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Ein neuer großer Schwindel

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Textdaten
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Autor: Dr. Werder
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Titel: Ein neuer großer Schwindel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 440
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[440] Ein neuer großer Schwindel. Wir erhalten nachstehende Zuschrift „An die Redaction“ und theilen dieselbe, unter Verantwortlichkeit des Unterzeichners für die Wahrheit des Inhalts, unseren Lesern mit:

„Seit einigen Monaten kommen aus Ceuta in Afrika, sowie aus Valencia in Spanien an Fabrikanten und Gewerbtreibende in verschiedenen Städten von Sachsen, Württemberg und Preußen ganz gleichlautende, unfrankirte Briefe in spanischer Sprache.

Die Briefe aus Ceuta sind jedesmal mit dem Namen des Adressaten unterschrieben, der Absender nennt sich den Sohn eines längst verschollenen Verwandten, ist wegen Unterschlagung einer Kriegscasse zu zehn Jahren Festung verurteilt, fühlt sich dem Tode nahe und will seine Tochter mit bedeutendem Vermögen dem Adressaten schicken, den er zum Vormunde derselben bestellt hat.

Die Briefe aus Valencia sind mit einem spanischen Namen unterschrieben der Absender will eine Kriegscasse in der Nähe des Wohnortes des Adressaten vergraben haben, und bittet um Reisegeld für seine Frau, damit dieselbe komme, den Schatz zu heben, von welchem dem Betreffenden der dritte Theil zugesichert wird.

Eine dritte Kategorie solcher Briefe endlich, ebenfalls aus Ceuta, ist von einer Frau unterschrieben, der Wittwe eines auf der Festung gestorbenen Officiers, sie bittet um Reisegeld, um eine von ihrem Manne vergrabene große Summe zu heben.

Dem Unterzeichneten sind schon viele solche Briefe aus Sachsen, Württemberg und Preußen zur Uebersetzung geschickt worden, und er hat natürlich die Adressaten sofort auf den offenbaren Schwindel aufmerksam gemacht. Es wäre aber nicht unmöglich. daß der Eine oder Andere, von dem vielleicht ein Familienmitglied vor vielen Jahren ausgewandert ist, dem Schwindler in Ceuta zum Opfer fiele, wenn auf seinen Brief die Bitte um einen Vorschuß für die Reise der besagten Tochter erfolgte, unter dem Vorwande, daß für den Augenblick nicht über das Vermögen verfügt werden könne.

Die geehrte Redaction wird daher durch Veröffentlichung obiger Zeilen den Betreffenden einen großen Dienst erweisen, ihnen viele Aufregung ersparen und sie vielleicht vor Schaden bewahren.

Leipzig, den 26. Juni 1875.
Dr. Werder, Chef des Uebersetzungsbureaus.“ 0