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Elephantenschildkröten im Hamburger Zoologischen Garten

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Textdaten
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Autor: Dr. Heinrich Bolau
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Titel: Elephantenschildkröten im Hamburger Zoologischen Garten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 548
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[548] Elefantenschildkröten im Hamburger Zoologischen Garten. (Mit Abbildung.) Reisende, die im sechzehnten oder siebzehnten Jahrhundert den Indischen oder den Stillen Ocean befuhren, melden von riesigen Land-Schildkröten, die sie in zahllosen Scharen auf einigen einsam im Weltmeer liegenden Inselgruppen angetroffen hatten. Die Galapagos-, d. i. Schildkröteninseln, vulkanische Inseln im Stillen Ocean südlich nahe dem Aequator, sind die eine dieser Gruppen; im Indischen Ocean waren es die Maskarenen mit Reunion, Mauritius und Rodriguez, die Seychellen und das einsame Koralleneiland Aldabra, wo man damals Schildkröten in so großen Mengen antraf, daß sie während vieler Jahre erwünschten Proviant für die dort landenden Schiffe lieferten.

Elefantenschildkröten im Hamburger Zoologischen Garten.
Nach einer Skizze gezeichnet von A. Specht.

Damals waren diese Inseln von Menschen noch nicht bewohnt, und an Raubtieren, die unseren Reptilien hätten gefährlich werden können, fehlte es auch gänzlich. So kam es denn bei der Langlebigkeit der Tiere und bei dem Ueberfluß an Nahrung, den sie überall fanden, ganz von selber, daß ihre Zahl von Jahr zu Jahr wuchs und schließlich ins Ungeheure anstieg. Leguat schrieb im Jahre 1691 von der Insel Rodriguez „Es giebt dort so viele Schildkröten, daß man zuweilen zwei- bis dreitausend von ihnen in einer Herde vereinigt sehen und mehr als hundert Schritte weit auf ihren Rücken gehen kann.“ Infolge der Nachstellungen seitens der Schiffer und Ansiedler schmolz jedoch die Zahl der Schildkröten rasch dahin, so daß es heute auf den obengenannten Inseln des Indischen Oceans nur noch wenige mehr giebt. Die Riesenschildkröten der Inseln des Indischen Oceans und die der Galapagosinseln gehören einer eigentümlichen Gruppe von Landschildkröten an, die durch einen lang vorstreckbaren Hals und durch eine gleichförmig dunkelbraune oder schwarze Färbung ohne jede Abzeichen ausgezeichnet ist, der Rückenschild ist wie bei allen Landschildkröten stark gewölbt.

Fast jede größere Inselgruppe und jede bedeutendere Insel beherbergt oder beherbergte eine besondere, durch wenig auffallende Merkmale ausgezeichnete Art. So kommt es, daß man etwa zehn noch heute lebende und fünf bis sechs ausgestorbene Arten Riesenschildkröten zählt. – Von den beiden Elefantenschildkröten, Testudo elephantina Gthr. in deren Besitz der Hamburger Zoologische Garten durch die Güte des Herrn Dr. Aug. Brauer in Marburg gekommen ist und die aus der Gefangenschaft von den Seychellen herstammen, gehört die größere zu den allergrößten ihrer Art; ihr Rückenschild mißt in gerader Linie 1 m 24,5 cm, über die Wölbung aber 1 m 55,5 cm in der Ruhe, d. h. wenn sie nicht auf den Beinen steht, ist sie 60 cm hoch. Sie stimmt demnach mit den beiden größten Schildkröten, die in Museumssammlungen aufbewahrt werden, in den Maßen fast genau überein, das Britische Museum besitzt ein Stück von 49 Zoll engl. = 1 m 24,5 cm, das Tring Museum des Baron Walter Rothschild ein anderes von 49½ Zoll = 1 m 25,7 cm Länge. Bei ihrer Ankunft in Hamburg wog die größere der beiden auf unserer Zeichnung dargestellten Aldabraschildkröten 431 Pfund. Das kleinere Tier ist geradlinig 93,5 cm, über die Wölbung 128,5 cm lang, es wog bei seiner Ankunft gerade 300 Pfund.

Die Schildkröten kamen nach der Seereise in Hamburg sehr ausgehungert an und zeigten darum eine erstaunliche Freßlust. Sie haben nämlich in den ersten 32 Tagen zusammen 1225 Pfund Weißkohl, d. h. täglich durchschnittlich 38¼ Pfund gefressen. Dementsprechend war auch ihre Gewichtszunahme, die bei der größeren Schildkröte etwa 1 Pfund für den Tag betrug.

In ihrer Heimat nähren sich die Aldabra- und anderen Riesenlandschildkröten von Gras und Kräutern verschiedenster Art, in der Gefangenschaft erhält man sie mit Weißkohl, Mohrrüben, Salat und Gras. Dr. Heinrich Bolau.