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Ein eigen Haus

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Ein eigen Haus
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 578
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Georg Aster: Entwürfe zum Bau billiger Häuser für Arbeiter u. kleine Familien mit Angabe der Baukosten, Verlag von Karl Bauch, 1890, Digitalisat: Repozytorium Politechniki Krakowskiej
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[578] Ein eigen Haus. (Mit Abbildungen.) Zu immer dichteren Massen drängt die Industrie die Menschen zusammen auf verhältnißmäßig engen Raum. In einem drei-, vier- oder fünfstöckigen Häuserkolosse mit ebenso hohen Neben- und Hintergebäuden ohne Luft und Licht wohnen oft so viel Menschen als in einem ganzen Dorfe. Und die mangelhaftesten und ungesundesten unter den Wohnungen in diesen Miethskasernen nehmen oft diejenigen ein, die schon den Tag in stauberfüllten Arbeitssälen zubringen oder in enger dunkler Amtsstube ihren kärglichen Lohn erwerben müssen, Fabrikarbeiter und untergeordnete Beamte.

Menschenfreundliche Großindustrielle haben bereits diese Wohnungsnoth für ihre Arbeiter zu milden, die Bau- und Wohlfahrtspolizei hat durch geeignete Vorschriften die schlimmsten Uebelstände abzustellen gesucht. Genossenschaften aus den Kreisen der Arbeiter oder der kleinen Beamten selbst haben sich gebildet, um durch vereinte

Haus für eine Familie.

Kraft zu ermöglichen, was dem einzelnen auszuführen nicht vergönnt war: die Beschaffung eines eigenen bescheidenen, Heims, einer ausreichenden gesunden Wohnung.

Man unterschätze nicht den Werth des eigenen Hauses! Er ist nicht bloß äußerlicher, gesundheitlicher und materieller Natur, er greift auch hinüber in das Gebiet des Sittlichen.

Wohl ist es bequemer, seine Ersparnisse in Sparkassen, zinstragenden Papieren oder Hypotheken anzulegen, wohl bedeutet das eigene Haus das Ausgeben eines Theils jener Vortheile, welche das Freizügigkeitsgesetz den Arbeiter sichern sollte, wohl kann der kleine Beamte eine Besserung seiner Stellung oft nur mit einem Wechsel des Wohnorts erkaufen.

Aber wie viel schöner, würdiger, erhebender ist es, in den eigenen Mauern zu wohnen! Wir wollen nicht reden von den Quälereien der Vermiether, von den Beschädigungen der Möbel durch fortgesetztes Umherziehen. Die ganze Freude am Dasein ist eine andere, reinere, wenn es im eigenen Grund und Boden eine feste Wurzel hat. Wie ganz anders fühlt sich der verwachsen mit dem Wohl und Wehe von Land und Staat, von Nachbarn und Mitbürgern, den nicht ein Hauch, ein Zufall, eine Laune hinwegführt und in irgend einem ändern Zufallswinkel zu ebenso unsicherem Verweilen niedersetzt! Wie ganz anders fühlt sich der zu Hause, der sich sagen darf: der Boden, der mich trägt, das Dach, das mich deckt, die Wände, die mich umgeben, sie sind mein, mein freies, wohlerworbenes Eigen! Welche stärkende, sittlichende Kraft strömt von solchen Gedanken aus! Wie viel herrlicher duften die Blumen vor dem eigenen Fenster!

Grundriß des Erdgeschosses.

Grundriß des Oberstockes.

Doch was soll’s mit den Lobpreisungen des eigenen Heims? Es kann nicht jeder Hausbesitzer sein! – So wird man uns entgegenhalten mit einem guten Schein von Recht. Und es ist wahr: alle werden das lockende Ziel nicht erreichen können. Aber mehr, viel mehr, als es heute noch der Fall ist. Bereits ist die Bewegung ans vielen Seiten im Gang, auch die „Gartenlaube“ hat schon wiederholt sich in den Dienst dieser wirklich guten Sache gestellt (vgl. beispielsweise Halbheft 18 des Jahrg. 1887), und sie begrüßt jeden weiteren Versuch, der in dieser Richtung gemacht wird, mit aufrichtiger Freude.

Ein solcher ist neuerdings wieder in die Oeffentlichkeit getreten. Der Baumeister Georg Aster hat eine Gruppe von „Entwürfen zum Bau billiger Häuser für Arbeiter und kleine Familien“ zusammengestellt und herausgegeben (Gera, Verlag von Karl Bauch); beginnend bei der einfachsten Gestalt – das Häuschen, welches unsere Abbildung darstellt, kostet mit seinen 40 m² Baufläche nach Afters Voranschlag 2000 Mark, ausschließlich Bauplatz und Garten – führt es die verschiedenen Formen vor, in welchen billige dabei aber gesunde und wohnliche Häuschen für eine oder auch zwei oder vier Familien hergestellt werden können.

Wie wir sehen, enthält schon die einfachste Anlage alles, was bei bescheidenen Ansprüchen gefordert werden kann, eine große Wohnstube von 15 m² in Flächenraum und eine Küche im Erdgeschoß, einen Vorrathsraum unter der Treppe, zwei Kammern und einen Vorraum im Oberstock. Besonderen Werth legt Aster auf die Anlage der Feuerung. Gesundheitsrücksichten verlangen die Trennung von Küche und Wohnstube; andererseits aber kann man einer schmalen Haushaltungskasse auch nicht zumuthen, daß sie im Winter für zwei Feuerungen auskomme, für die Heizung der Wohnstube und das Kochfeuer in der Küche: deshalb ist die Feuerung so angebracht, daß das Herdfeuer zugleich die Wohnstube heizt. Damit aber dann im Sommer die natürliche Hitze der letzteren nicht noch durch das Herdfeuer gesteigert werde, ist eine Einrichtung vorgesehen, welche es ermöglicht, den Hitzestrom der Küche vollständig von der Stube abzuschließen.

Möge das verdienstliche Werkchen, das bereits die dritte Auslage erlebt hat, vielen, denen an der Beschaffung eines eigenen bescheidenen Heims gelegen ist, ein sicherer Führer sein, möge es mithelfen, der sogenannten Wohnungsnoth der ärmeren Klassen zu steuern, die Liebe zum eigenen Herd, die Freude an den häuslichen Genüssen und dem stillen Glück der Familie zu erhöhen!