Zum Inhalt springen

Eine Weckuhr gegen Kohlegasvergiftung im Schlafe

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: C. St.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Eine Weckuhr gegen Kohlegasvergiftung im Schlafe
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 22, S. 376
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[376] Eine Weckuhr gegen Kohlengasvergiftung im Schlafe. In der guten, alten Zeit, als die Gifte noch in der Politik eine große Rolle spielten, führten die Fürsten auf ihren Reisen und Feldzügen Trinkbecher aus Rhinoceroshorn mit sich, die in dem Rufe standen, sogleich in Stücke zu zerspringen, wenn Jemand Gift hineinthue. Im Dresdener historischen Museum befinden sich ein Paar solcher „Giftpokale“, von denen der eine ein Geschenk der Kurfürstin Magdalena Sibylla an Johann Georg den Zweiten und der andere ein solches des Leibarztes Dr. Gangland sein soll. Es war in alten Zeiten doppelt gefährlich, vergiftet zu werden, denn starb man nicht am Gifte, so konnte man leicht durch die ärztliche Behandlung um’s Leben kommen; denn diese bestand darin, daß man den Vergifteten mit den Beinen an die Zimmerdecke hing, damit das Gift aus Augen, Nase und Mund herauslaufen könnte, wenn man nicht vorzog, zur Erleichterung dieses Auslaufens dem Kranken auch noch ein Auge auszustechen, wie es dem nachmaligen deutschen Kaiser Albrecht dem Ersten geschehen war, als er sich auf dem Reichstage von Nürnberg (11. November 1295) vergiftet glaubte.

An jene giftwarnenden Becher, die natürlich ebenso wie die erwähnte barbarische Cur dem Gebiete des Aberglaubens angehören, erinnert mich eine elektrische Klingel gegen Kohlengasvergiftung, welche ein englischer Physiker, Ansel, neuerdings empfohlen hat, deren Idee aber, wenn ich mich recht erinnere, von einem deutschen Chemiker herrührt. Dieser getreue Eckhard und automatische Schutzengel der Schlafenden beruht darauf, daß das giftige Kohlengas in ein ringsgeschlossenes Gefäß mit poröser Thonwandung schneller eindringt, als die in demselben befindliche atmosphärische Luft austreten kann. Es entsteht daher in einem solchen Gefäße vorübergehend ein Ueberdruck, der das Quecksilber eines U-förmigen Glasröhrchens aus dem Gleichgewichte bringt und aus dem mit obigem Gefäße in Verbindung stehenden Schenkel in den anderen, freien treibt. Dort steigend schließt es durch Berührung eines über dem Gleichgewichtsniveau befindlichen Platindrahts einen galvanischen Strom, der sofort ein Läutewerk in Thätigkeit setzt, ganz wie bei dem im Jahrgang 1874 dieses Blattes, Seite 813. beschriebenen Alarmthermometer. Wir thun des Apparates als eines Exempels menschlicher Erfindungsgabe Erwähnung, nicht aber weil wir von seiner allgemeinen Einführung die Verminderung der Kohlengasvergiftungen erwarten. Denn hiergegen halten wir ein polizeiliches Verbot aller Ofenklappen für das einfachste und beste Mittel.

C. St.