kann, heute sollte eine derartige Erfindung einem talentvollen Kopfe wohl glücken! Sie allein würde dem Vogelmord im großen steuern, denn eine noch so schlechte und thörichte Mode wird nie durch vernünftige Vorstellungen, sondern immer nur durch eine neue Mode abgethan. Also Erfinder und Erfinderinnen, an die Arbeit! Hier winkt ein Feld, das der Mühe lohnt und reiche Frucht bringen kann!