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Ein Lebenslauf

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Ein Lebenslauf
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 96
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[96] Ein Lebenslauf. Am 9. Jan. starb in Wien der letzte directe Sprößling des freiherrlichen Stammes v. d. Trenk, preußischer Linie, die Nichte des unglücklichen Abenteurers, der im Beginne der greßen französischen Revolution unter der Guillotine sein Leben verlor, und somit auch eine Verwandte des österreichischen Pandurenführers, der aus dem Spielberg starb – Frau Edle v. Kuschieke, geborene Freiin v. d. Trenk, im 87. Lebensjahre und in solch’ tiefer Armuth, daß ihr Leichnam von der protestantischen Gemeinde A. C., deren Pfründnerin die Verstorbene auch gewesen, gratis zur Erde bestattet werden mußte. Ihre Lebensgeschichte ist eines der ergreifendsten Beispiele von den Wandlungen menschlichen Geschickes, von der Vergänglichkeit stolzester Geschlechter.

Karoline Freiin v. d. Trenk war in der Lausitz geboren, vermählte sich zu Ende des vorigen Jahrhunderts mit dem preußischen Schiffscapitain v. Kuschieke, der aber im Jahre 1807 von den Franzosen zu Stettin wegen patriotischer Widersetzlichkeit verhaftet und von ihnen an einen Ort geschafft wurde, wo er gänzlich verscholl, ohne daß seine Gattin je wieder etwas von ihm gehört hätte. Sie zog sich nach Breslau zurück, begab sich später nach Prag und ließ sich endlich 1809 in Wien nieder, wo sie sich durch Spitzenverfertigung auf maschinenmäßigem Wege ihren Unterhalt zu erwerben suchte. Im Jahre 1830 verlor sie durch die Ueberschwemmung den größten Theil ihrer Habe und das ganze Repositorium ihrer Familienpapiere. Sie versank bald darauf in Noth und mußte ihre Existenz auf Gnadengaben stützen. Im Jahre 1848, wo diese Quelle plötzlich versiechte, sah man die 75jährige Freiin v. d. Trenk mit dem Schubkarren auf den öffentlichen Arbeitsplätzen tagwerken, um sich, gleich den Aermsten der Armen, einige Groschen für den Unterhalt ihres Lebenn zu erwerben. Einige Jahre später gerieth sie ganz in die Kategorie der Unterstützungsbedürftigsten der Residenz. Die protestantische Gemeinde gewährte ihr eine Pfründe von jährlich zwölf Gulden. Die Pfarre der Leopoldstadt bemühte sich, die alte Frau in den Genuß wohlthätiger Stiftungen zu versetzen, und erwirkte ihr den Mitgenuß der Aspremont’schen Stiftung mit 61/2 Kr. WW., der Mareut’schen mit 151/2 Kr. östr. W. und – der Trenk’schen mit 41/2 Kr. östr. W. täglicher Alimente, so daß sie monatlich gegen 10 Gulden aus Wohlthätigkeitsanstalten und nebenbei auch noch von Zeit zu Zeit Gnadengaben der Kaiserin-Mutter und anderer Mitglieder des kaiserl. Hofes erhielt – bis sie endlich nach sechswöchentlicher Krankheit an Altersschwäche in den Armen ihrer Pflegetochter mit dem tiefen Seufzer verschied: „Wir haben keinen Kreuzer im Hause, was wirst Du machen, wenn ich nun sterben sollte?“

Merkwürdig ist, daß sofort nach dem Tode dieser Frau ein historischer Roman: „Friedrich von der Trenk“ angekündigt wird, dessen Herausgeber nach bis jetzt unbekannten Quellen gearbeitet haben und über viele Momente des Trenk’schen Lebens Aufschluß geben will, über die Trenk aus Rücksichten gegen lebende Personen in seinen Memoiren zu schweigen genöthigt war. Wahrscheinlich ist damit die Prinzessin Amalie, Schwester Friedrich des Großen gemeint, die bekanntlich ihrer Liebe zu Trenk das größte Opfer brachte, dessen ein Weib fähig ist: das ihrer Schönheit. Sie zerstörte dieselbe freiwillig, als sie noch in schönster Blüthe stand, um sich dadurch einem verhaßten Ehebündnisse zu entziehen.