Zum Inhalt springen

Ei, heut’ ist keine Schule!

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Hofmann
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ei, heut’ ist keine Schule!
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 492, 493
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Geburtstag des Schullehrers
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[492]
Ei, heut’ ist keine Schule![1]


Beim Schulhaus bleiben die Leute steh’n.
So sagt, was ist denn dort zu seh’n?
In Laubschmuck prangt die Pforte ganz,
Darüber hängt ein großer Kranz.

5
Das muß wohl recht den Kindern sein

Heut Garn auf ihre Spule,
Denn sie jauchzen von Haus zu Haus und schrei’n:
„Ei, heut’ ist keine Schule!“

Wo sonst die Bänk’ und Tische, ist heut

10
Die Stube frei und mit Sand bestreut.

Das Bücherbret nur allein hielt Stand
Und die schwarze Tafel an der Wand.
Ein frisches Hemd am Wochentag
Und Sonntagsrock und Weste?

15
Was der alte Lehrer erwarten mag

Wohl für besondre Gäste?

Da sitzt er lächelnd im Sonntagsstaat,
So froh, wie kein König im Ornat.
Es zieht zu seines Geburtstags Ehr’

20
Sein Völklein schon die Gasse her.

O Ernteglück in dem treuen Gesicht!
Wie behaglich im Großvaterstuhle
Der alte Lehrer selber spricht:
„Ei, heut’ ist keine Schule!“

25
Auf geht die Thür und erschallt’s jetzund

„Guten Morgen, Herr Lehrer!“ aus einem Mund.
Und da kommen sie alle im Sonntagsgewand,
Und keines der Kinder mit leerer Hand.
Und die Freude strahlt aus jedem Blick,

30
Selbst des Greises Wangen erblühen,

Dem einmal im Jahre so lohnet das Glück
Dreihundert Tage der Mühen.

In der Welt ist kein König und Volk zu schau’n
Mit solchen Augen voll Lieb’ und Vertraun!

35
O wüchse die Liebe, so rein und gut,

Für die Schule in Allen zum rechten Muth!
Blieb’ sie ein Kleinod Weib und Mann,
Ein Theuerstes auf Erden!
Fürwahr, wie würde glücklich dann

40
Und frei die Menschheit werden!


Hab’ Acht, hab’ Acht, klug ist die Nacht,
Steh’ für die Schule auf der Wacht,
Du Volk, das um Erleuchtung rang
Und schweren Kampfs die Nacht bezwang –

45
Daß nie der lichte Pfad verliert

Sich in des Machtwahns Pfuhle
Und einst sein Hohn nur triumphirt:
Ei, heut’ ist keine Schule!

Friedrich Hofmann.



[493]

Schullehrers Geburtstag. Nach einem Oelgemälde von C. Lasch.


  1. Von C. Lasch, dem Künstler unserer Illustration „Der Geburtstag des Dorfschullehrers“, haben unsere Leser schon früher (Gartenlaube 1866, Nr. 15) Treffliches gesehen, und um so mehr freuen wir uns, mit obigem Bilde ihnen ein neues Erzeugniß dieses ausgezeichneten Düsseldorfer Künstlers vorlegen zu können.