Zum Inhalt springen

Ein kaiserlicher Eisenbahnbaumeister

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: R. B.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ein kaiserlicher Eisenbahnbaumeister
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 600
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1884
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
w:Franz Anton von Gerstner
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[600] Ein kaiserlicher Eisenbahn-Baumeister. Der österreichische Ingenieur Gerstner, Erbauer der im Jahre 1838 eröffneten ersten russischen Locomotivbahn von Petersburg nach der kaiserlichen Sommerresidenz Zarskoje-Selo, war von dem Kaiser Nicolaus von Rußland mit der Ausarbeitung des Planes für eine Eisenbahn beauftragt worden, welche die beiden Hauptstädte des Reiches Petersburg und Moskau mit einander verbinden sollte. Nicolaus war gerade in ein Project zur Unterwerfung der aufrührerischen kaukasischen Stämme vertieft, als Gerstner ihm den sorgfältig ausgearbeiteten Plan über die neue Bahn vorlegte.

„Ist das der nächste Weg nach Moskau?“ fragte der Kaiser, nachdem er sich die Karte flüchtig angesehen hatte.

„Der nächste gerade nicht, Majestät, aber der rentabelste; denn die neue Bahn wird volkreiche und handeltreibende Städte berühren; sie wird fruchtbare Gegenden durchschneiden.“

„Ich brauche,“ unterbrach ihn Nicolaus, „den nächsten Weg, auf dem man in einem Tage von Petersburg nach Moskau kommen kann. Geben Sie einmal die Karte her.“ Damit zog er seinen Degen aus der Scheide, legte ihn quer über die Karte und zog mit der Feder zwischen den Endpunkten Petersburg und Moskau einen dicken geraden Strich. „So,“ sagte er, Gerstner die Karte zurückgebend, „das ist mein Plan, und danach soll gebaut werden.“

Und es wurde danach gebaut. Schnurgerade, mit alleiniger Umgehung einiger größerer Moräste wurde der eiserne Schienenweg allen Hindernissen zum Trotz durch eine unwirthliche, meistens mit versumpften Waldungen bedeckte Gegend hindurchgeführt, auf einer Länge von 87 deutschen Meilen nur 8 größere Orte berührend! 50,000 Soldaten und zahlreiche zum Frohndienst commandirte Bauern arbeiteten 8 Jahre lang an den ungeheuren bis zu einer Höhe von 60 Fuß erforderlichen Erdaufschüttungen, welche das sumpfige Terrain erforderte; Tausende von Bauhandwerkern schafften an den zahlreichen Ueberbrückungen und Durchlässen, und keine Kosten wurden gescheut, um diese Bahn zu einer der solidesten, zu einer Musterbahn zu machen. Man hat die Kosten der Bau-Ausführung auf 78 Millionen Thaler geschätzt. Aber der Kaiser hatte erreicht, was er wollte: die neue Bahnstrecke war noch 14 Meilen kürzer als die alte geradlinige Heerstraße, welche man bis dahin für die kürzeste Verbindung angesehen hatte, und mehr noch: der erste im August 1851 auf der Strecke abgelassene kaiserliche Extrazug durcheilte die ganze Route in der kurzen Zeit von nur 20 Stunden. R. B.