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Ein neuer unterseeischer Vulcan

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: G. Sch-s
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Titel: Ein neuer unterseeischer Vulcan
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 183–184
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[184] Ein neuer unterseeischer Vulcan wird vom Capitän Newell vom Wallfischfänger „Alice Frazier“ im San Francisco Herald also beschrieben: „Als ich am 25. Juli 1856 in Begleitung mehrerer Schiffe durch die Meerenge von Onnimach, einer der ale-utischen Inseln, fuhr, bemerkte ich eine heftige vulcanische Thätigkeit, indem mehrere Berggipfel der benachbarten Inseln bedeutende Massen schwarzen, dicken Rauches auswarfen. Im Begriff, mit mehreren anderen Wallfischfängern die Ostspitze der Insel zu umsegeln, geriethen wir fast gleichzeitig an den Fuß des Vulcans, und hatten hier Gelegenheit, die furchtbare Erscheinung genauer zu beobachten, und das lange und dumpfe Getöse des Erdbebens deutlicher wahrzunehmen, das wir schon vorher an mehreren auf einander folgenden Stößen bemerkt hatten, zumal als jetzt der Wind plötzlich in seiner Heftigkeit nachließ, und eine Windstille eintrat, während welcher wir ganz der Gefahr des Ausbruchs ausgesetzt waren. Die Eruption ward bald schwächer, bald stärker, nach einigen Stunden aber so heftig, und das Tosen der Elemente so furchtbar, daß für uns wenig Hoffnung blieb, fortsegeln zu können. Bei völliger Windstille schoß ein schwarzer, dicker Rauch in gerader Richtung empor, ohne nur um eine Linie von seiner Bahn abzuweichen. Die ausgeschleuderte Masse vertheilte sich hierauf allmählich in kalte, graue Wolken, deren Aschenmassen schneeflockenartig herabfielen, aus der Ferne aber den Anschein eines Strichregens hatten. Es mochte 12 Uhr sein, als wir durch einen leichten Wind der nahen Gefahr entrissen wurden; wir spannten alle Segel auf und flohen. Derselbe Wind trieb aber auch die große Aschenmasse auf die Meeresfläche, und es entstand eine so vollständige Finsterniß, daß wir gar kein Land mehr sehen konnten. Später erfuhren wir, daß sich diese Dunkelheit über 100 engl. Meilen weit erstreckt haben soll. Gleich einem Schneeorkane fiel nun die Aschenmasse auf uns und hüllte Alles vom Deck bis zum Mastkorbe in einen grauen Staubmantel, so daß alle Jene, welche diesem Unwetter ausgesetzt waren, fast erblindeten, ja, da der Aschenregen von Minute zu Minute immer dicker ward, wir Alle in Gefahr geriethen zu ersticken. Zum Glück nahm der Wind zu, wir segelten westwärts, und verließen die Unglücksstelle, welche uns mit dem Schicksale des Plinius bedrohte. Als es endlich um uns wieder hell ward, hatten wir viele Mühe, uns von der Asche zu reinigen. Letztere glich der Steinkohlenasche.

Aber der erhabenste Augenblick des Schauspiels war noch nicht vorüber. Als der Wind sich verstärkte und die Wogen höher giengen, kamen vier andere Schiffe herbei. Eben, als sie sich dem Nordrande des Berges näherten und mit Staunen das Aufwallen über ihren Häuptern betrachteten, vernahmen sie ein langes, dumpfes Rollen unter sich, ein Getöse, welches sich kurz darauf in dem Hervortreten eines außerordentlich großen und furchtbaren Vulcans, inmitten der versammelten Schiffe, kund gab. Die Wogen kochten wild und regellos im Tumult empor, schossen darauf als glänzende Wassersäule auf und stürzten zuletzt in sich selbst zusammen. Nur langsam beruhigte sich dieser Aufruhr. Doch plötzlich sah man aus dem geöffneten Boden unter einem furchtbaren, Alles erschütternden Donner einen Flammenstrom mit Rauch gen Himmel auffahren, gleich als wollten die Feuer des Erdinnern hier ihren Ausgang nehmen. Nun spie der Vulcan Lava und Bimstein, oft in Stücken wie große Kugeln, aus und überschüttete damit alle Schiffe mehr oder weniger, versetzte aber auch die Mannschaft in die größte Todesangst. In die Luft geschleudert zu werden, oder in die Tiefe des Meeres zu versinken, Beides drohte gleich sehr. Doch auch dieser Ausbruch ging schnell vorüber, fast so unvermuthet, wie er eingetreten war. Die Wogen stürzten in weiten, dem Malstrome zu vergleichenden Wirbeln, in den geöffneten Schlund. Die Schiffe entflohen und überließen den Vulcan seinem wechselnden Zustande von auf einander folgenden Ausbrüchen und ruhigen Pausen, begleitet von unterirdischen Donnern, deren Zwischenpausen die verschiedenen Phasen seiner Entwicklung verkündigten.