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Ein Schneetunnel auf dem Albula-Paß

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Textdaten
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Titel: Ein Schneetunnel auf dem Albula-Paß
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 9, S. 133, 148
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1895
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[133]

Ein Schneetunnel auf dem Albula-Paß.
Nach einer Originalzeichnung von J. Scotti.

[148] Ein Schneetunnel auf dem Albula-Paß. (Zu dem Bilde S. 133.) Mit außerordentlicher Strenge hat sich heuer auch im Flachland der Winter geltend gemacht, und in Gegenden, wo es seit Jahren zu keiner ordentlichen Schlittenbahn gekommen war, hat Wochen hindurch wieder einmal die weiche Schneedecke Gelegenheit dazu geboten, den behend hingleitenden Schlitten in den Dienst des Verkehrs zu stellen. Aber der Schnee, über den es sich so lustig bei Peitschenknall und Schellengeläute dahinfährt, hat auch arge Verkehrsstörungen verursacht; aus den verschiedensten Gegenden hatte die Tagespresse von verschneiten Straßen, steckengebliebenen Eisenbahnzügen und noch schlimmeren Unglücksfällen zu berichten. Doch noch ganz anders haust der Winter im Hochgebirg! Wie aber auch dort Menschenkraft und Menschenkunst diesen Unbilden der elementaren Natur Widerstand zu leisten und sie zu besiegen weiß, davon giebt unser Bild vom Albula-Paß in der Schweiz ein erfreulich anmutendes Beispiel.

Allen denen, die einmal in schöner Sommerzeit über den Albula-Paß von Chur ins herrliche Engadin hinüber oder von dort ins Rheinthal hinunter gefahren und gewandert sind, wird in der Erinnerung die großartige Gebirgsscenerie haften, die sich dem Blick auf jener Strecke darbietet, wo die Straße in weitem Bogen oberhalb des Albula-Ursprungs die fast senkrechten Felshörner der Giumels umzieht. Dort, zwischen dem Gasthaus Weißenstein und der Paßhöhe mit ihrem Hospiz, hatte der Schnee auch in diesem Winter die Straße völlig verschüttet. Das Wärterpersonal der Straße aber versteht sich darauf, in verhältnismäßig kurzer Zeit solche Störungen des Postverkehrs zu heben. Ein Schneetunnel von 195 Metern Länge, 21/2 Metern Breite und 3 Metern Höhe ward hergestellt, durch welchen seitdem die Post mit ihrem Viergespann sicher dahinfährt. Solche Schneegalerien werden auf den Schweizer Alpenhochstraßen im Winter und Frühjahr nicht selten zur Notwendigkeit. Ist der Schnee weich, wie in unserm Fall, so werden sie nach den Regeln des Gewölbebaus aus größeren zurechtgehauenen Schneestücken aufgeführt, die dann durch Begießen mit Wasser zum Zusammenfrieren gebracht werden. Bei dem festen Lawinenschnee genügt einfaches Aushauen des Tunnels.