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Eine deutsche Revue

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Eine deutsche Revue
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aus: Die Gartenlaube, Heft 43, S. 732
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[732] Eine deutsche Revue. Das diesjährige Octoberheft der in Berlin (bei Karl Habel das.) erscheinenden Zeitschrift „Deutsche Revue“ bringt einen sehr beachtenswerthen Mahnruf von Prof. Schenkel in Heidelberg über die nationale Bedeutung der religiösen Frage. Einen Mahnruf nennen wir diesen warm und glänzend geschriebenen Artikel des berühmten liberalen Theologen, weil er sein Thema nicht blos zu wissenschaftlichem Zwecke erörtert, sondern mit der Kraft und Klarheit seiner Beweisführungen an das Bewußtsein der Nation sich wendet, ihr Gewissen und ihre Thatkraft schärfen, ihr politisches Pflichtgefühl beleben will. Bei der Verschiedenheit unserer Parteistandpunkte wird man ja von dieser und jener Seite her manche Auffassung und Folgerung Schenkel’s nicht gelten lassen. Von einer argen Unwissenheit jedoch oder von einem hohen Grade beschränkten und blinden Parteieigensinnes würde es zeugen, wenn Jemand der Einsicht sich verschließen wollte, daß die religiöse Frage kein unwirkliches Phantasiespiel, sondern eine weltgeschichtliche Thatsache, eine unabweisbare lebendige Realität ist und daß sie namentlich seit den Zeiten der Reformation bis zu diesem Augenblicke als eine vorwiegend bestimmende und treibende Macht in allen Kämpfen und Krisen, allen Wendungen und Entscheidungen unserer deutsch-nationalen Geschicke sich erwiesen hat. Unzählige ahnen, fühlen und sagen das, aber der von tiefem und überzeugungsvollem Patriotismus beseelte Aufsatz Schenkel’s zeigt uns den rothen und schwarzen Faden in dem Verlaufe aller historischen Ent- und Verwicklungen so deutlich und mit so eindringlicher Consequenz, daß es nicht als ein luftiges Raisonnement, sondern als ein Ergebniß positiven Wissens erscheint, wenn der Verfasser mit der Warnung schließt: „Unsere nationalen Erfolge sind nur dann gesichert, wenn wir den uns aufgedrungenen Kampf gegen die clericalen Ein- und Uebergriffe (nach römischer wie protestantischer Seite) fest und beharrlich, ohne jedes Zurückweichen, jedes Wanken und Schwanken zu Ende führen. Mögen die Gleichgültigen zu der Einsicht gelangen, daß sich gegenwärtig in diesem Kampfe eine geschichtliche Nothwendigkeit vollzieht, daß im deutschen Reiche in ungeschmälerter Freiheit Raum für Alle, aber kein Platz mehr ist für theokratische und clericale Herrschaftsgelüste!“

Die „Deutsche Revue über das gesammte nationale Leben der Gegenwart“, welche unter Anderm diese klärende Aeußerung aus bewährter Feder bietet, dürfte wohl Vielen unserer Leser noch nicht in die Hand gekommen sein. Wir glauben uns daher Dank zu verdienen, wenn wir hier die Aufmerksamkeit auf diese seit Jahresfrist von Richard Fleischer herausgegebene Monatsschrift zu lenken suchen. Dieselbe darf sich den Namen einer „Revue“ (es ist wohl nicht ohne Absicht diese französische Bezeichnung gewählt) mit vollem Rechte beilegen. Denn unter den zwei Hauptrubriken „Oeffentliches Leben“ und „Wissenschaft, Kunst und Literatur“ bietet jedes der bisher erschienenen Hefte eine planmäßig, nach bestimmten Zweigen und Fächern geordnete Rückschau auf hervorragende Fragen und Bewegungen, Erscheinungen und Ereignisse unseres laufenden Culturlebens. Denke man dabei aber nicht an jene chronikartigen Uebersichten, wie sie in mehr oder weniger trockener Herzählung von Jahrbüchern und Kalendern angestrebt werden. Jeder der oben bezeichneten Beiträge giebt sich vielmehr als ein sogenannter freier Essay, als ein schildernder und kritischer Bericht über einen wichtigen Punkt aus dem Bereiche des betreffenden Gebietes. Zur Abfassung dieser fortlaufenden Berichte sind anerkannte Fachautoritäten als ständige Mitarbeiter gewonnen, und es mögen aus der beträchtlichen Reihe derselben hier nur die Namen Bluntschli und von Schulte, Laspeyres, Birnbaum, Gareis, Kirchhoff, Carriere, Seitz, Schasler, Neumann und Strodtmann genannt werden. Der Gedanke des Unternehmens ist ein neuer und glücklicher; bei tüchtiger Ausführung ihres Programms wird sich die „Deutsche Revue“ eine dauernde Theilnahme gebildeter, patriotischer und freisinniger Leserkreise erwerben.