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Ein ernstes Wort an Herrn Friedrich Dumhof

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Textdaten
Autor: Christian Philipp Heinrich Brandt
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Titel: Ein ernstes Wort an Herrn Friedrich Dumhof
Untertitel: sogenannten freien christlichen Prediger
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Erscheinungsdatum: 1848
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Ein ernstes Wort
an Herrn


Friedrich Dumhof,
sogenannten freien christlichen Prediger.


Von


Heinrich Brandt,
evangelisch-lutherischem Pfarrer in Kattenhochstadt.



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|  Sie haben auf mein Schriftchen: „Was für eine Bewandtniß es mit der sogenannten Religion der Deutsch-Katholischen und freien Gemeinden habe“, eine Erwiederung drucken lassen. Daß Sie das thun werden, konnte ich voraussehen, hörte es auch bald durch Ihren Weißenburger Agenten, der mit einer Widerlegung drohte, die Haare auf den Zähnen haben und Staunen erregen werde. Manche glaubten ihm und erwarteten eine solche, ich aber nicht, da Alles, was ich bisher von den sogenannten Freipredigern gelesen hatte, so ganz geistlos, ja so ganz miserabel war, daß es Thorheit von mir gewesen wäre, nur etwas ganz Mittelmäßiges zu erwarten. Und daß ich mich in meiner Erwartung nicht getäuscht hatte, liegt mir nun durch Ihre Erwiederung klar vor Augen. Ich will zugeben, daß Sie bei gewissen Leuten, selbst bei solchen, die nicht Freigemeindler sind, mit Ihrer Entgegnung einigermaßen Ihren Zweck erreichen und Beifall finden. Denn was ist so dumm, das heutiges Tages nicht für gescheidt gehalten wird? Und war je eine Zeit,| wo das alte Sprüchlein: „Um Görgla ist mir gar nicht bang, dem Görgla hilft die Dummheit fort“, seine volle Anwendung fand, so ist es die jetzige. Um diesen Beifall wird Sie aber kein Vernünftiger beneiden, und es ist Ihnen derselbe auch gerne zu gönnen. Denn etwas ist Ihnen doch zu gönnen, und wäre es auch nur die Ehre, sich frei vor aller Welt blamiren zu dürfen. Denn das will doch wohl der Titel sagen, den Sie mit Ihren Herren Kollegen Ronge, Bäthig, Bierdimpfel, Scholl u. dgl. führen?

 Nun zu Ihrer Widerlegung.

 Den Eingang derselben übergehe ich, da er nichts Anderes ist, als ein ganz verunglückter Versuch, vor dummen Lesern witzig scheinen zu wollen, ich auf fade Witzbolde von jeher nicht geachtet habe, und schlechter Witz gegen guten mir immer vorkommt, wie „Mäusedreck unter dem Pfeffer“. Daß Sie mich einen Lügner schelten, ohne mich auch nur Einer Lüge zu überführen, das finde ich natürlich, denn wie wollten sonst Freiprediger bestehen, wenn sie sich nicht auch die Freiheit nehmen wollten, jedem Prediger der Wahrheit, der ihnen im Wege steht und dem Volke zeigt, wer sie sind, die Ehre abzuschneiden.

 Nach diesem verunglückten Eingange gehen Sie zur Widerlegung meines Schriftchens über, geben aber damit einen klaren Beweis, daß Sie nichts weniger verstehen, als zu widerlegen. Statt solche stichhaltige Gründe anzuführen, die den Gegner, so zu sagen, zu Boden schlagen, weichen Sie aus und geben der Behauptung Ihres Gegners eine – nicht| einmal schlaue – Wendung, und fechten in der Luft, indem sie zuerst das alte, erbärmliche Liedlein über das Auswendiglernen der vielen Bibelstellen in den Schulen anstimmen. Fürwahr, ein eben so erbärmlicher, als nichtswürdiger Beweis, oder vielmehr eine erbärmliche und nichtswürdige Behauptung, für die Sie den Beweis schuldig geblieben sind, den Sie auch wegen Ihres früheren Standes nicht einmal aus eigener Erfahrung, sondern höchstens nur auf Hörensagen von Jugendfeinden führen können. Gesetzt aber auch, Ihre Behauptung wäre anwendbar auf einige Schullehrer und Pfarrer, was berechtigt Sie dann, auf alle Schullehrer und Pfarrer einen so groben Verdacht zu werfen? Wie es hinsichtlich des Auswendiglernens der Bibelstellen in katholischen Schulen und Kirchen gehalten wird, weiß ich nicht; wie es aber in unserer evangelisch-lutherischen Kirche, von der Sie nur wie ein Blinder von der Farbe oder als ein von Verläumdern Betrogener reden können, damit gehalten wird, weiß ich genau. Ich wirke bald vierzig Jahre, theils in Städten, theils auf dem Lande, im Predigerstande, und habe noch nie auch nur die geringste Klage von Seite christlich gesinnter Eltern darüber gehört, daß ihre Kinder mit Bibelsprüchen gemartert würden; ich war lange Zeit Dekan und Distrikts-Schulinspector, und habe als solcher mit vielen Schulen und Gemeinden verkehrt, aber nie erfahren, daß weder über einen Schullehrer, noch über einen Geistlichen in diesem Punkte eine Klage geführt worden wäre. Die in unsern Schulen und Kirchen eingeführte Spruchsammlung| enthält 725 Bibelsprüche. Angenommen nun, daß diese alle auswendig gelernt und gehörig wiederholt werden, so kommen für die ganze Schulzeit von 8 Jahren oder 2920 Tagen nur 725 Sprüche, auf je 3-4 Tage kaum ein Spruch. Und von diesen Sprüchen stehen mehrere doppelt in der Spruchsammlung. Heißt das nun den Kindern die Religion zu einer Last und Bürde machen? Nur grober Unverstand oder versteckte Bosheit kann so in den Tag hineinreden. Daß Sie aber hierin den Verläumdern nachreden, hat seinen natürlichen Grund. Was kann Ihnen und Ihres Gleichen ärgerlicher seyn, als daß in unserer Kirche bei der Schuljugend schon ein guter Grund mit biblischen Beweisstellen gelegt wird? Das muß Ihnen bei Ihrer „freien“ Manier, mit der Bibel umzugehen, ja bei Ihrem Bibelhasse ein Dorn im Auge seyn, weil Sie sich vor jedem gutunterrichteten Kinde wegen Ihrer „freien“ Manier schämen müssen. Hätten Alle, die den Freipredigern zufallen, in ihrer Jugend etwas Gründliches aus der Bibel gelernt oder behalten, so hätten diese niemals ihren Unsinn für Weisheit ausgeben und auf die Dummheit basiren können.
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 Ihr Versuch, meine Behauptung, daß Ihre und Ihrer Kollegen sogenannte Religion eine leichte sey, als falsch darzustellen, sowie Ihr Beweis, daß unsere Religion die leichte und Ihr Machwerk das schwerere sey, ist nicht minder erbärmlich und nichtswürdig. Daß Sie meine Behauptung nicht begreifen können, glaube ich Ihnen, als einem Fremdlinge in unserer evangelisch-lutherischen Kirche,| gar wohl; ich begreife auch sehr leicht, wie Sie zu einer so frechen Verdächtigung des ganzen Standes der evangelisch-lutherischen Geistlichkeit kommen. Denn wenn Sie sich nicht durch Verdächtigungen helfen, womit wollten Sie sich denn helfen? Eine zügellos freche Verdächtigung der ganzen evangelisch-lutherischen Geistlichkeit muß ich aber Ihre Behauptung nennen, daß diese blinden Glauben von Seite ihrer Pfarrkinder für ihr Wort verlangt. Hiefür fordere ich von Ihnen Beweise aus den Schriften der Reformatoren, aus den Schriften älterer und neuerer Theologen und aus den Predigten der Geistlichen; aber Beweise, die nicht, nach Ihrer freien Manier, aus dem Zusammenhange herausgerissen oder aus dem rationalistischen Gewäsche eines Röhr, Wegscheider, Dr. Paulus und Anderer, die wegen ihrer Oberflächlichkeit, Seichtigkeit und Erbärmlichkeit in unserer Kirche nie als Autoritäten gegolten haben, hergenommen sind. Mehr von Ihnen zu verlangen, als z. B. Beweise eines gründlichen Studiums unseres evangelisch-lutherischen Lehrbegriffes, wäre Thorheit, da Sie nicht einmal das Wenige, was Sie von unserer Kirche etwa gelernt haben mögen, begreifen können. Wer etwas verdächtigt, das er nicht kennt, und dieß nur darum thut, um mit seiner Verdächtigung Andere für sich und seine elende Sache zu gewinnen, wie handelt der? Antworten Sie sich selbst nach Ihrem Gewissen auf diese Frage, wenn meine Berufung auf Ihr Gewissen anders nicht ganz vergeblich ist. Hätten Sie mit Ihrer frechen Verdächtigung nicht| den ganzen Stand der evangelisch-lutherischen Geistlichkeit, sondern nur meine Person angegriffen, so hätte ich geschwiegen und Sie im Stillen verachtet.
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 Sie reden ferner von der Geistesarbeit freier Christen beim Lesen der Bibel. Darauf will ich bloß erwiedern, daß diese Geistesarbeit doch nicht so gar groß und schwer seyn muß, da mir, als ich noch ein Knabe von zehn Jahren war, schon so absonderliche Gedanken vom Vergänglichen und Unvergänglichen, Vollkommnen und Unvollkommnen gekommen sind, wie Sie in Ihrem Schriftchen aushecken, und was damals mehr eine Arbeit des Fleisches, d. i. des natürlichen verderbten Herzens war, aber durchaus keine Geistesarbeit genannt werden konnte; diese ging erst an, als ich zu Verstand kam und die Quelle verabscheuen lernte, aus welcher solcher Teufelsspuck gekommen war. Demnach muß ich annehmen, daß Sie noch immer im zehnten oder eilften Lebensjahre, die man die Flegeljahre und Jahre der Nasenweisheit nennt, stehen, weil Sie dasselbe aus dem Schatze Ihres Herzens hervorbringen, was mein jugendlicher Unverstand damals zu Tage gefördert hat. Möchte es bei Ihnen auch einmal zu einem so ehrlichen Geständnisse kommen, wie der berühmte alte Plank in Göttingen eines abgelegt hat. Zu diesem kam nach langen Jahren ein Schweizer, der ihn als Student auf eine etwas „freie“ Art über Bibel und Christenthum sprechen gehört hatte, bei seinem Besuche nach vielen Jahren aber gerade das Gegentheil von ihm hörte und ihn über diese große Veränderung zur Rede stellte, aber von| Plank hören mußte: „Mein Herr, unterdessen bin ich eben zu Verstand gekommen, und der verständige Mensch denkt und redet anders, als der unverständige.“
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 Gegen das Ende Ihrer sogenannten Erwiederung wandelt Sie wieder die Lust an, witzig werden zu wollen. Aber auch dieser Witz ist kein Pfeffer, sondern nur Mäusedreck, und seine Pfeile sind so stumpf, daß sie kein Blättchen Papier durchbohren. Daher mein Rath: Geben Sie doch das Witzigseynwollen auf, oder warten Sie doch den günstigen Augenblick ab, auf den weiland Lichtenberg verwiesen hat, indem er sagte: „Auch dem geistlosesten Menschen kommt in seinem Leben ein Augenblick, in dem er erträglichen Witz machen kann.“ Sie rufen mir zu: „Jetzt haben wir’s, wo Sie der Schuh drückt,“ und appelliren an meine Bauern. Damit haben Sie aber etwas ganz Vergebliches gethan, denn meine Bauern sind sammt und sonders weit gescheidter, als Sie, und lassen sich durch einen Dumhof eben so wenig in’s Bockshorn jagen, als verführen und aufhetzen. Was Sie weiter vom Scheeren der Schafe sagen, ist wieder eine schamlose Verdächtigung des ganzen Standes der evangelisch-lutherischen Geistlichkeit und ein so erbärmlicher und boshafter Erguß Ihres Neides, daß Sie mit ihm weder mich noch meine Amtsbrüder, sondern nur sich selbst beschimpfen. Was mich anbetrifft, so darf ich getrost sagen, daß mir in allen den Gemeinden, an denen ich noch als Prediger gestanden, nicht einmal ein| Feind hat nachsagen können, „daß ich die Wolle der Schafe gesucht habe.“ Und darum ist mir dieser Passus Ihres Geschreibsels ebenfalls lächerlich. Sie sagen: „ich sey kein braver Mensch.“ Darauf erwiedere ich mit einem: Gott sey Dank! daß ich nicht so brav bin, wie Sie sind. Ich habe die Wahrheit geredet, Sie aber lügen und verdächtigen. Ich habe stark und unverblümt gesprochen, Sie aber weichen auf alle mögliche Weise aus. Ich habe für eine gerechte Sache geredet, Sie aber führen einer nichtswürdigen das Wort. Ich suchte Seelen vor Verführung zu retten, Sie aber suchen mit Ihrer Religionsmacherei Seelen in’s Verderben zu führen. Ich suche mein Brod in dem mir von Gott angewiesenen Berufe, sonach auf rechtem Wege; Sie aber suchen Ihr Leben auf einem vor Gott und Menschen verwerflichen Wege, durch Gotteslästerung, Bibelspötterei und Verhöhnung der heiligen Sacramente zu fristen. Wer ist brav? Sie oder ich? Darüber mag die gesunde Menschenvernunft den Ausspruch thun. – Sie suchen mir die Liebe abzusprechen, ein Versuch, der Ihnen vielleicht bei denen gelingen mag, die nicht wissen, was christliche Liebe ist, und doch von nichts, als Liebe reden. So, wie Sie, liebe ich allerdings die Menschen nicht, drücke auch keinem, sowie Sie und aus Ihren Gründen, die Hand, und das ist ein Trost und ein Zeugniß dafür, daß ich in Christo, meinem Herrn, die Menschen nach seiner Anweisung liebe, der auch mit gewissen Leuten nicht geliebäugelt und mit dem Händedrücken nicht so freigebig war. Ja, ich sage es| frei heraus, daß ich hinsichtlich der Liebe vor Ihrer Liebe Abscheu habe, da Ihre Liebe tödtlicher Haß ist, und verhehle es auch vor keinem Menschen, daß ich mich hinsichtlich der Liebe auch nach Luther richte, der gesagt hat: „Verflucht sey die Liebe in den Abgrund der Hölle, die auf Kosten der Lehre vom wahren Glauben sich erweis’t“, sonach jeden Gotteslästerer und Religionsspötter abschmatzt, ihm die Hände drückt und Brüderchen, liebes Brüderchen, hin und her heißt. In diesem Sinne will ich Ihnen gerne nachstehen, denn so was reimt sich nicht mit den Bibelstellen, die gewiß nicht vergeblich in der Bibel stehen: 2. Timoth. 3, 1-9. Titus 3, 10. 11. 2. Joh. V. 3. 10. 11. Also nur getrost in die Welt hinausposaunt: Der Altmühlthalpfarrer ist kein so braver Mann, wie ich Friedrich Dumhof, freichristlicher Prediger. Dafür danke ich Ihnen noch, denn sie erweisen mir damit einen wesentlichen Dienst.
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 Sie laden mich ein, Ihre gottesdienstlichen Versammlungen zu besuchen und Zeuge der vertraulichen Abendmahlsfeier zu werden. Bei dieser Zumuthung haben Sie gewiß nicht bedacht, was Psalm 1, 1. Ps. 26, 5. Amos 5, 21. 1 Mose 49, 6. geschrieben steht. Hier haben Sie auch den Grund, warum kein wahrer Christ Ihren Versammlungen beiwohnt, oder, wenn er sich einmal durch Neugierde dazu hat verleiten lassen, sich für immer mit Abscheu davon wegwendet; ja wohl, dahin gehen, wo man das „christlich“ zum Deckmantel der größten Bosheit macht, mit dem Heiligsten, was es gibt, dem Abendmahle des Herrn, ein so freches Possenspiel treibt!| Das hieße doch freveln! Was wir im Abendmahle darreichen, das thun wir nach des Herrn klaren Worten; das Eine Brod aber, von dem Sie mit den von Ihnen Verführten essen, und der Eine Wein, den Sie mit Ihres Gleichen trinken, soll ich sagen, was Beide sind? Eine nichtswürdige Falschmünzerei!
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 Was ich über die in Erlangen Statt gehabte sogenannte Taufe berichtet habe, nennen Sie eine Lüge. Ei, warum haben Sie denn nicht dargethan, inwieferne mein Bericht lügenhaft sey? Warum rücken Sie mit jenem Taufformulare nicht heraus? Warum mußte unser Oberconsistorium über das Affenspiel der deutsch-katholischen Taufen eine so entschiedene, bisher nicht widerlegte Erklärung abgeben, und die als Heiden angesehen wissen wollen, die nur aus solcher Tauffabrik hervorgehen? Was ferner die in Weißenburg angebotene Disputation anbetrifft, so ist mir darüber höchstens nicht ausführlich genug berichtet worden, wünsche aber nichts mehr, als daß solche zu Stande gekommen wäre, da ich gewiß weiß, daß Sie und Ihr Kollege eine schmähliche Niederlage erlitten haben würden. Jetzt thun Sie gewaltig dick, daß nichts daraus geworden ist. Welche Frechheit aber, zu erwarten, daß ehrwürdige Geistliche sich bei Ihren Versammlungen einfinden würden, in denen gleich, als einige achtbare Männer den Mund aufthun wollten, Gassenbuben ihre Meisterstücke mit Lärmmachen übten, und wo Soldaten, mit ihren Mädchen im Arme, die neue Religion als eine für sie ganz passende und schmackhafte priesen! Warum hat Ihnen und Ihren Kollegen| noch kein namhafter Theologe eine Disputation angeboten? Irre ich, wenn ich behaupte, weil Jeder befürchtet, sich mit so einer Disputation zu beflecken? Es kam ja, sagen Sie, auch bei der Disputation Luther’s mit Eck nichts heraus.
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 Mit dieser Behauptung verrathen Sie aber große Unwissenheit. Wessen Rolle würden denn Sie bei einer Disputation spielen? Die des Eck, von dem selbst Luther gesagt hat, daß, wenn einer verdient, auf dem päpstlichen Stuhl zu sitzen, so sey es Eck? oder die des Luther, vor dem selbst Eck Respect bekam? Schon das ist eine große Dreistigkeit, wenn Sie sich einem Eck an die Seite stellen. Dafür aber, was Sie und Ihre Kollegen thun, wenn Sie sich mit Luther vergleichen, habe ich keine passende Bezeichnung, indem solche Dreistigkeit alle Gränzen übersteigt. Sie und Luther!! Was wissen Sie denn außer einigen aufgeklaubten Brocken aus Luther’s Schriften? Ihr Geist und Luther’s Geist! Worin sind diese einander ähnlich? weniger noch ähneln sich beide, als die stockfinstere Nacht dem hellen Tage, und weniger noch als die stinkende Oellampe dem klaren Sonnenlichte. Welch’ freches Spiel treiben Sie mit der Berufung auf Luther! Bald schulmeistern Sie und Ihre Kollegen den Mann, von dessen Größe Sie gar keinen Begriff haben. Bald nehmen Sie ihn zum Vorbild und Vorkämpfer, wenn das in Ihren Kram paßt, und beschimpfen ihn damit auf’s Nichtswürdigste. Die elende, erbärmliche, bodenlose und darum lügenhafte Sache, für welche die Freiprediger| haranguiren, und Luther’s Sache! Ließe sich Luther’s Sache nur in einem einzigen Wörtlein mit der der Freiprediger zusammenstellen, wahrlich, Luther’s Name wäre nicht bis auf unsere Zeiten herab ein von Millionen gesegneter Name geblieben, sondern längst schon mit allem Rechte mit Abscheu genannt worden. Aber der teuflische Kniff, sich mit Luther zu vergleichen, hat seinen guten Grund. Es soll dieser gefeierte Name der Nichtswürdigkeit einer armseligen Religionsmacherei einigen Anstrich geben. Nun, wer einen neuen Religionsmacher neben Luther stellen kann, den beneidet nicht einmal ein Tollhäusler um seine kirchenhistorischen Kenntnisse. Wer freilich so entsetzlich dumm ist, daß er von den Freipredigern glaubt, daß sie bei einigen christlich scheinenden Redensarten noch „christliche“ Prediger seyen, dem ist auch solche Dummheit nicht zu verübeln.

 Am Schlusse Ihres armseligen Wisches preisen Sie noch Ihre Lebensaufgabe an und versichern, Ihr Heil nicht in Glaubensartikeln, sondern in Geistes-Entwicklung und Tugend zu suchen, und schließen dann, wie Sie auch am Anfange gethan haben, mit einem herzbrechenden Reimlein. Hieße es nicht, mit Retourkutschen fahren, so könnte ich Ihnen wohl auch mit einigen Verslein aufwarten. Daß Sie aber der Geistes-Entwicklung und Tugend noch sehr bedürftig sind, haben Sie durch Ihr Schmähen auf unsere Kirche und auf unsern ganzen Stand sattsam bewiesen.

 Noch eine Frage, ehe ich abbreche. Warum| sind Sie denn auf meine Behauptung, daß Ihre sogenannte Religion eine grund- und bodenlose, sonach eine lügenhafte sey, nicht mit einem Wörtlein eingegangen? Daß Sie darauf schwiegen, ist selbst meinen Bauern aufgefallen. War’s Vergessenheit oder Absicht?

 Dieß mein Wort auf Ihre Erwiederung, Was meine Person anbetrifft, so dürfen Sie als Freiprediger mich mit Koth bewerfen, soviel nur immer Ihr in der Entwickelung begriffener Geist produciren kann. Das haben früher schon mehrere Maulhelden gethan, und thut es noch zuweilen ein Schulze, Wirth und Bauer, denen einmal etwas vom „Heuaufstecken“ in den Kopf gesetzt worden ist. Fahren Sie aber fort, unsere evangelisch-lutherische Kirche und deren Geistlichkeit zu verdächtigen, so werde ich nicht schweigen, und Andere werden auch nicht schweigen, die ihre Kirche noch lieb haben und ihren Stand noch achten.

 Die Leser mögen nun entscheiden, wer die Verdächtiger sind, ob die evangelisch-lutherischen Geistlichen, die Gottes ewige Wahrheit predigen, oder die Freiprediger, die ihren Lügenkram auf jede nur erdenkliche Weise bemänteln, also aus dem Verdächtigen ein Handwerk machen müssen. Dann wem Liebe und Gewissen fehlt, ob mir oder Ihnen, die Sie mit satanischer Bosheit darauf ausgehen, unsere lutherische Kirche zu schmähen und deren Diener als Dummköpfe und Schurken zu verschreien?