Zum Inhalt springen

Ehrengabe der Münchener Schützen zum Frankfurter Schützenfest

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: V.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ehrengabe der Münchener Schützen zum Frankfurter Schützenfest
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 30, S. 477
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Siehe dazu den Artikel Das erste deutsche Bundesschießen in Frankfurt a. M.
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[477]

Ehrengabe der Münchener Schützen zum Frankfurter Schützenfest.

Das allgemeine deutsche Schützenfest zu Frankfurt hat als ein glücklicher Zeitgedanke alle männlichen Herzen angeregt, welche für eine fröhliche nationale Verbrüderung, für einen gegenseitigen warmen Händedruck der einzelnen vaterländischen Stämme empfänglich sind. Es handelte sich um ein Fest, das insofern eine culturhistorische und im edlen Sinn politische Bedeutung hat, als es den Tyroler dem Sachsen, den Pommer dem Badenser Auge in Auge freundschaftlich gegenüber stellt, Alle in geselliger Gastlichkeit verbindet und ihnen zeigt, daß sie dieselben Allen heiligen Gefühle in derselben Muttersprache kund thun; daß es Eigenschaften der Tüchtigkeit giebt, in denen sie sich sämmtlich wohl verstehen, ohne daß es ein Dialekt oder ein Unterschied der Religion und der Staatsverfassung hindern kann; daß sie ferner Alle die einzelnen, aber nothwendig zusammengehörigen Glieder eines gemeinsamen Heimathbodens sind, auf dem keine feindliche Racenverschiedenheit, sondern nur eine zufällige Entfernung ihre Stämme trennt, und daß es endlich nicht die Zollvereinsgrenze ist, welche jenem vaterländischen Boden eine Schranke setzt!

Ehrengabe
Hauptschützengesellschaft
München.

Dieses erhebende Bewußtsein ist, wir hoffen es, zu Frankfurt von dem Altar nationaler Begeisterung als echter deutscher Aar, verjüngt wie ein Phönix, emporgestiegen. Jeder fühlt, daß ein solches Resultat nur durch eine persönliche feierliche Berührung von nah und fern zu irgend einem erfreulichen Zweck oder in irgend einer Corporation gewonnen werden kann; und wie es diesmal der Corporation der Schützen galt, so waren dieselben in vielen Städten Deutschlands bemüht, dem schönen Feste einen weittragenden Glanz und eine patriotische Wichtigkeit zu verleihen.

Bei dieser brüderlichen Auffassung hat es denn an einer zahlreichen Beschickung und an sinnigen Ehrengeschenken zum Gewinn der wackersten Schützen nicht gefehlt. In echt künstlerischer Weise, wie es dem Ruhme ihrer Heimathstadt entspricht, hat sich dabei die alte dreihundertjährige Schützengesellschaft zu München durch Ueberreichung der geschmackvollen auf unserm Bilde dargestellten Fahne hervorgethan. Es ist ein aus den Tagen des Mittelalters stammendes Herkommen, bei feierlichen Gelegenheiten solche Bannerfahnen zu schenken, die im Geiste des herrschenden Geschmackes charakteristisch geziert sind. Wir lesen deshalb auf der vorstehenden Fahne die Worte: „Wie unser Brauch, so die Gabe auch“. Und ferner: „Ehrengabe der Hauptschützengesellschaft München“, und auf der andern Seite: „Zum deutschen Schützenfest in Frankfurt 1862“. Der Herr Architekt August Töpfer zu München (welcher auch die Güte hatte, unsere Illustration selbst zu zeichnen) ist der Erfinder der Fahne, so wie er sich denn durch industrielle Entwürfe für die Oeffentlichkeit schon lange einen rühmlich bekannten Namen erwarb.

Das Banner mißt von der Spitze der vergoldeten Bavaria, die in Zinn gegossen ist, bis zum Ende der Stange 12 Fuß, in der Breite der Fahne selbst 3 Fuß 9 Zoll, in deren Höhe 4 Fuß 1 Zoll. Die dunkel gezeichneten Felder bestehen aus dunkelgrünem Sammet, die hellen aus weißem Taffet, mit echten Goldborten und Litzen und der goldgestickten Schrift geschmückt. Helle Bänder in den bairischen Farben, weiß und blau, flattern an den Seiten herab, und unten links zeigt sich das bairische Wappen, rechts das Münchner Stadtwappen. Auf der Rückseite sind wieder die vier Eckfelder von dunkelgrünem Sammet, und von gleichem Stoffe ist dort das ganze Mittelstück. In diesem aber beruht auf der Vorderseite wohl der Hauptreiz des so harmonisch zusammenstimmenden Ganzen, denn der Beschauer erblickt darauf ein abnehmbares, sehr wohlgelungenes Oelgemälde, ein Genrebild des bekannten Historienmalers Freiherrn von Pechmann. Während das landschaftliche Motiv in freier Behandlung dem Starenberger See entnommen ist und im Hintergründe die duftige warme Abendsonnenbeleuchtung auf den blauen Berglehnen der Benedictenwand zeigt, ist im Vordergründe eine Kahnfahrt, eine Rückkehr von einem ländlichen Hochzeitschießen, abgebildet, wie es die fröhliche Volkssitte der bairischen Alpenbewohner mit sich bringt, welche der Beschauer hier in ihrem kleidsamen Nationalcostüm vor sich sieht. Wir überlassen es der regen Phantasie eines Jeden, sich nach seiner Art in die weitere Deutung des so kecken als idyllisch träumerischen Bildes zu versenken. Wer je die Luft der Alpen geathmet und den lauten langgezogenen Juchheruf über einem ihrer stillen Seespiegel vernommen hat, wird sich ganz in die charakteristische Scenerie hineinversetzen.

Das Bild sammt der Fahne, welche nach der Zeichnung des genannten Architekten von Herrn Gerdeisen (Firma Schreibmayer zu München) mit ungemeiner Präcision und kunsttechnischer Grazie angefertigt wurde, ist ein Preis auf die Scheibe „Deutschland“. Die schöne Ehrengabe wurde von circa fünfzig Münchner Schützen, die sich zu ihrem Einzug in Frankfurt noch ein besonderes bairisches Schützenbanner hatten machen lassen, an seinen Bestimmungsort geleitet, an der Spitze die Herren Schützenmeister Waldmann und Schmid. Die Kosten des Geschenkes beliefen sich, beiläufig bemerkt, etwa auf 350 Gulden.

B.