Zum Inhalt springen

Ein treuer deutscher Volksmann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Fr. Hfm.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ein treuer deutscher Volksmann
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 256
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Emil Adolf Roßmäßler
Blätter und Blüthen
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[256] Ein treuer deutscher Volksmann, ein beharrlicher und unerschrockener Kämpfer für Licht und Recht, Freiheit und Nationalehre ist uns durch den Tod entrissen. Am Morgen des achten April starb in seiner Vaterstadt Leipzig Emil Adolf Roßmäßler, nachdem er am dritten März auf dem Krankenbette seinen einundsechszigsten Geburtstag gefeiert hatte.

Unter den Männern, welchen seit dem Wiedererwachen des nationalen Geistes in Deutschland die Bildung des Volkes eine Herzenssache geworden ist und die rastlos streben, die Schätze und mit ihnen die Gesetze der Natur zum erlösenden Gemeingut Aller bis zu den ärmsten Classen zu machen, stand Roßmäßler in der vordersten Reihe; auf diesem Felde seiner Thätigkeit hat er sich als Schriftsteller, Lehrer und Redner die anerkennungswürdigsten Verdienste erworben. Auch die Leser der Gartenlaube haben ihn von dieser Seite kennen gelernt, und um so mehr sind wir es ihnen schuldig, ein Lebensbild des verehrten Todten, wenn auch in engem Rahmen, hier niederzulegen.

Es ist in weiteren Kreisen wohl wenig bekannt, daß Roßmäßler seinem akademischen Fachstudium nach Theolog war und daß er mehrere Jahre bereits eine pädagogische Stellung (im weimarischen Weida) eingenommen, ehe von seiner stillen Liebe zur Naturkunde so lautes Zeugniß abgelegt wurde, daß er (1830) den Ruf als Lehrer an die land- und forstwirthschaftlichen Akademie zu Tharand erhalten und annehmen konnte, woraus ihm später eine Professur an derselben Anstalt erwuchs. Dieser Umstand ist von Bedeutung, denn ihm haben wir es offenbar zu verdanken, daß der Mann, welchem die Naturkunde nicht ursprünglicher Beruf, sondern zur Selbstbildung gepflegte Liebhaberei war, später dieselbe nicht als Domaine eines besonderen Standes betrachten konnte, sondern sie am liebsten zu einer recht intimen Liebhaberei des ganzen Volkes gemacht hätte; wobei wir jedoch nicht vergessen, daß die freisinnige Richtung, zu welcher er sich in der Wissenschaft, wie im Staats- und socialen Leben früh bekannte, sein Auge und Herz dem Volke noch eher zugewandt hatte, als er diesem durch das von gewissen Seiten so scheel angesehene Popularisiren der Wissenschaft die erheblichsten Dienste leisten konnte.

Roßmäßler war aber wohlbedacht gewesen, durch gediegene strengwissenschaftliche Leistungen sich bei der gelehrten Zunft selbst Sitz und Stimme zu sichern, auch hierin getreu seinem großen Vorbild Humboldt, der seine hohe Würdigung Roßmäßler’s diesem in vielen wissenschaftlichen und freundschaftlichen Briefen bethätigte. Zu einer wissenschaftlichen Autorität ersten Ranges erhob er sich durch seine „Ikonographie der europäischen Land- und Süßwasser-Mollusken“, mit sechszig von ihm selbst lithographirten Tafeln, denn von seiner Abstammung von einer Kupferstecherfamilie war wenigstens die kunstfertige Hand eines gewandten Zeichners ihm zu Theil geworden.

Wie nun dadurch und durch mehrere andere Schriften und Lehrbücher für seine Vorträge Roßmäßler sich selbst in der Wissenschaft, so erwarb das Volk ihm Sitz und Stimme im ersten deutschen Parlament, an dem er bis zu dessen gewaltsamer Aufhebung in Stuttgart festhielt und das ihm zum Schluß (1850) seine sächsische Professur kostete. Fortan war und blieb er freier deutscher Volkslehrer der Naturkunde und bethätigte diesen selbstgegebenen hohen Beruf durch Wort und Schrift bis an sein Lebensende. Wir erinnern an seine „Populären Vorlesungen aus dem Gebiete der Natur“, an seine „Flora im Winterkleide“, seine „Vier Jahreszeiten“, ferner an sein Lieblingswerk „Der Mensch im Spiegel der Natur“ und die Prachtwerke „Das Wasser“ und „Der Wald“, wie auch an seine „Reiseerinnerungen aus Spanien“, das er 1853 besucht hatte, – aus allen diesen Büchern spricht derselbe Geist, der ihm das Motto zu seiner verdienstvollen Zeitschrift „Aus der Heimath“ dictirt hatte: „Die Natur ist weder eine allgemeine große Vorrathskammer, noch eine staubige Studirstube, noch auch ein Betschemel, sondern unser Aller gemeinsame Heimath, in der Fremdling zu sein Schande und Schaden bringt.“ Alle diese Schriften sollten nicht blos für den Namen des edlen Todten, sondern für all’ sein volkstreues Streben und Wirken noch lange ein ehrendes Andenken im deutschen Volke erhalten.
Fr. Hfm.