Zum Inhalt springen

Einer Amsel

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Albert Moeser
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Einer Amsel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 122
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[122]

          Einer Amsel.

Ich schreit’ allein am Waldesrand;
Rings liegt verschneit das weite Land;
     Die Luft geht kalt und schnöde.
Da fliegst du auf vom Beerenbusch

5
Und eilst mit Schrei und scheuem Husch

     In tief’re Waldesöde.

O bleib’! Nicht grausam ist mein Sinn –
Nicht wähne, daß ein Feind ich bin!
     Es droht dir keine Falle;

10
Lieb und vertraut in Wald und Flur

Sind mir der schaffenden Natur
     Unmünd’ge Kinder alle.

Und sieh’! uns drückt dasselbe Leid,
Die freudenlose Winterzeit

15
     Schafft Grauen uns und Bangen;

Nach Frühlingsglanz und Frühlingslust
Lebt dir wie mir in tiefster Brust
     Ein sehnendes Verlangen.

Geduld! Liegt todt auch Wald und Au’,

20
Verrauscht mit Reif und Wolkengrau

     Sind schon die schlimmsten Tage.
Schon zog in’s Land der Februar;
Des Märzen Luft, so mild und klar,
     Weckt neue Pracht im Hage.

25
Dann zieht ein heimlich-süßer Hauch

Durch Wald und Flur und Baum und Strauch –
     Die Veilchen blühen wieder;
Dann sitzest du auf hohem Ast
Und singst im ersten Frühlingsglast

30
     Die altgewohnten Lieder.


Bald grünt die Flur – dann sommerlang
Fliegst liebend du um Hald’ und Hang,
     Bist allem Leid entronnen;
Ich aber geh’ durch’s bunte Feld

35
Und freu’ mich still der schönen Welt

     Und deiner Liebeswonnen.

          Albert Moeser.