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Erklärung des Herausgebers

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Textdaten
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Autor: Friedrich Schiller
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Titel: Erklärung des Herausgebers
Untertitel:
aus: Thalia - Dritter Band, Eilftes Heft (1790), S. 143–144
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1790
Verlag: Georg Joachim Göschen
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld bzw. Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[143]
VIII.
Erklärung des Herausgebers.

Den genannten und ungenannten Hrn. Verfassern dramatischer und lyrischer Produkte, welche seit etlichen Jahren bei mir eingesandt worden sind, um einen Platz in der Thalia einzunehmen, bezeige ich meinen Dank für das Vertrauen, das sie in mich haben setzen wollen, unter meinem Geleite sich bei dem Publikum einzuführen.

Unter diesen eingesandten Stücken befinden sich mehrere, welche mir die Erstlinge ihrer Autoren zu seyn scheinen, und über deren Werth oder Unwerth ich aufgefodert werde, ein entscheidendes Urtheil zu fällen. Diesen also erkläre ich hier mit der Aufrichtigkeit, die ihr Vertrauen mir zur Pflicht macht und zum Theil die völlige Unwissenheit ihrer Nahmen und Personen mir erleichtert, daß die Nichterscheinung ihrer Aufsätze in meiner Thalia dieses entscheidende Urtheil nicht ist, und daß selbst die Achtung die das Talent ihrer Verfasser mir einflößte, mit der Unterdrückung ihrer ersten Versuche sehr gut bestehen kann. So gern ich denselben durch Aufnahme ihrer Produkte in meine Thalia Gelegenheit zu geben gewünscht hätte, ein öffentliches Urtheil über sich zu hören, so wenig konnte dieses mit den Rücksichten bestehen, die ich den Lesern der [144] Thalia schuldig zu seyn glaube. Mein Urtheil, in kurzen Worten und ohne Beweis hingeworfen, würde die Absicht, wegen welcher es verlangt und gesagt wird, sehr schlecht erfüllen, und zu vielen Worten fehlte mir die Zeit. Von mehrern dieser HH. Verfasser werde ich, wie ich vermuthe, jetzt schon losgesprochen seyn. Zwischen Einsendung Ihrer Beiträge und dieser meiner Erklärung ist bereits mehr als ein Jahr verflossen, und während eines Jahres pflegt sich bekanntlich in einem guten Kopfe gar vieles zu verändern. Sollte mir übrigens begegnet seyn, durch meine stillschweigende Verwerfung ein wirkliches Talent beleidigt zu haben, so wird sich dieses Talent sicherlich einmal durch vortrefliche Werke an der Ungerechtigkeit meines Urtheils rächen; mir aber vergebe man, wenn ich glaube, daß bey der kritischen Wahl, entweder das wahre Genie abzuschrecken, oder das falsche zu ermuntern, in ersterm Falle am wenigsten gewagt werde. Das wahre Genie richtet sich zwar zuweilen an fremdem Urtheile auf, aber das entwickelte Gefühl seiner Kräfte macht ihm bald diese Krücke entbehrlich.

Schiller.