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Ein neues Geschichtswerk

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Ein neues Geschichtswerk
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 46, S. 1–2 (Beilage)
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[1] Ein neues Geschichtswerk. Wir sind in Deutschland nicht gerade reich an populären Geschichtswerken; giebt es doch ganze Zeitgebiete, die bisher nur im nüchternen Stil der akademischen Zunft geschildert wurden und noch der berufenen Feder harren, um in frischer volksthümlicher Darstellung dem Verständnisse der großen Leserwelt näher gerückt zu werden. Zu beklagen ist dies namentlich, soweit es sich um Geschichtsperioden handelt, welche der gegenwärtigen Gestaltung unserer nationalen Zustände vorbereitend vorangingen und ohne deren Kenntniß ein tieferes Verständniß der heutigen politischen und socialen Verhältnisse nicht denkbar ist. Mit um so größerem Danke müssen daher Werke willkommen geheißen werden, welche sich bestreben, die Kenntniß solcher uns nahe liegenden Epochen weitesten Kreisen zu erschließen.

Karl Biedermann’s „Dreißig Jahre deutscher Geschichte“ (1840 bis 1870) (Breslau, Schottländer) haben sich das nicht hoch genug anzuschlagende Verdienst erworben, diejenigen Jahre, welche recht eigentlich die Vorgeschichte der heutigen Dinge in Deutschland bilden, der Familie und dem Volke geschildert zu haben, die Jahre 1850 bis 1870, die ja zugleich die Geschichte des nationalen Gedankens in Deutschland von seinem Wiedererwachen an bis zu seiner endlichen staatlichen Verkörperung [2] repräsentiren. Der Verfasser hat es verstanden, uns in zwei starken Bänden von je fünfhundert und einigen Seiten ein ebenso gründlich eingehendes wie farbig anschauliches Bild jener Zeit zu entrollen, und zwar von durchaus parteilosem Standpunkte aus. Der Aufbau seines von einem edlen liberalen Geiste getragenen Werkes ist klar und übersichtlich, die Behandlung jedes einzelnen Abschnittes gründlich und abrundend, die Sprache durchweg elegant und doch einfach. Wir dürfen somit dieses im besten Sinne des Wortes populäre Werk allen Denen empfehlen, welche ernstlich gewillt sind, einen tieferen Blick in die Entwickelung der gegenwärtigen vatertländischen Angelegenheiten zu werfen. Biedermann’s „Dreißig Jahre“ eignen sich besonders zu einer patriotischen Weihnachtsgabe aus Vatershand für den heranwachsenden Sohn, aus der Hand der Frau für ihren im Kampfe der Zeit stehenden Gatten.