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Eine Reiterstatue des deutschen Kaisers

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Textdaten
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Titel: Eine Reiterstatue des deutschen Kaisers
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aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 808
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[797]

Die Reiterstatue des Kaisers, modellirt von H. Pohlmann.

[808] Eine Reiterstatue des deutschen Kaisers. (Mit Abbildung.) Es liegt in der Natur des Menschen, für alle Ideen, welche neu und überwältigend zugleich in den Kreis seiner Auschauungen treten, sich auch nach einem äußerlichen bildlichen Symbol umzusehen, und die unmittelbare Gegenwart beweist uns fortwährend, daß sich dazu für Viele am leichtesten und wie von selbst die Gestalten eben der Männer bieten, welche zu jenen Ideen den schöpferischen Anstoß gegeben oder unter deren Augen sich die großen, eben jene Ideen manifestirenden Ereignisse vollzogen haben. Zu einem solchen Symbol ist für Viele gegenwärtig auch die Gestalt des Königs von Preußen geworden, seitdem das Geschick auf sein Haupt die ehrenvolle Aufgabe gelegt hat, fortan als Kaiser von Deutschland auch äußerlich die Würde und die Einheit zu repräsentiren, welche beide der große Preis unserer letzten Kämpfe waren. Das Porträt Kaiser Wilhelm’s ist schon in zahllosen künstlerischen und unkünstlerischen Abbildungen verbreitet. Im Augenblick lenkt eine trefflich gelungene Reiterstatue desselben die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, die aus einem Berliner Atelier hervorgegangen und bereits von Sachverständigen, wie zuerst von L. Pietsch in der Vossischen Zeitung, dann von Alfred Dove im Neuen Reich u. A., der rühmendsten Besprechung unterzogen worden ist.

Herr Pohlmann, ein jüngerer Bildhauer aus der trefflichen Berliner Schule, die sich von Rauch, dem großen Meister historischer Plastik, her durch Drake vornehmlich fortgepflanzt, hat sich seiner anziehenden Aufgabe mit Begeisterung unterzogen, und sie, wie unsere Leser aus dem in unserer heutigen Nummer enthaltenen Holzschnitt erkennen, mit gediegenem Fleiße durchgeführt. Pohlmann ist bereits in Berlin durch Arbeiten der letzten Jahre, wie die allegorischen Darstellungen der Borussia und der Germania auf dem neuen Münzgebäude, die Portraitbüsten des Sängers Niemann und andere mehr, rühmlich bekannt geworden. Für die Vollendung der Kaiserstatuette haben sich Vogel von Falckenstein und Wrangel besonders interessirt, die Kaiserin hat sie mit Beifall begrüßt und ihren Gemahl zu seinem Geburtstage mit einem Abguß beschenkt. Der Künstler hat sein Werk zunächst in mäßiger Größe ausgeführt (zwei Fuß neun Zoll mit Postament), um die Anschaffung in Bronze- oder bronzirtem Zinkgusse Privaten wie Corporationen möglich zu machen; ja selbst eine Ausführung in größerem Maßstabe dürfte nicht ausgeschlossen sein, vielmehr scheint die Statue gerade hierzu in stimmungsvoller Weise geeignet. Kaiser Wilhelm reitet auf muthig ausgreifendem Rosse – eins der Leibpferde des Marstalls hat zum Muster gedient – in voller Uniform eines preußischen Generals der Infanterie, darüber den prächtigen Kaisermantel, in der Rechten den Commandostab. Die Vorderfläche des Postaments zeigt die bewehrte Germania, die feindliche Schlange mit Speer und Fuß bewältigend. An den Seitenflächen ist rechts die Krönung Borussia’s durch Genien des Sieges und des Friedens, links die Wiedergewinnung von Elsaß und Lothringen dargestellt: mit Schwert und Schild schirmt Germania die ihr zu Füßen sitzenden Töchter gegen künftige Gewalt. Die Rückfläche trägt Namen und Daten der Hauptschlachten des großen Krieges. Am umlaufenden Fries sind die Wappen der Mitstreiter, der zweiundzwanzig deutschen Fürsten und der drei freien Städte angebracht, vorn prangt das große Reichswappen. Die abgeschrägten Ecken tragen in der Frieslinie das eiserne Kreuz, darunter sind Palmen- und Lorbeerzweige aufgerichtet. Im Uebrigen spricht das Kunstwerk, von dem wir leider nur eine Ansicht wiedergeben konnten, für sich selbst.